Zurück   Startseite   Druckversion 7. November 2009

Wenn Kunst nicht rettet

Ausstellung "Schmücke Dein Heim" in Kleinsassen

Kleinsassen. "Was würden Sie tun, wenn Sie der letzte Mensch auf der Welt wären?" Der Coburger Kunstwissenschaftler Dr. Hans-Jürgen Fliedner forderte die Besucher der Vernissage der Ausstellung "Schmücke Dein Heim" auf, sich die Fragen zu stellen, welchen Platz Kunst in ihrem Leben einnimmt. "Angenommen Sie stellen in 60% ihrer Zeit die täglichen Bedürfnisse sicher, was machen Sie mit den anderen 40%?"

Fliedners Annahme: "Sie machen Kunst." Mit anderen Worten: Der Mensch beginnt ganz von selbst damit seine kreativen Potentiale zu entwickeln. Kunst ist wichtig - denn sie rettet vor dem Verblöden. Sie ist geistige Nahrung, weil sie sich nicht darauf beschränkt, dekorativ zu sein. Wie wirkt es sich hingegen aus, wenn die Kunst aus dem Leben ausgeklammert wird? Mit diesen und anderen Fragen zum Thema "Schmücke Dein Heim" setzen sich derzeit in der Kunststation sechs Künstler aus Thüringen, Bayern und Hessen auseinander. Die Ergebnisse dieser Auseinandersetzung sind spannend und witzig zugleich.

Gudrun Dittmar aus Aschenhausen (Thüringen) lässt in ihren an Werbeplakate erinnernden Acrylbildern das Hausfrauen-Klischee der 50er Jahre ironisch wieder aufleben Anders Mia Hochrein aus Münnerstadt, die handelsübliche Campingzelte in kitschige Berglandschaften montiert. Hier zeigt die "heile Welt" ihre ganze Armseligkeit. Bei Malerin Jana Schwarz aus Langenbieber wiederum geht es um die Einsamkeit, Zerrissenheit und mangelnde Geborgenheit in dem, was man "zu Hause" nennt.

Alle sechs Künstler leben und arbeiten in der Rhön, der Grenzregion der drei Bundesländer und haben sich eigens für dieses Ausstellungsprojekt zusammengefunden, das bis zum 17. Januar in der Kunststation zu sehen ist.

Aus: Fuldaer Zeitung vom 7. November 2009


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