Zurück   Startseite   Druckversion 29. Juli 2000/6. August 2004

RhönSalon 2000 im Internet

Kunststation Kleinsassen zeigt Arbeiten aus Bayern, Hessen und Thüringen

"RhönSalon 2000": Kunst kennt keine Grenzen

von Klaus H. Orth (Fuldaer Zeitung vom 29. Juli 2000)

Hofbieber-Kleinsassen. Die Rhön verbindet. Den jüngsten Beweis dafür führt ein Projekt, das die Kunststation Kleinsassen in diesem Jahr ins Leben gerufen hat: Der "RhönSalon", der künftig im Zwei-Jahres-Rhythmus stattfinden soll, zeigt im Jahr 2000 ausgewählte Arbeiten von 82 Kreativen, die im bayerischen, hessischen oder thüringischen Teil der Rhön professionell in den Bereichen bildende Kunst, Design und Architektur arbeiten oder durch ihr Schaffen mit der Region verbunden sind.

Bei einem Rundgang durch das Ausstellungshaus am Fuße der Milseburg präsentiert sich dem Besucher ein Kaleidoskop kreativer Ausdrucksformen. Werke unterschiedlicher Kunstgattungen und Stilrichtungen vereinen sich im Atelier und in den drei Hallen zu einem eigenwilligen Miteinander, das durchaus als Spiegel des zeitgenössischen Kunstschaffens in der Region Rhön verstanden werden darf.

Bilderreichtum

Was zunächst ins Auge fällt, ist der enorme Bilderreichtum. Realistische Darstellungen und impressionistsche Ansichten wie "Herbstlandschaft" von Sergej Kasakow (Petersberg) und "Feldweg im Winter" von Ferdinand Mohr (Großenlüder) wechseln mit surreal anmutenden Arbeiten, zu denen Veronika Zyziks (Ehrenberg) Ölbild "Jein" zu zählen ist, das eine Frau mit drei zu einem Dreieck verschänkten Armen zeigt. Zur Abstraktion neigt "Alles wegen Grün" von Leszek Skurski (Künzell). In seiner Arbeit in Öl auf Leinwand verliert sich die angedeutete Figur in einem Meer aus expressivem Rot und Orange. Bei Veronika P. Dutts (Poppenhausen) Acrylbild "Farbraum dunkles Grau, Lichtfeld hell" deutet schon der Titel auf die Autonomie der Farbe hin, die alles Figürliche aus dem Bild verdrängt hat.

Bei den Pastellen sticht "Julia" von Spasa Milasinovic (Glauburg) heraus. Das Porträt einer jungen Frau lebt von starken Hell-Dunkel-Kontrasten und einer Geometrisierung der Farbflächen. Nicht weniger beeindruckend sind die Aquatinta-Radierung "Bauerngehöft in Alsfeld" von Ingeborg Mengel (Alsfeld-Altenburg) und die Collagrafien "Romanik" und "Gotik" von Gisela Rieck (Künzell), die hier Fachwerkidylle ins Bild bannen und dort Architektur vergangener Epochen auf innovative Weise zitieren. Bei den Aquarellen fallen die Blätter von Walter Nickel (Roßdorf) und Hildegard Hull (Fladungen) ob ihrer Leuchtkraft ins Auge.

Des Weiteren bietet die Schau ein Forum für Fotografien, Architekturmodelle, Skizzen, kostbare Schalen und Kannen aus Gold und Silber in neuzeitlichen Designs, für Arbeiten in Mischtechnik, zwei- und dreidimensionale Collagen und andere einfallsreiche Exponate wie dem titellosen Bild aus gefärbtem und gewachstem Japanpapier von Cordula Hartung (Meiningen).

Kreatives Potenzial

Besonders erwähnenswert bei den Skulpturen und Objekten aus Stein, Holz, Metall oder Terrakotta sind die kleinen Köpfe aus glasiertem Ton von Rajko Herzegovac (Kleinsassen), die aus Sandstein gehauenen Köpfe mit dem Titel "Zwölf Findlinge" von Walter Graf (Obereschenbach) und der Frauentorso "Gaia 2000" von Ulrike Bauer (Künzell-Dirlos).

Akzente setzen raumgreifende Installationen wie "Trinkkur" von Ulrike Reinhold (Fulda) und die "Rhöncollection" aus Glas, Erde, Steinen und Fundstücken aus Tierschädeln, die Hans Rösch und Grete Meyer (Mellrichstadt) zusammengetragen und in Halle eins großflächig ausgelegt haben.

Ein großes Lob gilt Predrag Hegedüs. Von ihm stammt nicht nur die Idee des länderübergreifenden und sich als interdisziplinär verstehenden Projekts. Der bosnische Künstler, der in Frankfurt und Kleinsassen lebt und arbeitet, zeichnet für das anspruchsvolle Arrangement und die exzellente Hängung der Exponate verantwortlich. Auch Kuratorin Dr. Marion Feld hat bei der Auswahl eine sichere Hand bewiesen.

Das kreative Potenzial, das der "RhönSalon 2000" freisetzt, ist enorm. Noch bis zum 20. August können sich Besucher täglich, außer montags, von 14 bis 18 Uhr davon überzeugen.

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