Zurück   Startseite   Druckversion 11. November 2009

Die Formen des Alltags

Joachim Schülers ungewöhnliche Kunst in Kleinsassen

Kleinsassen. Ungewöhnliche Kunstwerke erwarten die Besucher einer Ausstellung des Fuldaer Diplom-Designers Joachim Schüler in der Kunststation Kleinsassen: Reste von Pizzaverpackungen, Schallplatten-Innenhüllen, Paletten und weiteren Materialien des Alltags hängen in strenger Ordnung an der Wand. Doch das fällt häufig erst beim zweiten Blick auf. Denn der Künstler hängt diese Gebrauchsmaterialien nicht einer Provokation wegen an die Wand, so wie einst Marcel Duchamp sein Pissoir in einem Museum platzierte.

Schüler geht es darum, formale Lösungen zu finden. Bei einer zerborstenen Palette interessiert ihn weniger ihr Status als "Müll", als vielmehr der visuelle Reiz, den die Holzleisten wie ein Gitter oder ein Raster ausüben. Die Palette ist für ihn wie eine Zeichnung mit einer heftigen Schraffur, allerdings eine Zeichnung, die nicht durch einen Stift entstanden ist, sondern dadurch, dass er die Dinge sehr aufmerksam betrachtet, ihren abstrakten Reiz erkennt und sie dann so verändert, dass sie seinen Vorstellungen von einem sinnvoll gestalteten Raum entsprechen. Die Werkstoffe des Designers sind ihm ebenso Malmittel wie einem Maler die Farben, wobei nicht unterschlagen werden darf, dass auch Joachim Schüler bisweilen zu Farbe und Pinsel greift. So gibt es neben den großen Paletten-Kompositionen auch kleinformatige Bleistiftskizzen oder Acrylbilder.

Nicht nur die Ordnung spielt eine Rolle. Auch dem Zufall bietet er Raum. So fühlt sich Schüler vor allem bei seinen Pinsel- und Stift-Arbeiten dem Tachismus verpflichtet, einer Kunstrichtung, in der es um das unkontrollierte, improvisierte und damit unbewusste Tun in einer rhythmischen Bewegung geht. Inspiriert durch die Jazzmusik entstehen so Bilder mit ganz eigenen Rhythmen und Klangstrukturen: meditativ-schwebend bis geräuschvoll-lärmend.

Erlernt hat der in Frankfurt geborene Künstler sein Handwerk bei dem bekannten Fuldaer Künstler Alexander Deisenroth. In dessen ehemaliger Galerie bezog er nach dem Studium in Hannover auch seine Arbeitsräume: Die Agentur "Grafik Design 25". Sie existiert mittlerweile seit über fünfzehn Jahren.

Die Ausstellung dauert bis zum 17. Januar 2010. Begleitend dazu findet am 13. November, um 20 Uhr ein Jazz-Konzert mit Christof Thewes (Posaune) und Rudi Mahall (Bassklarinette) statt (Eintritt 8 €).

Aus: Fuldaer Zeitung vom 11. November 2009


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