Zurück   Startseite   Druckversion 18. März 2006

Identitätssuche in Bildern

Die Kunststation Kleinsassen zeigt Fotoarbeiten von Siglinde Kallnbach

Von Klaus H. Orth.

Kleinsassen. "Japan ist seit vielen Jahren ein Faible von mir", sagt Siglinde Kallnbach. Die aus Tann stammende Künstlerin, die seit 1994 in Köln lebt, präsentiert im Atelier der Kunststation Kleinsassen "Rheingold-Shinkansen". Die gestern Abend mit einer Einführung des Kunstkritikers Jürgen Raap eröffnete Ausstellung vereint Fotoarbeiten, mit denen Kallnbach erneut das asiatische Land in den Blick nimmt, nach Unterschieden und Parallelen zur europäischen Lebenswelt mit ihren Traditionen und Alltagserscheinungen sucht.

"Ich habe seit Anfang der 80er Jahre mit Kollegen aus Japan zusammengearbeitet", erklärt die vor allem durch spektakuläre Performances bekannt gewordene Künstlerin beim Rundgang durch die Schau, die zuvor in der Kita Gallery in Nara-Ken zu sehen war. Stipendien haben Kallnbach Japan näher gebracht. Während ihrer Reisen lernte sie das Land und seine Menschen kennen und lieben, wie sie sagt. Dabei hat sie eine sensible Sichtweise entwickelt, wie ihre Fotografien belegen. Sie schenken Eindrücke von Standorten in einer globalisierten Welt. Manche der gezeigten Ansichten erscheint bewusst austauschbar. So könnte das Heer der Hochhäuser, aufgenommen in Tokio, stellvertretend für andere Metropolen sein.

Richtet die Künstlerin den Fokus hingegen auf Umzüge und Feste wie den Karneval in ihrer Wahlheimat Köln oder das in Nordjapan gefeierte Nebuta-Festival, bei dem gewaltige Figuren durch die Straßen getragen werden, die den Kampf gegen das Böse symbolisieren, so menschelt es unverwechselbar. Diese Momentaufnahmen offenbaren Lebensfreude und das Festhalten an originären Traditionen. Bilder vom Tempel in Nara und vom Dom in Köln hängt Kallnbach nebeneinander - zwei beliebte und belebte Touristenziele und zugleich Horte der Kontemplation, "in denen man sich auch in größter Hektik in sich selbst versenken kann". Ebenso wie in den Gärten der Tempelanlagen mit ihren alten Bäumen, deren ausgeprägte Wurzeln auf einer Fotografie nicht zuletzt den Wunsch des Menschen nach Identität und Halt in einer schnellen, vom Wandel geprägten Zeit symbolisieren. Kallnbachs stille Schau verleiht jener Sehnsucht künstlerisch Ausdruck.

Siglinde Kallnbach: Rheingold-Shinkansen. Kunststation Kleinsassen. Bis 14. Mai. Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags 13 - 18 Uhr. Eintritt: 1,50 Euro.

Aus: Fuldaer Zeitung vom 18. März 2006


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