Zurück   Startseite   Druckversion 30. April 1999/6. August 2004
Ausstellung vom 25.4. bis 12.6.1999 in der Kunststation Kleinsassen

Stilreichtum und Kreativität einer Gruppe von Individualisten

38 Mitglieder des Berufsverbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler Frankfurt präsentieren in der Kunststation Kleinsassen ausgewählte Arbeiten
 

Die Resonanz bei der Vernissage war enorm: In der Kunststation Kleinsassen präsentieren 38 Mitglieder des Berufsverbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK) Frankfurt ausgewählte Arbeiten aus den Bereichen Malerei, Grafik, Fotografie, Skulptur, Objektkunst und Installation. Stilreichtum und Kreativität zeichnen die Schau dieser Gruppe von Individualisten aus, die dem mit 270 Mitgliedern größten Berufsverband seiner Art in Hessen angehören. Ingeborg Seidel, ebenfalls BBK-Mitglied, hat die Anregung für die Schau gegeben und die Kontakte zur Kunststation geknüpft.

Predrag Hegedüs, seit langem mit dem Rhöner Präsentationshaus eng verbunden, zeichnet für die überaus gelungene Organisation und Präsentation der Exponate verantwortlich. Die Ausstellungsstücke verdeutlichen beispielhaft die Vielfalt an Inhalten und Techniken innerhalb der Künstlergemeinschaft. Es sind Arbeiten, die den Zeitgeist widerspiegeln und die gleichzeitig die individuelle Handschrift ihrer Schöpfer tragen. Die verschiedensten Ausdrucksformen gehen hier Hand in Hand, laden zum sinnlichen Reflektieren ein und durchziehen die Schau gleich einem roten Faden. Die stilistische Spannbreite reicht von der konkreten über die photorealistische bis zur abstrakten Darstellung. Die Mitglieder thematisieren in ihren Arbeiten Zeit, Raum, Angst, Natur, Dialog und Gegensatz. Manche nehmen dabei eine bestimmte Position ein, andere lassen die Interpretation bewußt offen.

So widmet sich Karin Goetz in ihren Zeichnungen und Installationen Verpuppungen. Ihre Cocons stehen symbolhaft für all jene Hüllen, die Leben - ganz gleich welcher Art - behüten, die alles Schützenswerte - auch Gedanken und Werke - vor äußeren Angriffen bewahren. Lutz Lübbe verwendet für seine Arbeiten Kaffeesatz und Leinwandsäcke, entwirft und verwirklicht ruhige Konstruktionen mit sich wiederholenden Farbkompositionen wie Schwarz-Rot-Gold. Der Gegensätzlichkeit der Kräfte hat sich Karl F. Hofeditz in seinen Skulpturen aus Holz und Metall zugewandt, wobei der Beschaffenheit des Materials ein wesentlicher Aussagewert zukommt. Ursula Zepter beschäftigt sich mit "Zeit-Räumen". Sie versucht in ihren Arbeiten die Vereinnahmung und Verfügbarkeit von Zeit sichtbar zu machen und sie als quantitativen Rohstoff darzustellen. Karin Aurast orientiert sich am Nichtgegenständlichen, schafft durch Übermalungen unzählige Farbschichten, die jedoch ihren jeweiligen Grundton nicht verleugnen, sondern immer noch sichtbar bleiben lassen.

Spiegelungen auf Oberflächen finden sich in der photorealistischen Malerei von Jörg Koltermann. Johannes Kriesche setzt sich mit Musik auseinander und Ramona Menze-Kuhn präsentiert ein "Landschaftspuzzle" aus vielen Teilen, das das Spannungsverhältnis zwischen Menschen und Natur aufzeigen soll. Dieter Mulchs Bilder dokumentieren mit ihren Anlehnungen an die Collage und diverse Zeichen eine traumartige Wahrnehmung. Die Wächterwesen von Gabriele von Lutzau wirken wie Schutzsymbole alter Völker. Ihr Ursprungsmaterial sind Baumwurzeln, die die Künstlerin bearbeitet, bis daraus ihre archetypischen Figuren auf langen Stelzen entstehen.

Waltraud Munz präsentiert großformatige Papierarbeiten in einer Mischtechnik aus Kreide, Aquarell und Collage, während Allmut Plate in ihren Installationen die Themenkreise Boot und Spurensuche aufgreift und vereint. Gabriele Schmolck-Hieber stellt in ihren Wandinstallationen Papier und Fäden in immer neue Zusammenhänge. Und Ingeborg Seidel appelliert mit ihren Radierungen aus dem Themenkreis Landschaft an den Erhalt der Natur.

Schon diese kleine Auswahl aus unzähligen Arbeiten zeigt das breite Spektrum der Schau, die durch ein lebendiges Miteinander unterschiedlichster Stile, Techniken und Inhalte bestimmt ist. Noch bis zum 12. Juni kann die Präsentation besucht werden.

Klaus H. Orth
Beitrag aus der Fuldaer Zeitung vom 28. April 1999

Öffnungszeiten der Kunststation Kleinsassen: dienstags bis sonntags von 14 bis 18 Uhr

und nach Vereinbarung. Weitere Informationen unter Telefon (0 66 57) 80 02.

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