China - Tagebuch von Veronika Zyzik
13. Tag - Freitag, 28. April 2000
Heute organisieren wir einen Ausflug zum Garten der harmonischen Einheit,
besser bekannt als Sommerpalast. Rund eine Stunde vom Hotel entfernt,
genießen wir hier die frische Luft und ruhen uns aus. Der Garten war
ein einst Geschenk eines Kaisers zum 60. Geburtstag an seine Mutter. Auf
290 Hektar breitet sich die prachtvolle Anlage am Kummingsee aus, die die
stolze Summe von 4,8 Millionen Taler Silber kostete. Der Sommerpalast
wurde schnell zum Lieblingsgarten des Kaiserhofes, der sich in
feuchtheißen Sommermonaten an die kühlen Ufer des Sees
zurückzog.
Zweimal zerstört, brachte die letzte Kaiserin-Witwe Cixi das Geld
für den Wiederaufbau auf und verlebte hier die meiste Zeit ihres
Lebensabends, um der bedrückenden Enge der Verbotenen Stadt zu
entkommen. Nach ihrem Tod 1908 wurde der Sommerpalast zunächst
geschlossen, bevor er 1924 zum öffentlichen Park wurde. Die
Eintrittspreise waren allerdings so hoch, dass sich kaum jemand einen
Besuch leisten konnte und die Anlage nach und nach verwilderte. Ein 728
Meter langer Wandelgang mit 273 Säulen umgibt das Gebäude. Hier
konnte Cixi am See spazierengehen, den wir in einem drachenähnlichen
Schiff befahren. Über die Siebzehn-Bogen-Brücke gelangen wir auf
eine Insel, die von 500 steinernen Löwen und Fabeltieren bewacht
wird. Zahlreiche Verkäufer holen uns hier mit ihrem ständigen
"look, look", von unserem Ausflug in die Vergangenheit in die
Gegenwart zurück.
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