Zurück   Startseite   Druckversion 4. Juli 2008

"Ich mache mich bewusst frei von allen Meinungen"

Der Star über Kunst, Geschmack und Provokation

Von Klaus H. Orth.

Kleinsassen. Armin Mueller-Stahl äußert sich über zeitgenössische Kunst, Provokation, die Grenzen des Geschmacks, Trends und eigene Vorlieben.

Frage: Wie begegnen Sie zeitgenössischer Kunst?

Armin Mueller-Stahl: Ich lasse meine Augen Kritiker sein und mache mich bewusst frei von allen Meinungen. Ich gehe durch ein Museum und bleibe stehen vor bestimmten Dingen, die mich ansprechen.

Frage: Teilen Sie die oft geäußerte Kritik, dass die zeitgenössische Kunst an ihre Grenzen gekommen ist?

Mueller-Stahl: Ich sehe, dass wir zum Teil an einem Endpunkt angelangt sind. Es geht nicht mehr weiter. Das sehe ich ganz deutlich.

Frage: Können Sie ein Beispiel nennen, dass diese "Endpunkt"-Situation deutlich macht?

Mueller-Stahl: Da wird etwa innerhalb einer Ausstellung eine Leiter gezeigt mit einem Gummi dran. Oder es wird eine Toilette gezeigt, die voll ist mit ... Scheiße. Nun gut, wenn der entsprechende Künstler zeigt, dass er Scheiße macht, dann ist es eben auch nur Scheiße, was er ausstellt. Das muss man dann so sehen. Aber das ist doch unerträglich.

Frage: Wie erklären Sie sich, dass die Provokation heute ein fester Bestandteil der Kunst zu sein scheint?

Mueller-Stahl: In der Provokation liegt der Gedanke oder Wunsch, einen neuen Weg aufzuzeigen. Das ist der Sinn der Provokation. Aber wenn ein Kunstwerk aus alten benutzten Tampons geschaffen und damit eine Menge Geld durch den Verkauf erzielt wird, dann ist das ein Punkt, an dem ich sagen würde: Schluss!

Frage: Dieser Meinung sind viele. Ist daraus der auf Messen und in Galerien augenscheinliche Trend zur Malerei im Allgemeinen und zum Figürlichen im Besonderen die logische Konsequenz?

Mueller-Stahl: Den Trend sehe ich auch. Obwohl ich persönlich viel lieber abstrakte Sachen mag.

Aus: Fuldaer Zeitung vom 4. Juli 2008


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