Zurück   Startseite   Druckversion 16. Januar 2007

Schutzanzüge, Punks und freche Fische

Leszek Skurski, Lukasz Kotlinski, Gosia Polonczyk, Tatiana Urban und Henning Straßburger zeigen in der Kunststation Kleinsassen eine Auswahl aus ihrem aktuellen Schaffen

Diese Schau lädt zum Entdecken ein: "Show me" ist eine Ausstellung in der Kunststation Kleinsassen überschrieben, in der sich fünf junge Künstler mit einer Auswahl aktueller Bilder vorstellen. In den drei Hallen des Präsentationshauses zeugen Exponate von Leszek Skurski, Lukasz Kotlinski, Gosia Polonczyk, Tatiana Urban und Henning Straßburger davon, wie facettenreich zeitgenössische Malerei sein kann. Ihre Bilder bieten Ansichten und Provokationen, artikulieren Protest oder liefern auf dem Weg der Ironie oder der Poesie neue Einsichten in menschliches Miteinander.

Leszek Skurski, der in Fulda lebt und arbeitet, hat die Schau kuratiert. Das Mitglied der Red Corridor Group, die in der Fuldaer Löherstraße unlängst eine innovative Galerie eröffnet hat, liebt die Malerei. Für die Schau, mit der die Ausstellungssaison 2007 in Kleinsassen eingeläutet wurde, hat sich der talentierte Künstler zwei ehemalige Kommilitonen von der Danziger Hochschule und zwei weitere Künstler, die er ebenfalls zu seinen Freunden zählt, mit ins Boot geholt. Gemeinsam präsentieren sie ein spannendes Spektrum an Bildern. Skurski selbst liebt das Spiel mit der Ironie. Er hält Menschen in Alltagssituationen im Bild fest. Mal gehen sie in der Gruppe am Strand spazieren, mal telefonieren sie alleine in einem undefinierten Raum mit einem unsichtbar bleibenden Gegenüber. Der Maler versteht sich auf die Reduktion. Nichts soll ablenken von der Figur, mit deren Momentaufnahme sich der Betrachter nicht selten sofort identifiziert. Sie wird dem Schauenden zum Mittel der Selbstreflexion, lässt ihn grübeln oder schmunzeln. Abgestürzte Piloten oder eine Ministranten-Menge, die einem den Rücken zukehrt, gehören ebenso zum Bildrepertoire wie ein Paar spielender Hunde, die starke Schatten werfen.

Gosia Polonczyks Bildern wohnt eine magische Kraft inne. Dezent in den gewählten Tönen, großzügig im Farbauftrag, den die Künstlerin häufig mit dem Spachtel auf die Leinwand bringt, arbeitet die Malerin zusätzlich mit Klebstoff und Draht. Die in London lebende Polin lässt Gefühle Form werden, ohne dass ein eindeutiger Wiedererkennungseffekt greift. Vielmehr wecken ihre oft mehrteiligen Bilder Assoziationen, lassen an Wüste denken, an unwirtliche Welten, an Spuren zurückliegender und zurückgelegter Zeit, an Augenblicke der Einsamkeit und Trauer.

Einen humoristisch-provokativen Blick wagt Lukasz Kotlinski. Der Warschauer Künstler macht seine Bilder zum Spiegel seines Protests gegen die dominante Stellung der katholischen Kirche in Polen. Er fragt nach Machtstrukturen und weist auf Doppelmoral hin. Im Mittelpunkt seiner Arbeiten steht jeweils ein Fisch als christliches Symbol, der alles, was ihm vor das Maul kommt, zu schlucken scheint: von der Madonna mit dem Jesusknaben auf der Postkarte über den Papst und polnische Regierungsvertreter bis hin zu den Werbebildern von Kotlinskis Malerkollege Leszek Skurski, die er collageartig einarbeitet.

Auch Henning Straßburgers Exponate sprechen eine klare und deutliche Sprache, wenngleich der junge Maler aus Düsseldorf seine Gesellschaftskritik noch schärfer formuliert. Anders als Kotlinski verpackt er sie nicht in farben- und formreiche Dekors, sondern konfrontiert den Betrachter mit der oft hässlichen Fratze des Alltags, die Vertreter jugendlicher Subkultur vielfach erwartet. Straßburger ist ein Kämpfer gegen Klischees. Speziell mit seinen neuen Bilder, darunter dem "Jugendbundzyklus", konfrontiert er das Publikum mit Schubladen, die jeder im Kopf hat. Er will zeigen, dass Punks, oftmals als Parasiten der Gesellschaft verschmäht, nichts anderes sind als ein Ausdruck des Protests gegen soziale Schieflagen.

Wie einige von Straßburgers Arbeiten flößen auch manche Bilder von Tatiana Urban, die in Offenbach lebt und arbeitet, dem Betrachter Angst ein, sorgen für Gänsehaut. Denn die Inhalte scheinen einem Alptraum zu entstammen, der in Farbe auf Leinwand Realität wird. In bislang unberührte Natur brechen Menschen ein, die weiße Schutzanzüge tragen. "Entdecker", "Waldarbeiter", "Fischer", "Bauer" heißen sie, glaubt man den Titeln der Bilder. Aber sie unterscheiden sich nicht voneinander. Nie sind sie als Individuen erkennbar, immer verbergen sie Gesicht und Körper hinter ihren weißen Monturen. Szenarien, die an Naturkatastrophen denken lassen und die Frage stellen, ob nicht der Mensch für die Natur die größte Gefährdung darstellt.

Wer sich selbst einen Eindruck von der Vielschichtigkeit der versammelten Malerei machen möchte und Anregung zur Selbstbetrachtung sucht, der sollte dem Appell der Bilder folgen: "Show me", rufen sie noch bis zum 1. April und locken in die Kunststation Kleinsassen, die jeweils dienstags bis sonntags von 13 bis 18 Uhr geöffnet ist. Der Eintritt kostet für Erwachsene 1,50 Euro.


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P. Klingebiel, Fulda

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