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Der Garten Eden und die Energie aus der ErinnerungDie Mirabel Compagnie präsentiert in der Kunststation Kleinsassen die Schau "Auszug aus dem Paradies"Von Bea Nolte-Schunck. Kleinsassen. Zu besichtigen ist eine Liebeserklärung in Gestalt des Abschieds: "Auszug aus dem Paradies" heißt die Präsentation, und mit dem Garten Eden ist hier das südfranzösische Gebirgsdorf Mirabel gemeint. Die zehn ausstellenden Künstler haben sich irgendwann alle in dem kleinen Ort getroffen, wo von 1981 bis 2004 auf Initiative der Darmstädter Sezession internationale Kunst-Pleinairs veranstaltet worden sind. Einige derjenigen Teilnehmer, die der kreative Geist von Mirabel nicht loslässt, bilden inzwischen die Mirabel Compagnie. Mit ihrer jetzt in Kleinsassen gestarteten Wanderausstellung dokumentieren sie ihre Verbundenheit über die Zeit der offensichtlich sehr inspirierenden Pleinairs hinaus. So sagte Kuratorin Philine Brandt nach der Begrüßung durch Peter Ballmaier, den Leiter der Kunststation, über die Schau in den Hallen zwei und drei: "Sie stellt ein Gemeinschaftswerk dar, das mehr ist als die Summe der einzelnen, völlig unterschiedlichen Beiträge." Wie die Kunsthistorikerin aus Weimar deutlich machte, geht es den Mitgliedern der Mirabel Compagnie mit Blick auf ihr südfranzösisches Paradies nicht um "wehmütige Nostalgie", sondern um Energie aus der Erinnerung. Dieses weiter wirkende Kraftfeld kann der Betrachter erspüren, erschauen und erlesen, wenn er sich Zeit nimmt, wozu Brandt einlud. Nicolaus Heyduck (Frankfurt) stellt den Turm des Gebirgsdorfs künstlerisch vor und setzt den Dohlen, die ihn umkreisen, ein akustisches Denkmal. In seiner Installation "Ascension" lässte Heyduck fünf Koffer aufsteigend schweben. Kann man ein Paradies auch so verlassen? Einen ganz anderen Akzent des Reisens thematisiert die Polin Magdalena Olasinska mit ihrem Video-Porträt eines Traumzuges oder Zugtraums, bei dem auch Grafik und Scherenschnitt eine Rolle spielen. Möglicherweise sind die "Running Men", von Ralf Klement (Hüpstedt) stilisierte "Notausgangs-Männchen", ebenfalls dabei, den Garten Eden zu verlassen. Allerdings kommen einige nicht so recht vom Fleck, weil sie in großen Nachbildungen von Klements südfranzösischem Lieblings-Süßgebäck stecken. Der Sternenhimmel über Mirabel hat Frank Schylla aus Darmstadt zu seinen Gemälden struktureller Galaxien animiert. Grafikerin Anne-Catherine Charbonnier (Paris) wurde inspiriert von dem Basalt und anderen Natur-Kennzeichen des südfranzösischen Ortes, wie ihre Monotypie auf Stoff zeigt. Jenes Gestein ist auch Bestandteil der schriftlichen Mirabel-Erinnerungen der Italienerin Raffaela Formenti, die mit einem großen Kunstobjekt zum Konsum- und Computerrausch vertreten ist: Sie spricht von "der Energie des Basalts und der eigenen Wahrheit". In Südfrankreich haben laut Philine Brandt die Prototypen menschlicher Figuren in den farbintensiven Gemälden von Bernhard Jäger (Frankfurt) tanzen gelernt. Ein schwarzes Bildwesen könnte "der ganz sachte einschwebende Engel von Mirabel" sein, der zumindest in einem Gedicht Jägers lebt. Mit grafischen Kabinettstücken zu dem Gebirgsort sind Lajos Sejben (Ungarn) und Stefan Wehmeier aus München vertreten. Die Kunstobjekte von Helma Kuijpers (Niederlande) legen ebenfalls den Schluss nahe, dass die Mitglieder der Mirabel Compagnie ihr Paradies beflügelt verlassen haben. Mirabel Compagnie - Auszug aus dem Paradies. Kunststation Kleinsassen. Bis 30. März. Öffnungszeiten: täglich - außer montags - 13 bis 18 Uhr. Eintritt: 1,50. Künstlerbuch (10 Euro). Aus: Fuldaer Zeitung vom 15. Januar 2008
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