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Schmetterlinge und die Lust auf KunstInterview mit Carsten Kollmeier vom DaliBerlin, das Leihgeber der Kleinsassen-Ausstellung istVon Anke Zimmer, Fuldaer Zeitung. Kleinsassen. Die Kunststation in Kleinsassen begeistert mit einer wunderbaren, exquisiten Salvador-Dali-Ausstellung. Die Exponate stammen aus dem DaliBerlin. Dessen Kurator, Carsten Kollmeier, stand unserer Zeitung Rede und Antwort.
"Nur die Spitze des Eisbergs" Frage: Dali ist nach wie vor einer der berühmtesten Künstler der Welt. Auch Nicht-Kunstinteressierte kennen seine Werke. Was macht ihn so zeitlos und so populär? Carsten Kollmeier: Dali hat es wie kein anderer Künstler geschafft, so zu polarisieren, dass selbst seine Gegner sein Genie akzeptierten. Seine Themen waren zudem so vielfältig und gleichzeitig vielschichtig, dass diese noch heute aktuell sind. Es gibt bei ihm soviel zu entdecken, er selbst sagte einst: Wenn man eines Tages meinem Werk gewahr wird, wird man feststellen, dass man nur die Spitze des Eisbergs kennt... Frage: Wie ist es Ihnen gelungen, für das Berliner Museum 400 Werke des Surrealisten zusammenzubekommen? Sind es Leihgaben? Kollmeier: Wir verfügen über einen Pool von fast 3000 Exponaten aus Privatsammlungen, von denen zur Zeit über 450 zur Dauerausstellung im Museum "Dali - Die Ausstellung" gehören. Unser Museum ist privat initiiert und finanziert, das heißt, wir schaffen es, Kunst auf höchstem Niveau in Berlin zu zeigen, ohne dabei den Steuerzahler etwas zu kosten. Und zudem ermöglichen wir es anderen Kulturinstituten, wie zum Beispiel im Falle Meiningen und Kleinsassen, allein aus unserem Sammlungspool ein solches Mammutprojekt mit Exponaten zu bestücken. Frage: Was verbirgt sich hinter dem Konzept "Surrealismus für alle"? Dient es dazu, nach wie vor bestehende Schwellenängste bei Museumsbesuchen abzubauen? Kollmeier: 1999 wurden wir durch einen Artikel in einer großen deutschen Tageszeitung, der die schwindenden Besucherzahlen in Deutschlands Museen beklagt, angespornt Berührungsängste einer breiten Bevölkerungsschicht abzubauen. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch kein "MoMa in Berlin". Sicherlich ist es eine langfristige Aufgabe, einem breiten Publikum auf hohem Niveau "Lust auf Kunst und Kultur" zu machen. Doch wenn es einer kann, dann mit Sicherheit Salvador Dali. Frage: Sie unterstützen Museen und Galerien. Welche Bedingungen müssen diese Ausstellungshäuser erfüllen? Immerhin gibt man ja solche Exponate nicht einfach aus der Hand ... Kollmeier: Selbstverständlich sind wir bei der Auswahl der zu unterstützenden Projekte sowohl unseren Sammlern als auch Dali selbst verpflichtet, genau zu prüfen, ob entsprechende Partner die richtigen Vorraussetzungen mitbringen und vor allem die richtige Einstellung zu einem solchen Ausstellungsprojekt haben. Jedoch sind wir im Interesse der Kunst erst ein mal offen für Anfragen und Vorschläge. Denn auch bei diesem Projekt waren viele Gespräche nötig, ein gemeinsames Modell zu entwickeln. Und wir sind gemeinsam mit den Sammlern, damit Meinungen/Kleinsassen dieses Projekt realisieren können, mit ins Risiko gegangen. Meister aller Techniken Frage: Kleinsassen und Meiningen zeigen in Kooperation grafische Arbeiten des Surrealisten. Wie kam die Fokussierung auf diesen Bereich zustande? Kollmeier: Salvador Dalis gut vermarktete Kalendermotive beziehungsweise Postkartenmotive kennt quasi jeder. Der sicherlich authentischere und vielschichtigere Dali ist jedoch in seinem umfangreichen grafischen Werk zu finden. Zumal es dem Besucher sicherlich im ersten Step einfacher fällt, den Zugang zu Dalis Inhalten über komplette Mappenwerke, denen eine gemeinsame Geschichte oder Thematik zugrunde liegt, zu finden. Salvador Dali nur auf sein malerisches Werk zu reduzieren, wäre so fatal, wie dieses bei Da Vinci zu tun. Salvador Dali war ein Meister in nahezu allen Techniken der Kunst, und insbesondere sein grafisches Werk zeigt seine Experimentierfreude und Genialität. Wer begründet schon bei seinem ersten lithographischen Werk, in dem er mit Arkebusen auf die Lithosteine schießt, so nebenbei den "Bulletismus" oder fährt mit einer Dampfwalze über eine Nähmaschine, die zwischen zwei Radierplatten liegt. Andere Künstler werden durch "Schießbilder" oder sog. Happenings erst berühmt. Frage: Was macht den besonderen Reiz dieser grafischen Blätter aus? Kollmeier: Dalis graphisches Werk besticht durch seine Authentizität, technische Fertigkeit und experimentierfreudige Umsetzung, sowie Themenvielfalt. Entgegen der Malerei, die fast immer umfangreiche Studien und Vorzeichnungen bedarf, ist das graphische Werk bei Dali,als wahrem Meister in nahezu allen Techniken der Kunst, "aus dem Bauch heraus" und somit authentischer und enger am wahren Surrealismus und an Genialität. Frage: In einer Pressemitteilung sprechen Sie davon, dass die Schauen in Kleinsassen / Hessen und Meiningen / Thüringen eine "grenzüberschreitende Gemeinschaftsausstellung" passend zu "20 Jahre Mauerfall" seien. Spielen Themen wie etwa Trennung oder Kalter Krieg eine Rolle in den Grafiken? Kollmeier: Auch wenn man Dali im Gegensatz zu anderen Künstlern immer unterstellt, dass er nicht politisch war, sondern eher ein perfekter Selbstdarsteller, so beweist uns gerade das feinsinnige grafische Werk das Gegenteil. Denn Dali hat sich mit sehr vielen Themen beschäftigt, unter anderem mit der Verantwortung des Menschen für die Zerstörung und den Krieg. So setzte er beispielsweise Schmetterlinge als Zeichen für Verwandlung (Metamorphose) auf Speerspitzen - zu sehen in der Serie Don Quichotte beim Ausstellungsprojekt in Meiningen / Kleinsassen -, um sich gegen den Krieg und damit auch den "Kalten Krieg" auszusprechen. Frage: Wie sind Sie persönlich eigentlich zu Dali gekommen? Kollmeier: Er begeisterte mich in jungen Jahren schon mehr als andere Künstler. Später kam ich über meine Eltern wieder zu diesem Thema, da sich meine Familie in kleinem Rahmen an der Finanzierung von Editionen von Dali-Skulpturen in Form von Investment beteiligte. Dann hat er mich einfach nicht mehr losgelassen. Aber ich habe auch mit großer Begeisterung erfolgreiche museale Ausstellungen zu anderen faszinierenden Künstlern, wie Chagall, Hundertwasser, Rembrandt ins Leben gerufen.
Aus: Fuldaer Zeitung vom 30. Juni 2009
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