Zurück   Startseite   Druckversion 15. September 2000/6. August 2004

Grenzgänge im Internet

"Grenzgänge" im Zeichen der Kunst

von Klaus H. Orth, Fuldaer Zeitung vom 29. August 2000

Hofbieber-Kleinsassen. Grenzgänge sind eine Herausforderung für denjenigen, der sie unternimmt. Sie können Gefahr bedeuten, bergen aber auch die Chance, den eigenen Horizont zu erweitern und sich selbst besser kennen zu lernen. Die Ausstellung "Grenzgänge & shy; Europa im Schatten des Stieres" in der Kunststation Kleinsassen vereint Exponate von Künstlerinnen und Künstlern aus dem Friaul, aus Kärnten und der Oberpfalz, die derzeit an einem Symposium in der Heimvolkshochschule Burg Fürsteneck teilnehmen.

Dank an Bockelmann

Zur Vernissage begrüßte Peter Ballmaier, der Leiter der Kunststation, die Künstler und Gäste im Ausstellungshaus. Besonderen Dank sagte er Susanne Bockelmann, der Ideengeberin und Organisatorin der Schau. Der Künstlerin aus Küsten oblag die Ausführung des internationalen Projekts, das vom Landkreis Fulda und von der Friedrich-Ebert-Stiftung realisiert und vom Kultursommer Main-Kinzig-Fulda und dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst gefördert wurde.

Bockelmann ging in ihrer Einführung auf die mythologische Geschichte der Europa ein: Zeus, der sich der schönen Prinzessin als Stier zeigte und die junge Frau von Kleinasien nach Kreta entführte, nahm mit ihr auch ihre fremde Kultur mit über die Grenze, die sich fortan als europäische entfalten konnte.

"Die Kärntner, Oberpfälzer und Friulaner Künstler kommen als Gäste. Sie bringen ihre Arbeit, ihre Kunst und ihre Kultur mit, und wir haben hier die Gelegenheit, ihre Arbeiten zu erleben, daran teilzuhaben, uns auszutauschen", sagte Bockelmann.

Die Künstlerin hatte vor zwei Jahren in Lubljana an einer "Künstlerkolonie" mit österreichischen, slowenischen und italienischen Künstlern teilgenommen. Aus dem Austausch entstand die Idee zum aktuellen Projekt. Im Gespräch mit der FZ erklärte Bockelmann: "Ich fand, daß es spannend wäre, wenn wir als Künstler durch die Begegnung und die Zusammenarbeit während eines Symposiums nach und nach die europäische, politische und kulturelle Situation der Kollegen in anderen Ländern kennen lernen könnten und damit auch unsere eigene".

Was die Künstler mitgebracht und während des Symposiums geschaffen haben, fügt sich zu einem harmonischen Miteinander, das zeigt, dass die Sprache der Kunst keine nationalen Grenzen kennt. Märchenhaft bis skurril muten die Holzskulpturen von Paolo Figar aus dem Friaul an. Seine "Prinzessin Europa" empfangt die Besucher in Halle eins. Figars Landsmann Mario Palli präsentiert eine Auswahl verschieden großer quadratischer Bilder in einer Mischtechnik aus Stoff und Tempera-Farbe. Die zur Zeit in Berlin lebende gebürtige Kärntnerin Lisa Huber beeindruckt mit zwei Holzschnitten im Format 260 Zentimeter mal 560 Zentimeter.

Sie stammen aus ihrer "Grauen Serie" und stellen einen Totentanz dar, den die Künstlerin ihrem verstorbenen Vater gewidmet hat. Auch ein Holzschnitt von Susanne Bockelmann gehört zum Ausstellungsbestand. Er illustriert das Thema der Schau: "Europa im Schatten des Stieres".

Aus dem Zyklus "Zeichen und Schriften" stammen die Bilder von Karl Vouk. Der gebürtige Klagenfurter vereint in seinen Arbeiten vor monochromem Hintergrund archetypische und postmoderne Symbole, die in nur wenigen Strichen angedeutet sind, zu einem geheimnisvollen Ganzen. Jörg Schemann setzt sich mit einem Thema aus der Natur auseinander: Der Regensburger Künstler hat zwei dreiteilige Bilder und drei große bemalte Säulen geschaffen, die eine Kiefer vor blauem Hintergrund zeigen.

Die Kärntner Künstlerin Meina Schellander lädt zu einem Erlebnis "Zwischen Himmel und Erde" ein. Ihre eigens für das Projekt geschaffene Installation setzt sich aus so unterschiedlichen Kunstgattungen wie Zeichnung, Collage, Schwarz-Weiß- und Farb-Fotografie, Metallobjekten und Video zusammen, die Grenzerfahrungen des Ich visualisieren.

Alois Öllinger aus Kötzting in der Oberpfalz schafft aus Karton beziehungsweise aus Offsettblech Bildräume und Bildobjekte, die er mit Lack- und Ölfarbe überzieht. Seine Grenzerfahrung versteht sich als räumlich-definiert. Ebenfalls aus der Oberpfalz stammt Jürgen Huber.

Großstadt als Thema

Der in Regensburg lebende und arbeitende Künstler richtet in seiner Bilder-Serie "Civitas" den Blick des Betrachters auf die Thematik der Großstadt und ihrer Architektur und fragt nach den Empfindungen des Individuums in der urbanen Umwelt.

Bewegungsreich und erotisch sind die Kohlezeichnungen von Franco Ule. Der in Triest geborene Künstler, der heute in London zu Hause ist, setzt in seinen Akten und Körperausschnitten auf einen schnellen Strich und teilweise auf starke Konturen, die das Mit- und Gegeneinander von Schwarz und Weiß akzentuieren.

Die quadratischen Arbeiten von Massimiliano Busan aus Gorizia sind überaus abwechslungsreich gestaltet: Die in diversen Mischtechniken erstellten Bilder erscheinen mal farbig verspielt, mal nüchtern und streng, wobei der Künstler von Marmor über Terracotta bis hin zu PVC in puncto Material keine Grenzen zu kennen scheint.

Wer selbst als "Grenzgänger" zwischen den verschiedenen Kunstgattungen und -Stilen durch die Ausstellung wandeln möchte, der hat bis zum 15. Oktober täglich außer montags von 14 bis 18 Uhr Gelegenheit dazu.

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