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"Auch ich zeige meine Gefühle nicht gern"Armin Mueller-Stahl über Thomas Mann und über eine gelungene SchauVon Klaus H. Orth. Kleinsassen. "Das habt ihr ganz toll hingekriegt" sagt Armin Mueller-Stahl beim ersten Durchgang durch seine Ausstellung. Und die hellblauen Augen des Künstlers strahlen. Es sei eine Meisterleistung, was Kurator Klaus-Michael Seele und Ausstellungsgestalter Carl Ulrich Spannaus da vollbracht hätten, wird der Star nicht müde zu betonen. Die Hängung seiner Bilder gefällt ihm, immer wieder formen sich seine Lippen zu einem Lächeln. "Guck mal an, das hab ich mal gemacht, richtig", sagt der 77-Jährige und blickt auf eine Arbeit, die er vor über zwei Jahrzehnten gefertigt hat. Sie ist Teil eines gewaltigen Werks ausgesuchter Gemälde, Zeichnungen und Lithographien, das dem viel beschäftigten Weltstar in den drei Hallen wiederbegegnet und das ihn offenbar tief beeindruckt. Vor einem Blatt, das den Schriftsteller Thomas Mann zeigt und das während der Dreharbeiten zu Heinrich Breloers Film "Die Manns - Ein Jahrhundertroman" entstanden ist, bleibt der Künstler stehen. Fiel es ihm damals schwer, den Literaturnobelpreisträger darzustellen? Nein, sagt Mueller-Stahl, denn er habe sich von Anfang an dazu entschlossen, Thomas Mann nicht zu imitieren. "Ich wollte die Energien zeigen, die er hatte, aber ich wollte auf keinen Fall so sprechen, wie er sprach", erläutert der Schauspieler. Er verweist auf alte Tonbandaufnahmen des Schriftstellers, dessen Art zu sprechen, Mueller-Stahl unerträglich schien. "Das hätte dem Film geschadet, das hätte Thomas Mann geschadet, und das hätte mir geschadet. Ich konnte mich nur zur Verfügung stellen, er zu sein. Insofern war das gar keine große Herausforderung, außer, dass ich die Energien halten musste. Nur so konnte ich ihn glaubwürdig machen." Thomas Mann sei ein eitler Pfau gewesen. "Als Mensch hab ich ihn gar nicht gerne", sagt Mueller-Stahl, "aber ich habe ihn begriffen. Jemand, der sein Leben lang aus sich schöpft, wird irgendwann ein Ego und baut ein Denkmal für die Welt auf." Insofern habe er in der Rolle Manns nur sich selbst dargestellt, fügt der Star mir einem verschmitzten Lächeln hinzu. Vor kurzem habe er in Breloers Neuverfilmung von Thomas Manns "Buddenbrook"-Roman den alten Konsul gespielt - eine Rolle, zu der ihn der Regisseur nicht lange habe überreden müssen. Der international gefragte Schauspieler schätzt das Werk Thomas Manns, der in seinen Romanen und Tagebüchern jene Emotionen zum Ausdruck brachte, die er als Mensch stets zu verbergen suchte. "Auch ich zeige meine Gefühle nicht gern", gesteht Mueller-Stahl ein. Hat er sich aus diesem Grund erst so spät dazu entschlossen, dem Publikum sein bildnerisches Schaffen zu präsentieren, das er gern sein "Tagebuch" nennt? Der Maler und Zeichner hat sofort eine Antwort parat, in der erhebliches Understatement mitschwingt: "Das hat einfach damit zu tun, dass ich lange geglaubt habe, dass ich nicht gut genug bin. Ich dachte, wenn der liebe Gott mir ein langes Leben schenkt und ich 70 werde, dann stelle ich aus. Dann bin ich 70 geworden und habe ausgestellt." Und das sei zum Selbstläufer geworden. "Es fiel mir immer so leicht, das Zeichnen" betont der Künstler und erzählt froh, wie er vor ein paar Tagen einige seiner Blätter aus der Zeit Ende der 30er Jahre wiederentdeckt habe. Immer habe ihn das Malen und Zeichnen begleitet. Über seine späte Karriere als bildnerischer Künstler ist der 77-Jährige glücklich: "Mittlerweile habe ich so viele schöne Stunden durch die Malerei erleben dürfen, dass ich dem Schicksal sehr dankbar bin, dass meine Kunst ans Tageslicht befördert wurde." Er berichtet von Ausstellungen in Lübeck, Berlin und Kalifornien, wo er abwechselnd lebt, und von der Schau, die er 2006 in Meiningen präsentiert hat. Im Juli stelle er beim Filmfest im tschechischen Karlsbad aus. "Das habt ihr wirklich wunderbar gemacht" lobt er nochmals die Verantwortlichen, als er durch die letzte der drei Hallen geht, in der ihm Peter Ballmaier, Leiter der Kunststation, den Katalog zur Schau überreicht. Armin Mueller-Stahl blättert darin, ist gerührt. Und wieder strahlen seien Augen.
Aus: Fuldaer Zeitung vom 16. Juni 2008
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