Zurück   Startseite   Druckversion 22. August 2009/29. September 2009

Beim Barte des Stiers

Selbstinszenierungen eines Provokateurs: Die Dali-Fotos in Kleinsassen

Von Anke Zimmer.

Salvador Dali

Foto: Marianne Blum.

Salvador Dali war ein Meister der Selbstinszenierung

Wie kaum ein anderer Künstler des 20. Jahrhunderts verstand er es, sein Leben und seine Kunst zu einer Einheit zu verschmelzen. Mit allem, was dazu gehörte: Verfremdung, Maskerade, Clownerie. Das zeigt sich derzeit sehr schön in der Kunststation Kleinsassen, wo neben den Druckgrafiken des Surrealisten (1904 - 1989) auch ein paar Porträtfotos zu sehen sind: Bilder, die belegen, wie raffiniert, aber auch wie ironisch Dali damit spielte, dass sich die Menschen - und nicht nur die Kunstinteressierten - einerseits eigene Vorstellungen von dem Katalanen machten, dass sie andererseits aber auch schnell gängigen Klischees aufsaßen.

Augenfällig ist natürlich sein Bart, ein weltberühmtes Markenzeichen, über das er sich ausgiebig lustig macht. Nicht nur, dass er damit malt, nein: Er schmückt seine akzentuierte Gesichtsbehaarung auch noch mit Blümchen! Flower Power, die ihm ins Gesicht geschrieben steht. Dann wiederum recken sich die Bart-Enden spitz und hart in die Luft; gleichsam Stierh&uouml;rnern. Dass sich Dali, dieser eitle Spanier, den kraftstrotzenden Tieren verbunden fühlt, wenn sollte es wirlich wundern?

Seinem Image als durchgeknallter Künstler wird Dali natürlich allein durch sein wildes Augenrollen gerecht. Doch er gibt sich auch zahm, freundlich und zurückhaltend, wenn Kollegen und Weggefährten zugegen sind. Wiewohl das nicht der Dali ist, als der er sich gerne inszeniert. Der Provokateur in ihm, dem es zeitlebens immer schwerer fiel, das Publikum zu schocken, hatte es bei allem Elan nicht immer leicht.

Seine Exzentrik dient dem Wiedererkennungswert. Je wagemutiger und Aufsehen erregender eine Aktion, desto schneller weiß man um den Urheber. Der verückte Clown, der sein wahres Ich hinter der Maske verbirgt... Oder sind Dalis Inszenierungen mehr als Versteckspiele? Ist er genau das, was man von ihm zu sehen bekommt?

Zu Lebzeiten spielte er mit den Erwartungen der Fans. Und kam darum auch bei allen Selbstdarstellungen an seinen Uhren, den Markenzeichen seiner Kunst, nicht vorbei. Dass eines der Porträtfotos den Surrealisten mit verfremdetem Gesicht zeigt, spricht darum Bände: Salvador Dalis Antlitz wird zum Ziffernblatt, die Barthaare sind die Zeiger. Der Künstler und seine Kunst verschmelzen zu einem zunächst profanen Gegenstand - dem Zeitmesser - und wirken eben darum so fremd wie vertraut. Die Ver-Rückung des Alltags: Das ist Surrealismus. Das ist Salvador Dali.

Salvador Dali - Mein Dali. Dauer: Bis 25. Oktober. Ort und Öffnungszeiten: Kunststation Kleinsassen, An der Milseburg 2, Hofbieber-Kleinsassen. Dienstag bis Sonntag 13 bis 18 Uhr. Eintritt: 19 €, ermäßigt 7 €.

Aus: Fuldaer Zeitung vom 22. August 2009

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