Zurück   Startseite   Druckversion 3. März 2009/6. März 2009

Das entgrenzte Subjekt

Performance in der Kunststation Kleinsassen

Marianne Blum, Kunststation Kleinsassen.

Einen interessanten Nachmittag mit Erfahrungen, die vollkommen im Gegensatz zum Alltag stehen, wünschte Dr. Susanne Ließegang den Zuschauern, die am Sonntag, dem 1. März so zahlreich in die Kunststation gekommen waren. Ein Wunsch, der in Erfüllung ging, denn das, was die Besucher in der knapp anderthalbstündigen Vorführung der drei Künstler Gisela Denninghoff, Hans-Michael Schuhmann und Christian Malitzki erlebten, glich einem archaischen Ritual.

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Performance: Gisela Denninghoff, Hans-Michael Schuhmann, Christian Malitzki

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Es begann mit der trommlerischen Einstimmung der weiß gekleideten Gisela Denninghoff und dem schwarz gekleideten Hans-Michael Schuhmann. Danach umschritten die beiden die auf dem Boden liegende, stark beleuchtete Leinwand. Plötzlich hob Schuhmann mit seiner angenehm sonoren Stimme zu singen an und legte sich auf die Leinwand. Sofort reagierte der am Rand platzierte digial painter Christian Malitzki. Die Spuren seiner Reaktion auf dem Bildschirm wurden - über einen Beamer an die Wand projiziert - sofort sichtbar. Auch Denninghoff reagierte auf die Tonkaskaden, die Schuhmann auf der Leinwand liegend improvisierte. Geleitet von den Tönen entschied sie sich für eine Farbe und begann den Schatten des Liegenden in kräftigen, schnellen Pinselstrichen nachzuzeichnen. Der Vorgang wiederholte sich vier Mal bevor die Malerin an die Ausgestaltung der gezeichneten Schatten ging. Dabei benutzte sie nicht nur den Pinsel, um die Farbe aufzutragen. Wie bei den "dripped paintings" von Jackson Pollock, verspritzte sie - immer geleitet und begleitet von den Vokalisen des Sängers - die Farbe, goß sie auf die Leinwand und bearbeitete sie mit Händen und Füßen. Wer dabei wen beeinflusste, der Sänger die Malerin und den digital painter oder die visuellen Produkte der beiden die tonalen Variationen des Sängers, war schon nach kurzer Zeit nicht mehr auszumachen. Auch die Künstler selbst beschrieben in einem Gespräch, das sich an die performance anschloss, dieses Gefühl der wechselseitigen Beeinflussung, die ab einem bestimmten Punkt nicht mehr vom Willen der Agierenden gesteuert wird, sondern eher wie in Trance geschieht und eine Eigendynamik entwickelt, in der die Grenzen des Subjekts überschritten werden.

Das Eintauchen in den Gesang führte dabei zum Klänge-Sehen und der gleichzeitige Entstehungsprozess des Bildes führt zum Farben-Hören. Die Betrachter wandern dabei mit ihrer Wahrnehmung zwischen Gesang, Malerei und digitaler Projektion hin und her.

Seit zwei Jahren verbinden Gisela Denninghoff und Hans-Michael Schuhmann auf diese Weise Malerei und Gesang. Angestoßen durch Christian Kaufmann, den Kurator der laufenden Ausstellung des Oberhessischen Künstlerbundes in der Kunststation Kleinsassen, wurde diese Arbeit, die normalerweise in der Interaktion zwischen den beiden Künstlern geschieht, für einen weiteren Akteur geöffnet: der 1966 in Gießen geborene Christian Malitzki kam mit seinen "digital paintings" hinzu.

Gisela Denninghoff studierte in den 60er Jahren bei Prof. Gerhard Fietz (Gruppe ZEN 49) und Prof. Schrieber in Berlin. Seit 1979 lebt sie in Lich und Tenneriffa. Wie sie selbst in ihrem Katalog schreibt, sind ihre performances nicht nur eine Weiterentwicklung der Ansätze von Jackson Pollock und Karl Otto Götz, die für das Action painting und das Informel der deutschen Nachkriegszeit stehen, sondern auch der Versuch, in der Zusammenführung von Klang, Bewegung und Malerei Kindheitserinnerungen zu bergen. Denninghoffs Großmutter malte und ihre Mutter studierte in Magdeburg Piano, Gesang und Körpersprache bei Mary Wigman. Die Begegnung mit dem Musiktherapeuten und Gesangslehrer Hans-Michael Schuhmann wurde so zu einem entscheidenden Wendepunkt in ihrer Arbeit, in der sie alle diese Aspekte zusammenführen konnte.

Die Ausstellung des Oberhessischen Künstlerbundes "paarlaufen", in der auch Werke von Gisela Denninghoff und Christian Malitzki ausgestellt sind, ist noch bis zum 29. März in den Hallen der Kunststation zu sehen.

Regelmäßige Öffnungszeiten der Kunststation und des Cafés: Di - So 13 - 17 Uhr. Eintritt 3 €, ermäßigt 1,50 € (auch an Vernissagentagen), Kinder und Schüler frei. Führungen nach Vereinbarung.

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Den eleganten Reiter auf braunem Vollblut stellt Steffeck (1818 - 1890) in einer Allee vermutlich in Berlin vor sonnenbeschienenen Häuserfassaden dar. Bei dem Reiter soll es sich - nach mündlicher Überlieferung - um die Darstellung des Prinzen Karl von Preußen handeln. Steffeck war neben den Münchner Pferdmalern der Familie Adam der beste deutsche Pferde- und Hundemaler der 2. Jahrhunderthälfte und Schüler des berühmten Berliner Malers Franz Krüger.

Das Bild der Kunststation Kleinsassen auf der Startseite ist ein Ausschnitt eines Fotos des Fuldaer Fotografen Andre Druschel
(www.druschel-photography.de).