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China - Tagebuch von Veronika Zyzik

4. Tag - Mittwoch, 19. April 2000

4. Tag: 19. April 2000

Gegen 6 Uhr morgens erreichen wir Weifang. Hier begrüßen unsere Zugbegleiter salutierend ihre Kollegen. Gar nicht so einfach, wie ein Zinnsoldat zu stehen, während der Zug abbremst. Unsere chinesische Reiseleiterin Jessica erwartet uns. Ein kleiner Bus bringt uns zum exklusiven Weifang-Hotel.

Meine Vorstellung von Yin und Yang, der permanenten Suche nach Ausgleich, wird gleich über den Haufen geworfen. Sofort ist Action angesagt: Frühstück um 7 Uhr, Abfahrt zum Museum Weifang um 8 Uhr, wo wir unsere Ausstellung vorbereiten. Um 10 Uhr wird eröffnet. Uns bleibt gerade eine halbe Stunde Zeit, um gut auszusehen und eine Rede vorzubereiten. Alles geschieht in einem unglaublichen Tempo. Absolutes Chaos bis zur letzten Minute. Rund 200 Menschen, fast ausschließlich Männer, strömen pünktlich zur Vernissage ins Museum. Hier treffe ich auch einige der chinesischen Künstler wieder, die ich im letzten Jahr während der Biennale Neues Aquarell in der Kunststation Kleinsassen betreut habe.Drei Fernsehstationen filmen. Reden, Hände schütteln, mit wichtigen Repräsentanten des öffentlichen Lebens durch die Ausstellung gehen. Auch das in einem unglaublichen Tempo. Nach einer Stunde ist alles vorbei, die Rang- und Würdenträger längst weiter. Um 12 Uhr sitzen wir bereits wieder am Mittagstisch im Hotel. Unser Terminplan bringt uns auch deshalb ins Schwitzen, weil Fahrzeiten häufig erst gar nicht einkalkuliert wurden. Wir müssen daher jeden Moment auf alles gefasst sein.

Für 14 Uhr ist eine Stadtrundfahrt angesetzt. Weifang erinnert mit seinen breiten Straßen und Kreuzungen an Mexiko-City. Die Fahrweise der Chinesen ist einmalig und atemberaubend. Ich denke jeden Moment, jetzt knallt es. Wie durch ein Wunder geht es immer noch gerade haarscharf am nächsten Auto vorbei. Wer überholt, hupt ununterbrochen. Alle Verkehrsregeln scheinen außer Kraft gesetzt. Der schnellere und lautere gewinnt. Unser Betreuer, Mr. Sun, zeigt uns die beeindruckenden Reste der Altstadt, Mauern, Ruinen, den Fluss und moderne Einkaufsstraßen. Hier ergattern wir Pinsel, Steine und Antiquitäten. Um 15 Uhr besichtigen wir den relativ kleinen Su Shu-Garten, eine Art Volksmuseum. Anschließend besuchen wir eine "Galerie". An den Wänden hängen Hunderte von kleinen Tuschezeichnungen, Aquarellen und Linol- und Holzschnitte. Darunter viele Versuche, berühmte europäische Künstler wie Cezanne oder van Gogh zu imitieren. Die Galeristin, eine Bäuerin mit roten Wangen und Kopftuch vermittelt uns den Eindruck: Hier müssen wir kaufen, sonst kommen wir nicht wieder raus. Nach langem Sitzen schließlich ringt Gudrun sich zu einem kleinen Holzschnitt durch. Ein prall gefüllter Tag. Nach dem Abendessen um 18 Uhr fallen wir todmüde ins Bett.

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