Zurück   Startseite   Druckversion 19. September 2006

Sigrid Oltmann präsentiert im Atelier der Kunststation "Zeit für Sinnlichkeit"

Magische Stillleben, die Rätsel aufgeben

Vasen und Töpfe mit Rosen und Tulpen, Schalen mit Obst, Blätter und Zweige, erlegtes Flugwild - das sind die Inhalte, die die Bilder von Sigrid Oltmann bestimmen. 15 ihrer magischen Stillleben versammelt die Schau "Zeit für Sinnlichkeit" im Atelier der Kunststation Kleinsassen.

Sigrid Oltmann ist eigentlich ausgebildete Bildhauerin. Um die Mitte der 70er Jahre entdeckte sie die Malerei für sich, eignete sich altmeisterliche Techniken an, die sie bis zur Perfektion brachte. Viele ihrer Arbeiten, die in der Tradition der Meister der Stilllebenmalerei des 16. und 17. Jahrhunderts stehen, konfrontieren den Betrachter mit der eigenen Vergänglichkeit. Welke Blätter, Melonenschalen, die nur mehr Reste des Fruchtfleischs und die übrig gebliebenen Kerne zeigen, und Vanitassymbole wie Totenschädel, Krähe oder ein zerschlagenes Ei führen die Endlichkeit alles Irdischen vor Augen, flüstern dem Betrachter zu: Memento mori.

Die Künstlerin kultiviert jene realistische Malerei und gibt ihr dabei eine individuelle Prägung. Rolf Frodl, Stadtrat und Kulturreferent von Hanau, der die Malerin seit Jahren schätzt, beschrieb dies auf der Vernissage während seiner Einführung in das Werk so: "In den meisten Arbeiten sind Störungen, Irritationen zu entdecken, die stets den Eindruck vollkommener und damit blutleerer Ästhetik unterlaufen." Das kann sich motivisch zeigen, wenn Sigrid Oltmann etwa einem klassischen Stillleben mit Früchten und Blumen plötzlich einen karierten Erinnerungszettel mit dem Entstehungsjahr des Bildes begibt, der wie angetackert anmutet und so gar nicht in die Idylle passen will. Das kann sich aber ebenso gut an Übermalungen und Bearbeitungsspuren ablesen lassen.

Alle Arbeiten kennzeichnen sich durch einen eigenwilligen Kompositionsstil, der jegliche Dynamik bewusst ausspart, das Auge zum Verweilen einlädt und den Betrachter über die Motive rätseln lässt. Ob die Liebe zur Statik mit ihrer Ausbildung zur Bildhauerin zu tun hat? Sigrid Oltmann nickt und sagt: "Das kann schon sein." Die 65-Jährige, die in Schöneck lebt und arbeitet und Kulturpreisträgerin des Main-Kinzig-Kreises 2002 ist, lässt gerne Dinge offen, will nicht zu viel über ihre Exponate verraten, die der Betrachter selbst entschlüsseln soll. Fritz Kramer, der ehemalige Fuldaer Landrat und Mitbegründer der Kunststation, eröffnete die Ausstellung. Er war begeistert von den Bildern, die zu einer exquisiten Kabinettausstellung arrangiert sind, und sagte über die enigmatischen Stillleben, die zum Dialog auffordern: "Das ist Kunst - in ein Fenster zu schauen, das uns neue Erkenntnisse liefert."

Sigrid Oltmann: Zeit für Sinnlichkeit. Bis 19. November. Atelier der Kunststation Kleinsassen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 13-18 Uhr. Eintritt: 1,50 Euro.


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