Zurück   Startseite   Druckversion 9. September 2008

Verbeugung vor einem markanten Künstler

Die Kunststation Kleinsassen ehrt den Rhöner Bildhauer Waldo Dörsch mit einer Retrospektive"

Von Bea Nolte-Schunck.

Kleinsassen. Sehenswerte Verbeugung vor einer markanten Künstlerpersönlichkeit: Die Kunststation Kleinsassen ehrt den Rhöner Bildhauer Waldo Dörsch aus Oberweid anlässlich seines baldigen 80. Geburtstags mit einer Retrospektive.

"Bis 26. Oktober werden Plastiken, Bilder, Grafiken und Projekte aus sechs Jahrzehnten seines vielfältigen Tätigseins gezeigt", erklärte Kunststationsleiter Peter Ballmaier bei der Vernissage. Vor den zahlreichen Gästen räumte er ein, die Auswahl der Werke falle nicht leicht, "wenn jemand über eine so lange Zeit so viel Gutes geschaffen hat". Sehr wichtige Wegbegleiter für Waldo Dörsch seien seine Ehefrau Heidi sowie sein Freund und Künstlerkollege Herbert Lubich.

In seiner Laudatio skizzierte Lubich den Bildhauer als einen Kreativen mit großen Fähigkeiten, ausdauernder Arbeitsfreude und einer Fülle an Ideen. Gewürdigt wurde das facettenreiche Gesamtwerk von Dörsch: "Er plant nicht zuletzt Räume, ist in Wirklichkeit Stadtgestalter und, was wenige wissen, auch literarisch tätig." Seine Impulse für Städte ließen sich sehr gut an seinen Brunnenanlagen ablesen - beispielsweise in Erfurt am "Neuen Angerbrunnen" (fertig gestellt 1980) oder besonders am "Dianä-Brunnen in Suhl (1984). Zur letztgenannten Anlage, einer Mischung aus mythologischer Thematik und kraftvoll-sinnenfrohem Lebensgefühl, habe Künstlerkollege Alfred Traugott Mörstedt formuliert: "Ein Kunstobjekt solcher Dimension, dass es einer Weltstadt zur Ehre gereichen könnte."

Wie Lubich unterstrich, suche Dörsch bei der Verwandlung seiner Eindrücke und Ideen in eine zeichnerische oder skulpturale Qualität stets die stärkste Version. Dem Künstler gehe es zum Beispiel darum, "aus dem Menschen gestalterisch eine Besonderheit zu machen, kein Abbild schlechthin". Seine Skulpturen und Zeichnungen seien durch große Dynamik und erfinderischen Formfluss gekennzeichnet.

Der Laudator machte mit der Vita des Bildhauers vertraut, der an der Schule für Baukunst und Bildende Kunst in Weimar studiert und 1952 seine freiberufliche Tätigkeit begonnen hatte. 1963 gründete Dörsch mit anderen Künstlern die "Erfurter Ateliergemeinschaft", die bis zu ihrer Selbstauflösung 1974 sehr aktiv war und sich, so Lubich, nicht an den Vorgaben ostdeutscher Kulturpolitik orientiert habe: "Ein illegales Forum moderner Kunst also!"

Auch mit Blick auf späte(re) Schaffensjahre bescheinigte der Redner dem Gewürdigten "überraschend neuartige Arbeiten von vitaler Frische und Intensität". Diese Aussage Lubichs bekräftigen die ästhetischen Ausrufungszeichen wie "Goldelsen" und "Amphitrite".

Dass eine andere Skulptur von Dörsch mit dem Titel "Artisten" schon 1959 entstand, verblüfft beim Betrachten. Sie wirkt wie eine sehr heutige Hommage an Freiheit, Leichtigkeit und Balance. Faszinierend ist auch sein grafisches Können: Er zeichnet herrlich dreidimensional -- als Bildhauer eben. So lohnt es sehr, sich einzusehen in die visuelle Welt des Waldo Dörsch.

"Gymnastische Fähigkeiten"

Die Kunst der Lithografie beherrscht der Grafiker Peter Paulus, dessen Werke ebenfalls in der Kunststation bis zum 26. Oktober zu sehen sind. Zur Vernissage am Sonntag demonstrierte er, wie viel Aufwand der Steindruck erfordert. Es gehöre viel handwerkliches Geschick dazu, um diese Kunst auszuüben und sogar "gymnastische Fähigkeiten", erklärte Paulus, der seit 1982 an der Kasseler Hochschule lehrt.

In anderen Werken, seinen großflächigen Zeichnungen, meditiert der Künstler über innere die Vorgänge der Gegenstände. "So kann man die Natur anders begreifen, als durch die reine Abbildung, sozusagen von innen heraus", erklärt Paulus.

Aus: Fuldaer Zeitung vom 9. September 2008


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