Zurück   Startseite   Druckversion 27. März 2006

Siglinde Kallnbach präsentiert in der Kunststation Kleinsassen ihr aktuelles Fotoprojekt "Rheingold-Shinkansen"

Das Eigene im Fremden entdecken

Siglinde Kallnbach hat mit ihren Projekten und Performances immer wieder Anteilnahme und Betroffenheit verursacht. In ihrem Schaffen macht die aus Tann (Rhön) stammende und seit 1994 in Köln lebende Künstlerin gesellschaftliche Schieflagen kenntlich - egal ob sie wie in "Todesmasken für Van Gogh" zu Beginn der 90er Jahre die Kommerzialisierung der Kunst im Allgemeinen und in Japan im Besonderen kritisierte, ob sie mit anderen Aktionen die Grauen des Faschismus ins Bewusstsein rückte oder im Rahmen von "a performancelife 2001-2008" zur Solidarität mit Krebskranken aufrief und aufruft. Ein Appell, den Siglinde Kallnbach jüngst in Kleinsassen wiederholte. Die international renommierte kompromisslose Künstlerin, die nicht zuletzt durch spektakuläre Performances bekannt wurde, war nach Jahren wieder in den Rhönort gekommen, wo im Atelier der Kunststation ihre aktuelle Ausstellung "Rheingold-Shinkansen" eröffnet wurde.

Das Projekt zeigt fotografische Momentaufnahmen aus dem japanischen Alltag, die angesichts einer globalisierten Welt nach sozio-kulturellen Gemeinsamkeiten und Unterschieden mit Ländern der westlichen Welt fragen und diese meist in der Gegenüberstellungen mit Motiven aus Köln kenntlich machen. Nach zahlreichen Stipendienaufenthalten und Reisen nach Asien darf die Künstlerin, die seit den 80er Jahren mit japanischen Kollegen zusammenarbeitet, als Japan-Kennerin gelten, die den Alltag der Menschen sensibel beobachtet, um ihrem Wesen möglichst nahe zu kommen. "Ich habe in Japan für mich selbst immer Kräfte gesammelt. Es ist ein faszinierendes Land, eine faszinierende Kultur", schwärmt Siglinde Kallnbach. Und sie ergänzt: "Für mich ist Kunst etwas Existenzielles wie Essen und Trinken." Dieses Bekenntnis offenbart sich in den Fotografien, die existenzielle Eckpfeiler der Kulturen und Menschen vorstellen. Einer ist das gemeinsame Feiern nach Traditionen. Das in Nordjapan im August eine Woche lang zelebrierte Nebuta-Fest, bei dem riesige Drachen- und Heldenfiguren durch die Straßen getragen werden, die das Böse vertreiben sollen, vergleicht Siglinde Kallnbach mit dem Kölner Karneval. Zwei Umzüge, die alten Bräuchen entsprechen und die den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Freude und mit dieser eine heilende Kraft schenkten, wie sie betont.

Eine weitere Stütze sieht die Künstlerin in Orten der Besinnung und des Geistigen. Auf die Suche nach dem Göttlichen begibt man sich im japanischen Nara etwa im hohen hölzernen Tempel oder im alten Garten der Tempelanlagen, während man in Köln dem Dom mit seinen den Himmel stürmenden Türmen einen Besuch abstattet – alles Horte der Kontemplation, die auch beim größten Touristenaufkommen Energie und innere Einsichten schenken und den Gläubigen zur inneren Ruhe kommen lassen.

Augenblicke der Freizeit halten andere Bilder fest: hier Geishas vor der Rolltreppe im Einkaufszentrum oder Frauen in traditioneller Kleidung in einem japanischen Zoo, dort Entspannung suchende junge Leute in einer Strandbar am Rheinufer oder Flaneure an der Promenade am Fluss. Vieles wirkt harmonisch und friedlich. Aber Siglinde Kallnbach verschweigt auch nicht die zunehmende, der Globalisierung geschuldete kulturelle Austauschbarkeit. Diese offenbart sich etwa in zeitgenössischer Architektur und Gastronomie. Die Wolkenkratzer in der Tokio-Ansicht könnten ebenso in einer westlichen Metropole stehen, die japanische Sushi-Bar könnte genauso gut in einer deutschen Großstadt zum Imbiss einladen. Im Miteinander hervorgehobener Originalität und herausgearbeiteter Parallelen lässt Siglinde Kallnbach den Betrachter ihrer Fotografien das Eigene im Fremden entdecken und schenkt somit neue Sichtweisen.

Die Ausstellung, die im Rahmen des deutschen Programms "Deutschland/NRW in Japan" sowie des japanischen Programms "2005 EU-Japan Year of People to People Exchanges" bereits in der Kita Gallery in Nara-Ken zu sehen war, läuft bis 14. Mai. Öffnungszeiten: täglich außer montags von 13 bis 18 Uhr. Eintritt: 1,50 Euro.


Zurück   Seitenanfang
P. Klingebiel, Fulda

Freie Malschule
 30.10.2011 bis 04.03.2012
Mehr zur Ausstellung ...
FZ-Artikel zur Ausstellung
Fotos zur Ausstellung

Labyrinth der Mythen
 11.12.2011 bis 04.03.2012
Mehr zur Ausstellung ...
FZ-Artikel zur Ausstellung
Fotos zur Ausstellung

Café in der Kunststation
Geöffnet: dienstags - sonntags, 13 - 17 Uhr

Sparkasse Fulda

Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen

Ulenspiegel in der Kunststation Kleinsassen

Jahresprogramm

Öffnungszeiten der Kunststation:
dienstags - sonntags, 13 - 17 Uhr,

Jahresprogramm 2012
Seminarprogramm 2012

Weg zur Kunststation

Nachricht an die Kunststation
Kunsttelegramm der Kunststation

Ausstellungen 2012
Ausstellungen 2011

Die Gestaltung der Homepage basiert auf dem Flyer zur aktuellen Ausstellung
Im Labyrinth der Mythen.

Das Bild der Kunststation Kleinsassen auf der Startseite ist ein Ausschnitt eines Fotos des Fuldaer Fotografen Andre Druschel
(www.druschel-photography.de).