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Neue Identität für die KüchenrolleKleine, feine Ausstellung mit Kunstwerken aus Papier in KleinsassenVon Bea Nolte-Schunck. Kleinsassen. Eine kleine, aber feine Ausstellung ist bis zum 11. Januar in der Kunststation Kleinsassen zu sehen: Die in Shanghai geborene und in Gießen lebende Eva Yeh zeigt ihre filigranen Kunstwerke, die sie aus alltäglichem, manchmal gebrauchtem Papier gestaltet hat. Durch diese Verwandlung bekommen Pack-, Brief- und Zeitungspapier, Küchenrolle oder Filterpapier quasi eine kreativ geadelte Identität. In die Welt dieser Objekte führte Dr. Friedhelm Häring, Direktor des Oberhessischen Museums Gießen, die Besucher der Vernissage mit spürbarer Begeisterung ein. "Maß und Ordnung, Poesie und Zauber sind Grundelemente im Schaffen von Eva Yeh", betonte Häring mit Blick auf die Arbeiten, für die Papiere unter anderem gereiht, gefaltet, gerollt, gerissen und manchmal eingefärbt wurden. Der Redner erinnerte daran, dass dieses Material als geduldig gelte, und wenn das zutrifft, dann hat sich dessen Langmut hier sehr gelohnt. Zum Beispiel wegen des Werks "Amitié" (Freundschaft), das ein Ensemble aus zerrissenem, benutztem Briefpapier in verschiedenen Farben darstellt. "Diese Arbeit ist so etwas wie der ewig zu schreibende Freundschaftsbrief unseres Lebens", sagte Häring und bezeichnete die gesamte Ausstellung "als den geschriebenen Brief der Künstlerin an uns, als ihre Hinwendung zum Du". Während "Staccato" eine rasche Abfolge von gerollten und gebrauchten Kaffeefiltern ist, besteht die auffällig nicht so geordnete Arbeit "Irrungen - Wirrungen" aus Zeitungspapier und Tusche. Was dem Betrachter diese Kombination von Titel und verwendetem Material wohl sagen soll? Das Gebilde "Glut" aus hauchdünnem, rotem Japanpapier wird in seiner Struktur von kleinen Plexiglasstäben gehalten und steht auch für das heiße Rot der Liebe. Wie ein überdimensionaler Adventskalender wirkt "Wissbegierde": Von Ästen hängen an Kordeln zahlreiche Büchlein (mit Ausschnitten aus Kleinkatalogen und Zeitschriften) wie greifbare Früchte des Jahrhunderte langen Denkens. Es wären noch weitere Objekte Yehs zu nennen, deren Kunst von Häring mit dem Erbe des Dadaismus in Verbindung gebracht wurde. Zu Beginn hatte Peter Ballmaier, Leiter der Kunststation Kleinsassen, die Internationalität der Ausstellenden hervorgehoben: Eva Yeh, deren Arbeiten im In- und Ausland große Aufmerksamkeit finden, hat ihre künstlerischen Studien in Hongkong, Paris und Nizza absolviert. Seit 1991 konzentriert sie sich auf Papierkunst und macht Triviales zum Erlebnis. Aus: Fuldaer Zeitung vom 28. Oktober 2008
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