Zurück   Startseite   Druckversion 1. Juni 2010

Das Pferd in der Kunst als Spiegel der Stile und Epochen

"Sensation" auf vier Beinen: Kurator Michael Imhof führte durch die neue Ausstellung in Kleinsassen

Kleinsassen. "Dass diese Ausstellung nicht in Müchen, Hamburg oder Münster hängt, sondern in Kleinsassen, ist eine Sensation." Marianne Blum, Koordinatorin der Kunststation Kleinsassen, zeigte sich bei der Vernissage von den zusammengetragenen Kunstwerken begeistert.

Die Ausstellung bietet ein Panorama aus drei Jahrtausenden Kunstgeschichte und ein Füllhorn von über 300 Gemälden, Grafiken und Skulpturen. Von Dürer bis Picasso, von altgriechischen Vasen bis Dalí, von jungsteinzeitlichen Knochenschnitzereien bis zu einer Bronze von Franz von Stuck reichen die Ausstellungsstücke.

Zu verdanken ist dies dem Kurator Dr. Michael Imhof. Der Petersberger ist Inhaber des gleichnamigen Verlages, der hauptsächlich Kunstbücher herausbringt. So kam er auch vor zweieinhalb Jahren auf die Idee zu der Ausstellung, wie er bei der Eröffnung erzählte. Er verlegte damals ein Buch über Pferde in Kunst, arbeitete sich in das Thema ein und entdeckte seinen enormen Reiz.

Denn obwohl das Pferd den Menschen von Anfang an begleitete und sich dieses enge Verhältnis auch zu allen Zeiten in der Kunst widerspiegelt, ist das Sammeln von Pferde-Darstellungen im 20. Jahrhundert aus der Mode gekommen. und damit schlicht kaum eine Sammlung in dieser Richtung vorhanden. Dabei lässt sich gerade anhand dieses Sujets vieles zeigen: die Moden und Stile der Kunstepochen ebenso wie die Wandlung der Aufgaben und Rollen, die der Mensch dem Pferd zuordnetet und damit auch sich selbst definierte.

Entsprechend ist die Ausstellung aufgebaut. Sie bietet einerseits einen chronologischen Rundgang von den Anfängen bis in die Moderne, ordnet die Arbeiten aber auch inhaltlich in verschiedene Rubriken. Imhof erläuterte auf einer kurzweiligen Führung durch die neu geschaffenen Kabinette in den Hallen die Besonderheiten jeder Epoche und die Enstehungsgeschichte so manchen Kleinods. So gehörte der berühmte Pferdemaler Philip Wouwerman im 17. Jahrhundert zu den Künstlern, die so gefragt waren, dass nach seinem Tod sämtliche Herrscherhäuser Europas ihre Kunstagenten losschickten, um aufzukaufen, was es auf dem Markt gab. Das hatte zur Folge, dass es bis heute eine Unmenge von Fälschungen gibt. Umso höher ist es zu schätzen, dass man in Kleinsassen gleich mehrere Originale des Malerstars entdecken kann.

Die Ausstellung ist bis zum 10. Oktober in Kleinsassen zu sehen.

Aus: Fuldaer Zeitung vom 1. Juni 2010

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