Zurück   Startseite   Druckversion 9. November 2009

Der flüchtige Augenblick und die Ordnung

Zeichnungen, Malerei, Collagen, Drucke von Joachim Schüler

Von Marianne Blum.

Ungewöhnliche Kunstwerke erwarten denjenigen, der die Ausstellung des Fuldaer Diplom Designers Joachim Schüler in der Kunststation besucht: Reste von Pizzaverpackungen, Schallplatten-Innenhüllen, Paletten und dergleichen Materialien des Alltags hängen in strenger Ordnung an der Wand, doch fällt das dem erstaunten Betrachter in vielen Fällen erst beim zweiten Blick auf. Denn der Künstler hängt diese Gebrauchsmaterialien nicht einer Provokation wegen an die Wand, so wie einst Marcel Duchamp sein Pissoir in einem Museum platzierte.

Schüler geht es vielmehr darum, überzeugende formale Lösungen zu finden, und diese formalen Lösungen gehen meist damit einher, dass er die Arbeiten nach vorher festgelegten Prinzipien anordnet und zueinander in Beziehung setzt.

Bei einer zerborstenen Palette interessiert ihn beispielsweise weniger ihr ehemaliges Dasein als Transport-Hilfsmittel und ihr aktueller Status als "Müll", als vielmehr der visuelle Reiz, den die übereinander liegenden Holzleisten wie ein Gitter oder ein Raster ausüben. Die Palette ist für ihn wie eine Zeichnung mit einer heftigen Schraffur, allerdings eine Zeichnung, die nicht durch einen Stift entstanden ist, sondern dadurch, dass er die Dinge sehr aufmerksam betrachtet, ihren abstrakten Reiz erkennt und sie dann so verändert, dass sie seinen Vorstellungen von einem sinnvoll gestalteten Raum entsprechen. Anders gesagt sind die verschiedenen Werkstoffe des Designers ihm ebenso Malmittel wie einem Maler die Farben, wobei nicht unterschlagen werden darf, dass auch Joachim Schüler bei einigen Arbeiten zu Farbe und Pinsel greift. So gibt es neben den großen Paletten-Kompositionen z.B. auch kleinformatige Bleistiftskizzen oder Acrylbilder, die nur einen flüchtigen Augenblick einzufangen scheinen.

Denn nicht nur die Ordnung spielt eine Rolle in den Arbeiten Schülers. Auch dem Zufall wird Raum eingeräumt. So fühlt sich Schüler vor allem bei seinen Pinsel- und Stift-Arbeiten dem Tachismus verpflichtet, einer Kunstrichtung, in der es um das unkontrollierte, improvisierte und damit unbewusste Tun in einer rhythmischen Bewegung geht. Inspiriert durch die Jazzmusik entstehen so Bilder mit ganz eigenen Rhythmen und Klangstrukturen: meditativ-schwebend bis geräuschvoll-lärmend. Äußeres Gerüst dieser freien Improvisationen bildet aber das eher strenge Arrangement eines zentrierenden oder seriellen Kompositionsprinzips.

Erlernt hat der in Frankfurt am Main geborene Designer und Künstler Joachim Schüler sein Handwerk von Kind an bei dem bekannten Fuldaer Künstler Alexander Deisenroth. In dessen ehemaliger Galerie bezog er nach dem Studium in Hannover auch seine Arbeitsräume: Die Agentur "Grafik Design 25". Sie existiert mittlerweile seit über fünfzehn Jahren.

Die Ausstellung dauert noch bis zum 17. Januar 2010.

Begleitend zur Ausstellung findet am 13. November, 20 Uhr ein Jazz-Konzert mit Christof Thewes (Posaune) und Rudi Mahall (Bassklarinette) statt (Eintritt 8 €). Beide Musiker sind Mitwirkende des legendären Globe Unity Orchester. Zwischen Improvisation und ausgefeilter Komposition agieren sie leidenschaftlich mit freiem Geist auf hohem Niveau. Die renommierte Wochenzeitung die "ZEIT" bescheinigt den Musikern sogar, dass sie "an Energie, Spielintelligenz und Witz nur schwer zu überbieten sind."


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(www.druschel-photography.de).