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15. Juni bis 21. August 2008Armin Mueller-Stahl - Charakterbilder - Malerei-Grafik-FilmArmin Mueller-Stahl ist Schauspieler, Schriftsteller, Musiker und bildender Künstler. "Das Malen, Schreiben, Musizieren und Schauspielen gehören für mich einfach zusammen." Mit diesen Worten beschreibt Armin Mueller-Stahl, geb. 1930, seine künstlerischen Mehrfachbegabungen. Er steht damit in einer Reihe mit Oskar Kokoschka, Günter Grass oder Ernst Barlach. Die Kunststation Kleinsassen zeigt vom 15. Juni bis 21. August 2008 in allen ihren Räumen einen repräsentativen Querschnitt seines bildnerischen Schaffens.
Ein Tagebuch in Bildern Erst seit 2001 tritt Armin Mueller-Stahl öffentlich als bildender Künstler auf. Doch die bildnerische Arbeit pflegte er schon immer. Seit 1952 nutzt er Drehpausen und Reisen zum Malen und Zeichnen. Wie ein Tagebuch begleiten ihn seine bildnerischen Äußerungen, oft spontan auf Dreh- und Rollenbüchern seiner lockeren Hand entsprungen, durch den Alltag. In über fünfzig Lebensjahren entstanden Federzeichnungen, Lithografien sowie Farbkompositionen in Öl und Acryl. Seine Malerei folgt der zeichnerischen Arbeit, sie entsteht als Fortsetzung des schnellen Strichs und der spontanen Schrift seiner Skizzen. Zu seinem zentralen Thema wählte er den Menschen in seinen Befindlichkeiten, sozialen Rollen und Bezügen. Wie in seinen Filmen, so verleiht er auch auf Papier und Leinwand Charakteren eine einprägsame Gestalt. Porträts und Karikaturen von bekannten sowie unbekannten Menschen und zunehmend auch Landschaften, formt er zu Charakter-Bildern aus. Porträts und Zyklen Selbstporträts sowie Bildnisse von Max Reger, Johannes Brahms und Franz Liszt reihen sich neben denen von John Lennon, Martin Heidecker oder Alfred Hitchcock. Im Lithografiezyklus "Urfaust" findet der Künstler eigene Bilder zu den von Goethe formulierten philosophischen Themen. Das lithographische Mappenwerk "Hamlet in Amerika" erscheint als ein bildkünstlerisch umgesetztes selbst verfasstes Drehbuch und beschreibt Schauspielerdasein in einem Altersheim in Los Angeles. Die Blätter aus dem Zyklus "Night on Earth - Day on Earth" beziehen sich als freie bildnerische Zitate bzw. Fortschreibungen auf den Film "Night on Earth" von Jim Jarmusch mit Armin Mueller-Stahl in der Rolle des Emigranten "Helmet". Zu diesen drei Lithografiezyklen korrespondieren jeweils großformatige Gemälde auf Leinwand. Strandszenen in Venice bei Los Angeles erfasst Armin Mueller-Stahl mit psychologischem Gespür und bannt sie im Zyklus "Venice" mit lockerer Hand und meist wenigen Linien auf Papier. Menschliche Beziehungen Die Beziehungen des Menschen zu sich selbst und zu anderen wählte Armin Mueller-Stahl zum Grundthema seines Werkes. Daher bevölkern seine Blätter und Leinwände mit wenigen Ausnahmen Bildnisse und Szenen mit einzelnen oder mehreren menschlichen Figuren. Damit reflektiert Armin Mueller-Stahl das Lebensgefühl in der gegenwärtigen europäisch-amerikanisch geprägten Gesellschaft. In dieser dreht sich alles um den Menschen, seine Fixierung auf sich selbst, seine sozialen Wechselwirkungen, seine Kultur. Zugleich dringt der Künstler hinter die Kulissen der sozialen und individuellen Dramen vor. Dabei hilft ihm seine außerordentliche Begabung des Beobachtens, Einfühlens und sparsamen Wiedergebens. Porträts als Seelenbilder Auch wenn der Betrachter eindeutig Tom Waits oder David Oistrach in den Bildnissen identifizieren kann, liegt der Schwerpunkt der Darstellung nicht im Bereich der optischen Ähnlichkeit. Armin Mueller-Stahl zielt mit seinen Porträts auf das Wesen der Persönlichkeit. Statt äußerlicher Expressivität bevorzugt er innere Energieballung und erreicht damit eine hohe emotionale Intensität. Dem Betrachter begegnen lineare und malerische Psychogramme, hingehauchte Momente gefühlten Daseins, die noch im Zustand ihrer materiellen Fixierung weiter pulsieren. Zugleich offenbaren die Bilder auch immer die Beziehung des Künstlers zur dargestellten Person. Zeitgeist in der Kunst Armin Mueller-Stahls bildnerisches Schaffen diente ihm bis 2001 ausschließlich zur Selbstreflektion und manifestierte sich als "Tagebuch in Bildern". Das beständige Reflektieren in Bildern ist seine Art des Philosophierens, sein Weg, Positionen zum Weltgeschehen zu formulieren. In diesem Sinne bedient er sich der bildenden Kunst als Symbolsprache, vollendet sich in sparsamen Linienfigurationen. Seine künstlerische Reflektion verarbeitet nicht nur persönliche Eindrücke des eigenen bewegten Lebens. Die Werke nehmen immer mehr oder weniger bewusst Bezug zu Grundthemen gesellschaftlichen Seins. Hinter seinem universellen Erfolg darf daher mehr als nur ein Starkult vermutet werden, dem die Menschen einer Mediengesellschaft huldigen. Er spiegelt in vielen Facetten Ausdrucksformen des gegenwärtigen Zeitgeistes. Die Ausstellung entsteht gemeinsam mit dem Kunsthaus Lübeck und mit der freundlichen Unterstützung der Sparkassenstiftung Fulda, der Fuldaer Zeitung und des Kultursommers Main-Kinzig-Fulda. Katalog und Verlosung Zur Ausstellung erscheint ein Katalog "Armin Mueller-Stahl - Charakterbilder". Mit dem Kauf eines Katalogs "Armin Mueller-Stahl - Charakter-Bilder" nehmen Sie an der Verlosung einer Schwarz-Weiß-Lithographie und einer Farblithographie nach eigener Wahl mit persönlicher Widmung durch Armin Mueller-Stahl teil. Die Lithographien werden vom Kunsthaus Lübeck gespendet. Der Gewinner wird benachrichtigt. Regelmäßige Öffnungszeiten der Kunststation und des Cafés: Di - So 13 - 18 Uhr, während der Kunsttage Kleinsassen (10.-17.08.2008) 11 - 19 Uhr. Eintritt: 4 €, ermäßigt 2 €.
Text: Ralf Michael Seele, Städtische galerie ada Meiningen.
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