China - Tagebuch von Veronika Zyzik
14. Tag - Sonnabend, 29. April 2000
Wangfujing Dajie ist die berühmteste Einkaufsstraße Pekings.
Wer hier sein Geschäft betreiben will, braucht viel Geld. Die Preise
sind rund dreimal so hoch wie bei den Kleinverkäufern in der
Nähe des Bahnhofs, wo auch unser Hotel liegt. Riesige
Kaufhäuser, internationale Modehäuser, die protzigen
Gebäude locken neugierige Menschenmassen an. Den Rückweg nehmen
wir über die berühmte und von zahlreichen Postkarten bekannte
Jinyu Hutong-Straße. Hutong ist ein mongolischer Begriff und
bezeichnet einen Brunnen, der früher in der Mitte einer Siedlung
stand. Heute finden sich in Peking noch 6.000 Hutongs, die allerdings nach
und nach dem dynamischen Wachstum der Metropole weichen müssen.
Ein Besuch in Peking ohne Peking-Oper ist eine unverzeihliche Sünde.
Wir bügeln unsere besten Kleider auf und stürzen uns ins
Abenteuer. Die prächtige Ausstattung, die unglaubliche Akrobatik,
Pantomime, Musik, Gesang und der Dialog fesseln uns. Volksmärchen,
Legenden und Erzählungen werden faszinierend dargestellt: vom Rollen
der Augäpfel bis zur Stellung der Finger. Die Klänge der
schrillen Musik versetzen mich in eine sinnliche Ekstase. Ich gebe zu:
wirklich hohe Kunst. Auch ohne jede Handbewegung und Mimik zu verstehen,
dazu müssten wir die Werke studieren, sind wir fasziniert. Wir
verlassen uns auf die Informationen unserer Reiseleiterin.
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