Zurück   Startseite   Druckversion 21. März 2010

Ein schöner Rahmen für das 19. Jahrhundert

"Quattro Stazioni dell' Arte": Künstlerische Begegnung zwischen Italien und Osthessen

Von Bea Nolte-Schunck.

Kleinsassen. Wahrscheinlich stand der Frühling Pate: Die kommunale Partnerschaft zwischen der Gemeinde Hofbieber und der Unione Montana Acquacheta in Italien hat jetzt kulturelle Blüten getrieben.

Schauplatz von "Qattro Stazione dell' Arte" war die Kunststation Kleinsassen, wo sich Künstlerisches aus Italien und aus Osthessen begegnet(e). Besondere Betrachtermagnete waren die "lebenden Bilder", mit denen am Wochenende Gemälde von Silvestro Lega (1826 - 1895) nachgestellt wurden. "Lebende Bilder mit menschlichen Darstellern waren im 19. Jahrhundert eine eigene Kunstform und werden jetzt in Italien wieder gepflegt", erläuterte Peter Ballmaier, Leiter der Kunststation Kleinsassen.

Dafür eignen sich Legas gemalte Szenen aus dem Alltag, wobei seine Werke als Vorboten des Impressionismus gelten. Der Maler ist ein großer Sohn der Stadt Modigliana, die zur Partnerregion Hofbiebers gehört. "Diese lebenden Bilder werden erstmals außerhalb Italiens gezeigt", betonten Regina Goldbach und Martin Herbst vom Vorstand des Hofbieberer Vereins Freundeskreis Italien. Auch die insgesamt 42 Gäste aus der Emilia Romagna genossen das Ereignis: "Es ist uns eine Freude, unsere heimatliche Kultur nach Hofbieber zu bringen", erklärten Guiseppe Mercatali und Serena Bambi vom Partnerschaftskomitee der Unione Montana Acquacheta. So hatten die Darstellerinnen aus dieser Region in Kabinen samt angebrachtem Rahmen Platz genommen und setzten die Werke des Malers mit originalgetreuen Frisuren und Gewändern vor dem genau kopierten Gemälde-Hintergrund bemerkenswert in Szene. Die zahlreichen Betrachter konnten beispielsweise Legas "Venditrice di coperte" (Deckenverkäuferin) bestaunen, deren Kopf ein wärmendes Exemplar zierte. Zum Vergleichen dienten jeweils Aufnahmen der Gemälde. Ein anderes lebendes Bild mit einer Damengruppe am weit gereisten Klavier widmete sich - wie von Lega getitelt - der italienischen Liedform des Stornello. Frappierender Einklang mit dem Gemalten wurde durch das Aussehen der Personen bis hin zum Faltenwurf der Kostüme hergestellt. Selten war Kunst in Kleinsassen so lebendig - vor allem in den Momenten, wenn die gar nicht auf die Leinwand Gebannten ihre Rahmenkabine zu einem kurzen Plausch verließen.

Hofbiebers Bürgermeister Marcus Schafft (CDU) würdigte, dass diese Veranstaltung auf die Malertraditionen als weiteres verbindendes Element bei dieser Partnerschaft hinweise. Die lebenden Bilder gastierten zwar nur zwei Tage in der Kunststation, doch bis 16. Mai werden dort Bildtafeln zu Leben und Werk des Silvestro Lega gezeigt.

Ebenfalls bis 16. Mai sind in Kleinsassen zeitgenössische Arbeiten aus den Partnerregionen ausgestellt - als weitere sehenswerte "Stazioni dell' Arte". Der wie Lega aus Modigliana stammende Giovanni Gurioli präsentiert futuristisch anmutende Skulpturen (einschließlich Wellen) aus Aluminium und eine nicht minder markante Installation aus gebranntem Ton. Susanne Bockelmann, die in Ebersburg lebt und mit der Kunststation verbunden ist, konnte für die deutschen Beiträge gewonnen werden. Ihre Handdrucke auf Vlies oder Chinapapier sind zarte, farb- und formschöne Verschwisterungen von Ausdruckskraft und Fantasie. Am Wochenende waren Bockelmanns Arbeiten ästhetisch ergänzt durch eindrucksvolle Bonsai-Pflanzen aus dem Apennin, präsentiert von den Bonsai-Künstlern Cesare Mazzoni und Guiliano Forcellini (beide Modigliana).

Zum gelungenen Wochenende gehörte auch eine "Italienische Nacht" im Bürgerhaus Langenbieber mit musikalischen Darbietungen von Fraco Branca sowie original italienischen Spezialitäten, gekocht und serviert von den angereisten Gästen.

Aus: Fuldaer Zeitung vom 21. April 2010


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