Schließen   Drucken 28. Juli 2011

Von Amüsement bis zur Betroffenheit

Aufwühlende Bilder des ungarischen Künstlers Béla Faragó in Kleinsassen

Kleinsassen. Von Amüsement bis Betroffenheit: Der ungarische Künstler Béla Faragó zeigt seine Ausstellung "Völker und Raum" in der Kunststation in Kleinsassen.

"Wir hoffen, dass diese Ausstellung mit ihren schwierigeren Themen von dem Besucherandrang profitiert, den wir gerade mit unseren anderen Ausstellungen erleben," das wünschte der Leiter der Kunststation, Peter Ballmaier, zu Anfang der Präsentation. In der Tat bilden gerade die kleinen sonnig-tröstlichen Landschaften des Literaturnobelpreisträgers Hermann Hesse, die momentan in zwei Hallen der Kunststation zu sehen sind, den größtmöglichen Gegensatz zu den entlarvend satirischen Zeichnungen Béla Faragós im Atelier. Aber darin liegt der Reiz, beide Ausstellungen in der Kunststation anzusehen und sich damit unterschiedlichen Emotionen auszusetzen.

Die Palette der Emotionen reicht in Faragós Fall von Amüsement bis Betroffenheit. Amüsant kommen auf den ersten Blick seine von Hunden dargestellten Flaneure auf dem "Boulevard der vornehmen Rasse" daher. Die Szenerie wirkt jedoch umso bestürzender, je mehr man sie im Kontext der gesamten Ausstellung sieht. Wenn man sich beispielsweise bewusst macht, dass dieses Bild neben einer kleineren Zeichnung hängt, die aufeinander gestapelte Schuhe zeigt. "Übriggebliebene" heißt diese Arbeit. Diese Schuhe haben sicherlich nicht Vertretern der "vornehmen Rasse" gehört. Das Menetekel von Auschwitz wird hier aufgerufen, ohne es explizit zu zeigen.

Bereits der Titel der Ausstellung des ungarischen Künstlers und Baselitz-Schülers provoziert diese Bestürzung: "Völker und Raum". Béla Faragó hat ihn bewusst gewählt. Die Assoziationen zu nationalsozialistischem Gedankengut sind nicht zufällig. Gleichzeitig ist der Titel der Ausstellung eine fast trotzige Abwandlung des faschistischen "Völker ohne Raum". Geprägt hat diesen Begriff Hans Grimm im Jahre 1926 mit seinem gleichnamigen Roman. Die darin beschriebenen Ideen unterfütterten die später von der Reichsführung in die Tat umgesetzte Direktive, sich diesen Raum für das deutsche Volk ohne Rücksicht auf Verluste zu nehmen.

"Integrationsunfähigkeit und Fremdenhass sind keine Schlagwörter sondern nehmen in unserer Gesellschaft zu und breiten sich aus", diagnostizierte der Galerist des Künstlers, Martin Kreß von der Galerie Destillarta in Buchschwabach, bei seiner Eröffnungsrede. "Die Gründe liegen vor allem im Festhalten alter, platter Vorurteile, dem Übernehmen von pathologischen Denkweisen, von denen die Welt glaubte, dass sie ein für alle Mal verschwunden sind. So werden in den Blogs von DVU und NPD die Begriffe 'Volk und Raum' weiterhin benützt, um Ängste und Fremdenhass zu propagieren", so Kreß.

Das Leid, das durch Rassismus angerichtet wird, bis hin zu den Folgen des Zweiten Weltkrieges, sind wichtige Themen für Faragó. Dazu gehört seine eigene Exil-Geschichte, die seinen Blick auf die Welt prägte. "Ich werde wohl nie an einer Endstation ankommen", schreibt er über die Ausreise aus seiner Heimat. Er verließ Ungarn, um dem Militärdienst zu entgehen.

"Ein Nomade blieb er auch in Deutschland," so Martin Kreß, "studierte an vier verschiedenen Akademien Kunst, die alle sein Können und seine herausragende Genialität und Virtuosität erkannten".

Béla Faragó wurde 1958 in Kiskunfélegyhaza in Ungarn geboren, absolvierte 1978 sein Fachabitur in Kunst und studierte nach seiner Emigration in Düsseldorf bei Konrad Klaphek und Georg Baselitz freie Kunst und parallel dazu Restauration von Leinwandbildern an der Stuttgarter Akademie. In Nürnberg schloss er sein Studium ab und war dort anschließend Dozent für Anatomie. Seit 1987 arbeitet er freischaffend als Maler, Zeichner und Restaurator. Faragó ist Preisträger der Nürnberger Nachrichten (2001) und der Ortung III Schwabach (2003). 2011 waren seine Arbeiten in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte in Auschwitz zu sehen.

Die Ausstellung dauert bis zum 18. September: Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 13 bis 18 Uhr.

Aus: Fuldaer Zeitung vom 28. Juli 2011


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