Zurück   Startseite   Druckversion 22. Juni 2009/29. September 2009

Klempner in der Dali-Schatztruhe

Traumhafte Vernissage der Ausstellung mit Werken des Maler-Granden in Kleinsassen

Von Bea Nolte-Schunck.

Kleinsassen. "Sie sind mal kurz eingenickt, und ich bin Ihr Traum", sagt der Klempner. Er hat sich eben noch an Heizkörpern der Kunststation zu schaffen gemacht, nun behauptet er singend, drummend und erzählend seinen Status als Illusion. Die Vorstellung zur Vorstellungskraft würde sicher auch Salvador Dali ansprechen, und um diesen Malergiganten dreht sich alles bei der Vernissage der Ausstellung mit überwiegend druckgrafischen Werken aus dem DaliBerlin.

Der Klempner (Künstler Max Roth) hat 15 Jahre in und bei der Dali-Stadt Figueres gelebt und den Geist des Genies "geatmet". So zaubert er virtuos spanisch-surrealistisches Flair in die Rhön, erzählt von dem kleinen Salvador, der einmal vor Unsicherheit und Entsetzen in eine verletzte, von Ameisen geplagte Fledermaus biss und später seine "Angst vor Frauen" zu Bildern werden ließ.

Passend dazu hat eine Gothic-Lady (Daniela Grafe) mit Schnüren und Räucherstäbchen einen starken Auftritt im Dali-Traum des Publikums. Begleitet wird er von einer Eigenkomposition des Musikers Tony Osanah, der an seiner Gitarre in der "Vernissage-Illusion" ebenfalls einen wichtigen Part hat. Vierter im Bunde ist Schauspieler Danijel Obens, der eindringlich einen an Goethes "Faust" angelehnten Text des Autors Martin Rubin vorträgt. Da klingt Wut durch, Leiden an der Welt und das Provokante einer sehr ausgeprägten Persönlichkeit - auch viel Dali eben.

Durch die Performance bestens eingestimmt, erfahren die sehr zahlreichen Vernissage-Teilnehmer, darunter Meiningens Kulturreferentin Dana Kern, viel über die ambitionierte Ausstellung, die bis 25. Oktober rund 470 Arbeiten des Maler-Granden in Kleinsassen sowie an zwei Standorten in Meiningen zeigt. Landrat Bernd Woide (CDU), Vorsitzender des Vereins Kunststation Kleinsassen, dankt allen, die dieses Projekt mitermöglicht haben. Nicht ohne Regionalstolz sagt er, "dass für diese Präsentation die Rhöner Kulturlandschaft ihre Kräfte gebündelt hat".

Kurator der Schau ist Ralf-Michael Seele, Leiter der Städtischen Galerie ada in Meiningen. "Sich auf Salvador Dali einzulassen, wird bis heute zu einem Abenteuer", sagt er und muss es wissen, denn besonders Seele hat beharrlich für diese Ausstellung gekämpft. Er betont die mitentscheidende Rolle des Betrachters bei Dalis Werken und zitiert das Genie: "Eines Tages wird man offiziell zugeben müssen, dass das, was wir Wirklichkeit getauft haben, eine noch größere Illusion ist als die Welt des Traums".

Heinz Ess gilt als Dali-Experte, der sich wegen des Facettenreichtums von Person und Werk aber nicht so empfindet. Seine Rede ist eine kundige Hommage an den Surrealisten, "für den es keine Tabus gab". Ess hebt hervor, dass einige Zyklen recht selten so komplett zu sehen seien: "Hier ist jetzt eine kleine Schatztruhe für Dali-Fans aus der ganzen Welt", betont er und lobt die Eingangsperformance als "Weltklasse". Carsten Kollmeier, Leiter des DaliBerlin, würdigt das "tolle Team" der Ausstellung und empfiehlt einen umfassenden Besuch.

Zu diesem hochkarätigen Team zählen, wie Kunststationsleiter Peter Ballmaier hervorhebt, unter anderem der künstlerische Leiter Carl-Ulrich Spannaus, Professor Wolfgang Everling, Günther Haffelder, Barbara Vogel-Fuchs und Inge Zintl. Und die Gäste spüren: Gerade für den Hausherrn Ballmaier ist eine solche Ausstellung sicher (wie) ein Traum.

Aus: Fuldaer Zeitung vom 22. Juni 2009

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