Zurück   Startseite   Druckversion 17. März 2009

Kunst & Energie vereint

ÜWAG zeigt Bilder und Skulpturen aus Kleinsassen

Fulda - "Es ist uns heute wunderbar gelungen, Kunst und Energie zu vereinen". Ein wenig Stolz klang schon mit in der Stimme von Dipl.-Ing. Bernhard Herber, dem Bereichsleiter Energiewirtschaft des osthessischen Energieversorgers Überlandwerk Fulda AG (ÜWAG) gestern Abend bei der Vernissage einer Ausstellung mit knapp 100 Gästen, die es so noch nie in Fulda gab. Und auch der Bürgermeister von Hofbieber, Marcus Schafft, freute sich, dass nicht zuletzt durch die Kunststation seine Gemeinde als "Kulturhauptstadt der Rhön" geadelt worden sei. Es sind mehr als 50 Bilder und Skulpturen aus der Arthotek der Kunststation Kleinsassen/Rhön, die in den nächsten drei Wochen als "Kunstbotschafter" das ÜWAG-Kundenzentrum in der Fuldaer Bahnhofstraße zieren. Und als "Abrundung" gibt es an Großleinwänden einen Film, der von "medienkontor fulda" produziert wurde und mit unterschiedlichen Szenen fast 30 Jahre Geschichte der Kunststation veranschaulicht. Außerdem macht die Kunststation mit Werken der Gruppe "k:sechs" im ÜWAG-Kundenzentrum neugierig auf den Besuch einer Parallelschau, die ab April in Kleinsassen und in der Burghauner Galerie Liebau zu sehen sein wird.

Peter Ballmaier, einer der Gründungsväter der Kunststation und deren langjähriger Leiter, war es, der im Gespräch mit Klaus Orth (ÜWAG) Wissenswertes und Anekdotenreiches über das renommierte Präsentationshaus am Fuße der Milseburg und seine 30-jährige Geschichte erzählen konnte. "Die Kleinsassener Kunstfreunde" seien eine sehr große Familie und über die ganze Welt verstreut, erzählte Ballmaier. Es sei wichtig, der Kunst ohne Angst zu begegnen, die Augen und Ohren aufzumachen, zu sehen und zu hören. In den vergangenen 30 Jahren habe er "etwa 500 Ausstellungen" mitorganisiert und eröffnet, wobei auch bis zu 1.600 Arbeiten von der Kunststation angekauft oder ihr geschenkt wurden. Und dieser "Schatz" in Form der Arthothek solle aber nicht im Archiv oder Keller verschwinden, sondern werde erfreulicherweise zu 80 Prozent an Menschen in Deutschland ausgeliehen. Auch so komme die Kunst also zu den Menschen, meinte Ballmaier.

Als "beeindruckende Erlebnisse" nannte er unter anderem eine Kunstaktion 1979 mit dem Gründer der Kunststation als "Ort des Lebens und der Begegnung", Jürgen Blum mit "Schwarzvermummten" in dem Rhöndorf oder die Aktion des "geteerten Apfelbaumes", der nicht abstarb, bis hin zu dem "phantastischen Künstler" Armin Mueller-Stahl, der als "vielschichtige Persönlichkeiten einen gefangen nehme". Auch von ihm sind Arbeiten in der Ausstellung zu sehen.

Ein weiterer, sehr unterhaltsamer Programmpunkt der Vernissage - die musikalische Umrahmung durch das Kabarettduo "Bella & Bellissimo". Dazu gehörte zum Auftakt das Lied "Kleinsassen" (deutscher Text Marianne Blum) mit Melodieteilen von dem Rock'n Roll "I'm walking" von Fats Domino und der Ballade "Paint it black" von den Rolling Stones. Teil 2 bildete "Take Six", eine textlich von Marianne Blum leicht veränderte Version des Jazzklassikers "Take Five" von Paul Desmond mit dem Künstler Peter Blum als Gastmusiker am Cajon.

Bisher kannte man Marianne Blum vor allem als Sängerin des Damen-Duos DUELLE und Danny Müller als Keyboarder der Partyband "Mambo Kingx". Im letzten Jahr haben sich die zwei exzellenten Musiker zusammengetan und starteten ein neues Projekt. "BELLA & BELLISSIMO " haben sie sich genannt und gleich die Latte ganz hoch gehängt. "Ich will alles", so Blum, "Ich will, dass die Leute lachen, was zum Nachdenken haben, gute Musik hören und ich wollte schon immer einen Pianisten, den ich an die Leine nehmen kann". Danny Müller, der außer für die "Mambo Kingx" u.a. auch für "Wolf & Bleuel", "Sabinett" und Guildo Horn in die Tasten greift, hat sich trotz dieser Ansage auf die Zusammenarbeit mit der Blum eingelassen: "Unsere gemeinsame Stärke ist die Improvisation. Das ist spannend. Man weiß nie, wo einen das hinführt, und hinterher bekomme ich ja auch immer ein Stückchen Wurst..." Wie die beiden das meinen, haben sie eindrucksvoll in ihrem Debüt-Programm "Und du bist raus!" bewiesen, das im Herbst sowohl im Fuldaer Land als auch auf Mallorca für Begeisterung sorgte. Es ist die Mischung, die hier den Funken überspringen lässt: Musikalische Originalität und intelligente Comedy, energiegeladener Vortrag und ausgeprägter Sinn für das Absurde und nicht zuletzt pure Spielfreude gepaart mit technischer Perfektion.

Und während der kurzweiligen Ausstellungseröffnung ging es auch künstlerisch weiter: der Maler Evgeni Smirnov zog mit virtuosem Pinselstrich live im ÜWAG-Kundenzentrum und ließ sich dabei von den Besucherinnen und Besuchern über die Schulter schauen. Smirnov, der von der Halbinsel Krim im Schwarzen Meer stammt und der bei zahlreichen Arbeitsaufenthalten in der Rhön die Schönheit der Landschaft festgehalten hat, stellt auch ausgesuchte Arbeiten aus dem Bestand der Artothek vor. Bei den Exponaten handelt es sich um Acryl- und Ölbilder, Holzschnitte, Aquarelle und Objekte vorwiegend heimischer Künstlerinnen und Künstler, deren Namen eng mit der Kunststation verbunden sind – darunter Werke von Gisela Rieck, Susanne Bockelmann sowie der Stipendiaten Ellen van Ess und Peter Hendryk Blum. Außerdem sind aus der Artothek einige Bilder des berühmten Schauspielers und Malers Armin Mueller-Stahl zu sehen, dessen große Retrospektive in der Kunststation 2008 für Besucherrekorde gesorgt hat.

Der andere Teil der Ausstellung im ÜWAG-Kundenzentrum gibt einen Vorgeschmack auf eine Parallelschau, die im April unter dem Titel "k:sechs" in der Kunststation Kleinsassen und in der Galerie Liebau in Burghaun stattfindet. Sie wird Arbeiten versammeln, die von Günter Liebau und fünf mit ihm befreundeten Künsterkollegen stammen. Unter den Exponaten sind unter anderem dynamisch-expressive Gemälde von Jörg von Kitta-Kittel sowie Bronzebüsten und Köpfe von Claudia Krentz.

Bis zum 3. April 2009 gibt die Kunststation Kleinsassen ihr sehenswertes Gastspiel in der Fuldaer Bahnhofstraße. Die Ausstellung ist während der gewohnten Öffnungszeiten des ÜWAG-Kundenzentrums kostenlos zugänglich.

Aus: Osthessennews vom 17. März 2009
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