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Faszinierende Facetten des FigürlichenEhemalige "Metaller"-Absolventen der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in KleinsassenVon Klaus H. Orth. Hofbieber-Kleinsassen. Die Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle/Saale war die einzige Studieneinrichtung für Metallplastik in der DDR. Auch der in Schlitz lebende Künstler Dr. Ulrich Barnickel zählt zu den ehemaligen Absolventen der Hallenser Institution. Jüngst hat er sich in seiner Dissertation an der Bauhaus Universität Weimar mit den bedeutenden Leistungen der Lehranstalt auseinander gesetzt: "Die 'Metaller der Burg' - von der angewandten Metallkunst zur Stahlplastik" ist seine Doktorarbeit überschrieben, in der Barnickel die Geschichte und Entwicklung der - wie er schreibt - "nicht gegossenenen anthropomorphen Metallplastik" zwischen 1949 und 1989 nachzeichnet, die sich aus dem Kunsthandwerk heraus zur freien Plastik hin emanzipierte. In einer gestern in der Kunststation Kleinsassen eröffneten Gemeinschaftsausstellung, die Barnickel kuratiert hat, zeigt der Bildhauer zusammen mit fünf anderen ehemaligen "Metaller"-Absolventen der Burg Giebichenstein unterschiedliche Gestaltungsimpulse, die von der Kunsthochschule ausgingen, und macht den faszinierenden Facettenreichtum aktueller expressiver Hohl- und Metallplastik deutlich. "Figuren aus Metall" präsentiert in den Hallen 1 und 3 sowie im Atelier Arbeiten, die in besonderem Maße von den Techniken Schmieden, Schweißen und der Montagekonstruktion geprägt sind, die in der Mehrzahl das Menschenbild in den Mittelpunkt rücken und dieses vom Standpunkt der Moderne aus hinterfragen. Barnickels Objekte tragen nicht selten Titel, die ihren Ursprung in Mythologie und Geschichte haben, die der enormen materiellen Präsenz des Metalls Formfindungen von manchmal tänzerischer Leichtigkeit entgegensetzen. Beispiele dafür bilden "Narziss" (2006) oder "Goethe und Amalia" (2006). Die Bronzen sind Abgüsse geschmiedeter und geschweißter Eisenfiguren, die im Atelier des gelernten Schmieds entstanden - zwei von vielen Belegen für das fruchtbare Ineinandergreifen von Kunst und Handwerk und Ausweise für die enorme Schöpferpotenz des Bildhauers. Rainer Henze (Halle) schneidet aus Metall Figuren, kombiniert sie hier als Gruppe in einem Edelstahlkasten oder stellt sie dort als Einzelfiguren auf einen metallenen Wagen - beziehungsreiche Momente zwischen Dynamik und Statik, die eindringlich auf den Betrachter wirken. Peter Luban (Plauen) richtet den Schwerpunkt seines Schaffens auf die Emailgestaltung und das direkte figürlich-plastische Gestalten ins Material. Aus Stahl getrieben und emailliert hat er seine "Dame mit Rock" (2007). Andere figurative Stahlarbeiten - teilweise emailliert und vergoldet - erscheinen archetypisch, erinnern an Relikte längst untergegangener prähistorischer Kulturen. Das Spannungsfeld menschlicher Technologie und Natur thematisiert Thomas Radeloff (Katzow) in seiner Serie "Kopfstücke". Dabei verarbeitet er Stahl und Holz, führt sie in seinen Stahl- und Edelstahl-Objekten zusammen. Exponate, die als virtuoser Balanceakt zwischen Figuration und Abstraktion erscheinen - mal sanft ruhend, mal leicht schwingend. Zeitlos erhaben wirken die Exponate von Klaus Dieter Urban (Merseburg). Feine, filigrane Figuren aus Eisen - gebrannt, geschmiedet, geschweißt, verformt und in Beziehung zueinander gestellt - werfen wie "Aufstieg - Abstieg" (2005) existenzielle Fragen auf. Cornelia Weihes (Halle) gedrungene "Schattenfiguren" (2005), aus Stahl herausgeschnitten, stehen im Kontrast zu ihren lichten, aus Stahl-Stäben geschaffenen Köpfen und filigranen Körpern. Sie erfüllen den Raum mit Poesie. Ebenso die Bilder Weihes, die wie ihre Kollegen mit malerischen und grafischen Arbeiten vertreten ist, die mit dem jeweiligen bildhauerischen Werk korrespondieren. "Figuren aus Metall" war zuvor in Meiningen zu sehen und wird nach Kleinsassen in Celle, Merseburg und Bamberg gezeigt. Die Kunststation präsentiert die Schau bis 8. Juni. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 13 - 18 Uhr. Eintritt: 1,50 Euro. Darüber hinaus bietet Ulrich Barnickel am 4. Mai und 8. Juni jeweils um 16 Uhr Führungen an. Der Katalog mit Beiträgen der Kunstwissenschaftlerin Dr. Ingrid Maut kostet 7 Euro. Aus: Fuldaer Zeitung vom 21. April 2008
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