Zurück   Startseite   Druckversion 16. Juni 2008

Weltstar zu Gast in der Kunststation

Großer Trubel bei der Vernissage in Kleinsassen: Armin Mueller-Stahl präsentiert eine Auswahl seiner Arbeiten

Von Klaus H. Orth.

Kleinsassen. Armin Mueller-Stahl ist Trubel um seine Person gewohnt. Wohin der international gefragte Filmstar auch kommt, überall umfängt ihn Sympathie, warten Fans, bitten um Autogramme. So auch gestern in der Kunststation Kleinsassen. Dort wurde am Vormittag die Vernissage "Armin Mueller-Stahl - Charakterbilder - Malerei-Grafik-Film" eröffnet, die von unserer Zeitung präsentiert wird. Die 250 Karten für die Eröffnungsveranstaltung waren im Nu ausverkauft. Kein Wunder, wann kommt schon mal ein Weltstar in das idyllische Malerdorf am Fuße der Milseburg?

Selbstbildnisse und Porträts

Mueller-Stahl war sichtlich begeistert von der Kunststation und der Hängung seiner Arbeiten. "Als ich durch die Ausstellung gegangen bin, war ich von mir selbst beeindruckt", sagte der 77-jährige Star schmunzelnd. Und das Publikum lachte. "Ich bin ein alter Zausel, ein Gaukler", charakterisierte sich der Grandsigneur, der bereits ein Leben lang malt und zeichnet, aber erst seit seinem 70. Geburtstag als bildnerischer Künstler in Erscheinung tritt. In seiner kurzen, überaus unterhaltsamen Ansprache mischte er Ernstes und Heiteres, blickte zurück; lieferte Anekdoten von Schauspielerkollegen, philosophierte über das Filmgeschäft und gab mit seiner sonoren Stimme, die er trotz Kehlkopfentzündung nicht schonte, sein Gedicht "Der Gaukler" zum besten. In der ersten Strophe heißt es: "Ick bin schon gaukler über fuffzij jahr, / Bin tragöde bin der narr / Bin der bettler bin der kennij / Und ick weene ma een wenij / Dock ick lache wie een kind / Wenn de leute jlücklich sind."

Die Besucherinnen und Besucher waren glücklich und applaudierten dem Universalkünstler lautstark. Nicht geringen Beifall ernteten zwei junge Musiker, die dem Künstler "besonders am Herzen liegen", wie Mueller-Stahl betonte. Die virtuose Geigerin Sarah Spitzer und ihr kongenialer Klavierpartner Mike Jin musizierten Sätze aus Brahms G-Dur Violinsonate und Beethovens "Kreutzer" Violinsonate sowie Blochs "Nigun" - höchst sensible Interpretationen auf hohem Niveau.

Ralf-Michael Seele, Leiter der Städtischen Galerie Ada Meiningen, führte ein in die von ihm kuratierte Schau, die als "Tagebuch in Bildern" beschrieb. Mueller-Stahls Gesamtwerk erzähle Geschichten auf der Bühne der Farben und Formen. "Die Fantasie des Menschen anzuregen durch das Vorspielen im weitesten Sinne: Das ist die Funktion des Gauklers, des weisen Narren, des Clowns." Der Künstler habe den vielsprachigen Artisten zu seiner Lieblingsrolle gewählt. Davon zeugten das Gaukler-Gedicht und die Rolle als Clown Helmut in Jim Jarmuschs Film "Night on Earth". Mueller-Stahl wirke als Charakter-Bildner mit einer ausgeprägten Handschrift. "Sein Schaffen bestimmen die Farbe, die Fläche sowie das Malerische als Ausdrucksform des Fühlens, während sich die Linie als Sprache des logischen Denkens diesen unterordnet", so Seele. Die Kompositionen erzeugten Bildräume, denen eine gewisse surreale Theater- und Filmatmospäre eigen sei. Mit der Anmut spielerischer Leichtigkeit lasse der 77-Jährige Grafiken wachsen. Locker, spontan, mal leicht, mal kräftig, expressiv und dann wieder verhalten tanze seine Hand über das Papier. "Bildraum transzendiert zum Seelenraum. Die Figuren scheinen zu atmen. Hände und Füße erzählen bewegte Geschichten", betonte der Kurator. Mueller-Stahls Porträts seien Seelenbilder: "Statt äußerlicher Expressivität bevorzugt er innere Energieballung und erreicht damit eine hohe emotionale Intensität." Er verwische die starren Grenzen der Moderne innerhalb sowie zwischen Kunst und Leben, privatem Schutzraum und sozialem Engagement. Die Kunst offenbare sich bei Mueller-Stahl als Sprache der Seele.

Mappenwerke und Gemälde

Die repräsentative Schau vereint Selbstporträts, Bildnisse von Komponisten, Philosophen, Musikern und Filmschaffenden; Blätter des Lithografiezyklus "Urfaust", der Mappenwerke "Hamlet in Amerika" und "Night on Earth", großformatige Gemälde auf Leinwand, Strandszenen in Venice und unzählige Momente des Menschlichen auf Papier und Leinwand, die ihren Schöpfer als genauen Beobachter erkennen lassen. Davon durften sich die Besucherinnen und Besucher in den drei Hallen der Kunststation überzeugen, nachdem Peter Ballmaier, Leiter der Kunststation, die Ausstellung offiziell eröffnet hatte. Sie ist eine Kooperation der Kunststation mit dem Kunsthaus Lübeck und wird gefördert von der Sparkasse Fulda, bei der sich Landrat Bernd Woide, Vorsitzender des Trägervereins der Kunststation, in seinem Grußwort herzlich bedankt hatte.

Am Nachmittag wurde die Schau für alle Besucher geöffnet, die Mueller-Stahl nun endlich auch als Maler und Zeichner kennen lernen möchten. Der Künstler machte sich schon bald auf den Weg nach Rom, wo er ab dieser Woche mit Tom Hanks in der Dan-Brown-Bestseller-Verfilmung "Angela and Demons" (deutscher Titel "Illuminati") vor der Kamera stehen wird. Auch dort dürfte der Trubel um Armin Mueller-Stahl wieder groß sein.

Aus: Fuldaer Zeitung vom 16. Juni 2008
Zum Artikel der Fuldaer Zeitung mit vielen Fotos.


Zurück   Seitenanfang
P. Klingebiel, Fulda

Freie Malschule
 30.10.2011 bis 04.03.2012
Mehr zur Ausstellung ...
FZ-Artikel zur Ausstellung
Fotos zur Ausstellung

Labyrinth der Mythen
 11.12.2011 bis 04.03.2012
Mehr zur Ausstellung ...
FZ-Artikel zur Ausstellung
Fotos zur Ausstellung

Café in der Kunststation
Geöffnet: dienstags - sonntags, 13 - 17 Uhr

Sparkasse Fulda

Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen

Ulenspiegel in der Kunststation Kleinsassen

Jahresprogramm

Öffnungszeiten der Kunststation:
dienstags - sonntags, 13 - 17 Uhr,

Jahresprogramm 2012
Seminarprogramm 2012

Weg zur Kunststation

Nachricht an die Kunststation
Kunsttelegramm der Kunststation

Ausstellungen 2012
Ausstellungen 2011

Die Gestaltung der Homepage basiert auf dem Flyer zur aktuellen Ausstellung
Im Labyrinth der Mythen.

Das Bild der Kunststation Kleinsassen auf der Startseite ist ein Ausschnitt eines Fotos des Fuldaer Fotografen Andre Druschel
(www.druschel-photography.de).