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Graphik und Skulptur des Graphikers, Bildhauers und Schriftstellers Günter Grass in der Kunststation KleinsassenVielfachbegabung verpflichtet!Günter Grass ist ein genialer Schöpfer intensiver Bilderwelten. Das gilt für sein schriftstellerisches Schaffen ebenso wie für sein graphisches und bildhauerisches Werk. Eine exquisite Auswahl neuerer Grafik und Skulptur präsentiert bis zum 9. September 2012 eine Ausstellung in der Kunststation Kleinsassen. Die geschmackvoll arrangierte Schau vereint Blätter aus Serien und ausgewählte Bronzen. Beispielhaft lassen die Exponate Motive erkennen, die auch in den Romanen und Gedichten des Literatur-Nobelpreisträgers aufscheinen. Doch will Grass seine Lithographien und Radierungen nicht als Illustrationen seines literarischen Werks verstanden wissen. Vielmehr sieht er die teils bereits vor der schriftstellerischen Auseinandersetzung entstandenen Kunstwerke als autonom und für sich selbst gültig an. Günther Troll, Kurator der Ausstellung, führt für dieses produktive Mit- und Nebeneinander der Arbeit als Schriftsteller, Graphiker und Bildhauer treffende Beispiele an: "Lange bevor Günter Grass das Märchen vom "Butt" (1977) als Roman aufschrieb, wurde der Plattfisch mit Pinsel, Kohle und Bleistift gezeichnet; dagegen entstanden die Grafiken zum "Tagebuch einer Schnecke" erst nach der Niederschrift des Manuskripts (1972). Die ersten 20 Seiten des Romans "Die Rättin" schließlich begann er 1982 nicht auf Papier zu schreiben, sondern in feuchte Tonplatten." Ratten, Fischen, Schnecken, Zwiebeln, Bohnen, Birnen und anderen für Grass typischen Motiven begegnet der Besucher beim Rundgang durch die Ausstellung - auch dem kleinen Oskar aus dem 1959 erschienenen Roman "Die Blechtrommel", der Grass’ Ruhm als Schriftsteller begründete. Andere Blätter erinnern an die beiden weiteren Teile der "Danziger Trilogie", "Katz und Maus" und "Hundejahre", stellen "Fundsachen für Nichtleser" vor, präsentieren bildnerische Pendants zu "Ein weites Feld" und anderen viel beachteten Veröffentlichungen. Ein schreibender Zeichner ist jemand, der die Tinte nicht wechselt", lautet denn auch das Credo des Vielfachbegabten, der am 16. Oktober 1927 in Danzig geboren wurde. Nach dem Krieg absolvierte Grass eine Steinmetzlehre, studierte dann an der Kunstakademie in Düsseldorf Bildhauerei und Graphik und anschließend an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin Bildhauerei. Zunehmend gewann das Schreiben für Grass an Bedeutung, bescherte ihm internationale Beachtung und Erfolg. Doch blieb der Träger renommierter Auszeichnungen - darunter der Georg-Büchner-Preis (1965) und der Literatur-Nobelpreis (1999) - in den vergangenen sechs Jahrzehnten seinem bildnerischen Schaffen stets treu. Grass bewegt sich scheinbar spielerisch zwischen den unterschiedlichen Ausdrucksmitteln hin und her, erweist sich hier wie dort als genauer Beobachter und kritischer Geist, überprüft zeichnerisch geschriebene Metaphern und schreibt Skizzen weiter. Mit spürbarer Lust kreiert er Bilder und Bronzen, die klug und mitfühlend menschliche Momente verdichten. Durch die Mienen und Haltungen der Paare aus der Reihe "Letzte Tänze" (2003) etwa erzählt Grass viel über die Beziehung der miteinander Tanzenden, die mal ineinander verschmelzen, mal Rücken an Rücken agieren. Zudem verleiht der "Schreibkünstler" den Lithographien buchstäblich seine eigene Handschrift, indem er in den "Schrift-Bildern" schwungvoll seine Worte auf Papier bringt. Er schafft, ähnlich wie in seinen Büchern und doch in ganz eigenständiger künstlerischer Weise Erfahrungs- und Begegnungsräume, in denen der Betrachter zum Schauen, Staunen und Schmunzeln, aber auch zur Selbstreflexion angeregt wird. Wunderbar ironisch muten die Ätzradierungen "Selbst mit Hut und Unke" (1992) und "Ich als Koch" (1981) an, auf denen Grass sich als kauziger Kerl mit leicht finsterem Blick verewigt hat. Der Künstler mit den vielen Talenten ist nämlich auch in der Küche mit Passion kreativ. Diese Leidenschaft kommt ebenfalls im "Mappenwerk Küchenzettel" und dem Skulpturenpaar "Zwei Köche" zum Ausdruck und beweist damit einmal mehr: Vielfachbegabung verpflichtet! Die Ausstellung "Günter Grass - Graphik und Skulptur" findet im Rahmen des Festivals "Kultursommer Main-Kinzig-Fulda 2012" statt und wird gefördert durch das Land Hessen, die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, die Stiftung der Sparkasse Fulda und den Landkreis Fulda. Im Juni, Juli und August werden jeweils samstags um 16.00 Uhr Führungen angeboten. Die Gebühr dafür beträgt 2 Euro zuzüglich zum Eintrittspreis für Erwachsene von 3 Euro (ermäßigt 1,50 Euro, Familienkarte 6 Euro). Geöffnet ist die Kunststation dienstags bis sonntags von 13.00 bis 18.00 Uhr. Text: Klaus H. Orth. Unterstützt durch
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Letzte Änderung Menu: 17. Juni 2013 |