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Vernissage Peter Paulus am 7. September 2008"Zutaten aus einer Alchimistenküche"Gummi arabicum, Specksteinpuder, Rindertalg, Salpetersäure, die Zutaten, die man benötigt, um eine Lithographie herzustellen, könnten auch aus einer Alchimistenküche stammen. Wie viele Arbeitsschritte nötig sind, bis man den Kalksteinblock endlich durch die Presse drehen und anschließend sein bedrucktes Papier abziehen kann, das führte der Graphiker Peter Paulus bei der ersten Ausstellungseröffnung der Kunststation am gestrigen Sonntag Vormittag auf eindrucksvolle Weise vor. Es ist gehört viel handwerkliches Geschick dazu, um diese Kunst auszuüben und sogar "gymnastische Fähigkeiten", so Paulus. Man kann es sich vorstellen, wenn man ihm zusieht, wie er den großen Druckschwengel herunterdrückt, die Räder der Presse betätigt und erzählt, dass er bei großen Steinen manchmal mit dem ganzen Gewicht an der Presse hängt und sich sogar noch mit den Füßen abdrückt. Handwerkliches Geschick, künstlerisches Talent und die Liebe zu den alten Techniken, der 1949 geborene Künstler, der seit 1982 an der Kasseler Hochschule lehrt, hat all das. Jeder seiner Handgriffe verrät die jahrzehntelange Auseinandersetzung des Künstlers mit den Drucktechniken und die Faszination, die sie immer noch auf ihn ausüben. So konnte er den staunenden Zuschauern ganz nebenbei und ohne jedes schriftliche Konzept während seiner Demonstration erklären, welcher Arbeitsschritt gerade ablief und warum dieser Schritt auf den vorherigen folgen muss, wenn man vermeiden will, dass die Zeichnung im Stein "verschwindet" oder die Qualität des Steins leidet. Einen kleinen Exkurs zur Geschichte des Steindrucks gab es obendrauf und einige Gedanken zu den formalen Problemen, denen sich ein Graphiker ausgesetzt sieht, so z.B. der Tatsache, dass er seine Werke spiegelverkehrt denken und auf den Stein zeichnen muss, damit sie auf dem Blatt richtig herum erscheinen. Als Beispiel dafür verwies er auf eines seiner ausgestellten Werke. Die Lithographie Chorus "Juri hier" vereinigt graphische Elemente und farbige Flächen mit dem Schriftzug "Juri hier", den ein kleiner Junge, um auf sich aufmerksam zu machen, mal durch das Atelier des Künstlers gerufen hatte. Inspiriert von diesem Erlebnis entstand die wandfüllende Arbeit, die nicht nur durch das Motiv, sondern auch durch ihre Gestaltung an eine vielstimmige Partitur erinnert. Einen völlig anderen Ausgangspunkt haben die anderen Arbeiten, die in der Halle 1 der Kunststation zu sehen sind. Während die Zeichnungen und Graphiken zum Thema "Amphora" von dem Artfakt ausgehen und sich mit den "menschlichen Eigenschaften" des Tongefässes auseinandersetzen, das ebenso wie ein Körper einen Hals, Schultern, Bauch und Füße hat, meditiert Paulus in seinen großformatigen freien Zeichnungen und Graphiken weniger über die äußere Form eines Gegenstandes als über innere Abläufe wie Wachstum, Wiederholung und Variation. "So kann man die Natur anders begreifen, als durch die reine Abbildung, sozusagen von innen heraus". So der Künstler. "Ungebundene Graphik" ist demnach Graphik, die nicht an die äußere, sichtbare Realität angebunden ist. Großartige Belege dafür liefern die Werke dieses Vollblutgraphikers, die noch bis zum 26.10. in der Kunststation zu sehen sind. Zur Ausstellung ist ein Katalog und der vierfarbige Siebdruck "Amphora Yantra" mit Logo der Kunststation Kleinsassen in einer Auflage von 12 Exemplaren erschienen. Ein Kurs "Steindruck" unter Leitung von Peter Paulus ist in Planung. Termine dazu werden noch bekannt gegeben. Regelmäßige Öffnungszeiten der Kunststation und des Cafés: Di - So 13 - 18 Uhr. Eintritt 3 €, ermäßigt 1,50 € (auch an Vernissagetagen), Kinder und Schüler frei. Führungen nach Vereinbarung. Text: Marianne Blum.
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