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Die Kunststation Kleinsassen zeigt in der Galerie Gersfeld Textilarbeiten der Kuna-IndianerMotivwelten der MolakanaVon Klaus H. Orth. Gersfeld. Kunst kann Geschichten erzählen und Geschichte greifbar machen. Sie kann die Traditionen und Werke ihrer Hervorbringer wiederspiegeln oder die alltäglichen Erfahrungen ihrer Schöpfer in Bilder kleiden. Brillante Beispiele für jene Wirkmächtigkeit der Kunst bietet die Ausstellung "Molakana", welche die Kunststation Kleinsassen in der Galerie der Stadthalle Gersfeld präsentiert. Die Schau versammelt Textilarbeiten der in Panama beheimateten Kuna-Indianer, deren Kultur sich der Ethnologe Prof. Dr. Günther Hartmann und seine Frau Ursula Hartmann seit Jahrzehnten wissenschaftlich angenommen haben. Aus der umfassenden Sammlung des Berliner Ehepaares stammen denn auch die Exponate, die sowohl Kunst als auch - in ihrer ursprünglichen Form - Gebrauchsgegenstände sind. Kunst und Kleidungsstück Der Titel der Ausstellung, so erklärte es Ursula Hartmann während der Vernissage, leite sich von der Mehrzahl des Begriffes "mola" ab, was im Indianischen zweierlei meine:Zum einen bezeichne das Wort eine Bluse, die aus textilen Bildteilen hergestellt wird. Zum anderen werde auch das einzelne reich geschmückte Vorder- beziehungsweise Rückenteil jener traditionellen Bluse "mola" genannt. Die Ausstellung zeigt fast ausschließlich jene rechteckigen Brust- oder Rückenteile im Querformat, die die Sammler während ihrer Reisen zu den Kuna-Indianern erworben und aus den Kleidungsstücken herausgetrennt haben. Gerahmt vor einem groben Naturstoff entfalten sie nun in der Ausstellung ihren ganzen Reichtum an Farben und Formen. "Eine Art Bilderschrift" Das blusenartige Kleidungsstück, das nur von Frauen und Kindern getragen wird, diente ursprünglich dem Schutz vor der Witterung. Viele Motive der frühen zweifarbigen Molakana, so Ursula Hartmann, erinnerten an die Körperbemalungen des Naturvolkes, waren einfach und grob. Doch im 19. Jahrhundert kamen schottische Missionare nach Panama und trugen Nadel, Faden und Schere im Gepäck. Schnell eigneten sich die Frauen des Volkes die Fertigkeiten an, bekamen mehr und mehr ein Verständnis für das Bild, das neben die Muster trat und zu einem bedeutenden Medium wurde. Günther Hartmann, bis zu seiner Pensionierung Oberkustos der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz und Leiter der Abteilung Amerikanische Naturvölker, konstatiert hinsichtlich der Molakana: "Man kann sie auch als eine Art von Bilderschrift bezeichnen, denn die Kuna zeigen darin nicht nur, was sie bewegt, sondern auch ihre mythologische Motivik." Die Ausstellung macht anhand ihrer Hängung in Motivgruppen deutlich, wie umfassend die Kuna-Indianer die Textilien, an denen sie zum Teil bis zu drei Monaten täglich fünf Stunden arbeiten, zum Spiegel ihrer Welt werden lassen: Die symbolischen Molakana bitten um Schutz vor Krankheiten, um ein langes, gesundes Leben und um schöpferische Kraft. Andere Gruppen führen dem Betrachter die Tiere des Wassers, des Landes und der Luft vor, rücken heimische Pflanzen ins Bild, zeigen die Lebenswelt der Kuna - den Fischfang, die Arbeit beim Pflanzen und Ernten -, erzählen vom Kosmos und der Mythologie und machen deutlich, dass auch die Außenwelt ihren Einfluß auf die Molakana geltend macht. So hat hier ein chinesisches Schriftzeichen, dort ein Kruzifix Eingang in die Bildwelt gefunden. Sammlerin Ursula Hartmann weiß: Manche der männlichen Kuna, die unter anderem auf Schiffen oder im Hafen arbeiten, kommen mit der für sie fremden Kultur in Berührung und erzählen davon ihren Frauen, die das Beschriebene in Bilder umsetzen. Dass aber umgekehrt die Kuna-Kunst auch ausstrahlt, verdeutlichen einige Exponate aus Europa, darunter ein Wandteppich von Magdalene Hofmann-Soare. Nach Grußworten von Gersfelds Bürgermeisterin Margit Trittin und Norbert Filke, dem Leiter der städtischen Tourist Information, gab Ursula Hartmann eine Einführung in die Kunst der Kuna, der "einzigen zeitgenössischen Frauenkunst, die ihre gesamte Erfahrungswelt in ihrer Kunst dokumentiert" - eine Kultur, die ihr seit den 70er Jahren zur "Herzenssache" geworden sei. Die Grüße des Landkreises und der im Umbau befindlichen Kunststation Kleinsassen überbrachte Dr. Marion Feld. Sie eröffnete die Schau, die vom Kultursommer Main-Kinzig-Fulda gefördert wird. George Wagner (Gitarre) und Klaus Schenk (Vibraphon) umrahmten die Vernissage mit Jazz und einem Stück von Astor Piazolla. Molakana - Textilarbeiten der Kuna-Indianer (Panama). Ausstellung der Kunststation Kleinsassen in der Galerie der Stadt Gersfeld, Stadthalle. Bis 29. August. Öffnungszeiten: 13 bis 18 Uhr. Eintritt: frei. Aus: Fuldaer Zeitung vom 29. Juni 2004
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Letzte Änderung Menu: 22. Mai 2013 |