China - Tagebuch von Veronika Zyzik
9. Tag - Montag, 24. April 2000
Heute holen wir unsere Bilder im Weifang-Museum ab. Die Ausstellung ist
bereits komplett abgehängt und zum Teil verpackt. Mr. Sun Xue Min
schaut meine Zeichnungen lange an. Ich versuche herauszufinden, was ihm am
besten gefällt und schenke ihm schließlich ein Aquarell und
Videokassetten über die Kunststation Kleinsassen. Er freut sich sehr.
Auf meinen Wunsch hin besichtigen wir eine der Kunsthochschulen. Die
Studenten haben von morgens 6:50 Uhr bis 21:30 Uhr Programm. Geschlafen
wird über den Unterrichtsräumen. Nur Pausen für die
Mahlzeiten bieten kleine Unterbrechungen. Die erste Klasse malt
vorlagengetreu Stillleben. Die zweite Klasse darf bereits ihren eigenen
Stil dazusetzen. Es gibt Klassen für Stickereien und traditionelle
Tuschemalerei nach Jahrhunderte alten Vorlagen. Die Schuldirektorin ist
selbst Künstlerin und malt realistische Bilder auf Seide. Chinesische
Kunststudenten müssen in der Hochschule viele namhafte Maler
kopieren.
Nachmittags besichtigen wir eine Drachenfabrik. Bunt bemalte Seide und
geschnitzte Bambusstöcke verwandeln sich in Handarbeit in
wunderschöne Drachen. Ein guter Freund von Mr. Sun Xue Min zeigt uns
seine Druckwerkstatt. In den Ecken stapeln sich Berge von
Holzdruckplatten. Jede Farbe wird einzeln aufgetragen. Eva und Gudrun
kaufen ihm einige Werke ab. Der alte Mann freut sich darüber so sehr,
dass er Mr. Sun am Gewinn beteiligen will, wenn er ihm weitere Kunden
vorstellt.
Nachmittags kaufen wir alleine ein, obwohl Mr. Sun Angst hat, uns
könne etwas zustoßen. Wir fühlen uns aber nie bedroht.
Abends treffen wir uns zum letzten Mal mit den Künstlern aus Weifang
in einem modernen Café. Die Wände schmücken traditionelle
und impressionistische Gemälde in chinesischer Ausführung. Wir
debattieren noch einmal über die Kontakte zwischen chinesischen und
deutschen Künstlern und einen möglichen Kulturaustausch in zwei
Jahren.
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