Zurück   Startseite   Druckversion 9. November 2006

Die fränkische Künstlergruppe PWW9 stellt in Halle 2 der Kunststation Kleinsassen aus

"Inventuren" zwischen Protest und Poesie

Die Künstlergruppe PWW9 hat im Laufe ihres Bestehens durch viel beachtete Aktionen und Ausstellungen im fränkischen Raum auf sich aufmerksam gemacht. Auch am Rhön-Salon 2002 nahmen die Mitglieder teil und ernteten dafür neben Lob und Anerkennung der Jury auch den Preis der Kunststation Kleinsassen. Eben dort nun zeigen die mittlerweile sechs Mitglieder der einst neunköpfigen Vereinigung aus Franken ihre Ausstellung "Inventuren". In Halle 2 des Präsentationshauses am Fuße der Milseburg wartet auf den Besucher ein spannungsreiches Miteinander älterer Werke und aktueller Arbeiten.

Da sind die zum besinnlichen Schauen einladenden Bilder von Ernst Johann Herlet (Jahrgang 1946). Der Künstler bringt Fundstücke von seinen Reisen mit und integriert sie in seine Bilder. Ein Beispiel dafür ist "La Noche Triste" (1998): Am unterem linken Rand kauert eine kleine Inka-Statuette aus Stein. Ein Werk, das zwischen Poesie und Protest, in schmutzigem Beige, Schwarz und Weiß Columbus' Entdeckung Amerikas thematisiert und die blutigen Konsequenzen für die Ureinwohner beklagt.

Henry Walinda (Jahrgang 1957) widmet sich in seiner Malerei der Verformung des Gegenstandes bis zur völligen Auflösung. Erde aus verschiedenen Ländern arbeitet er in seine Bilder in Mischtechnik ein. Georg Seifried (Jahrgang 1945) schafft Ordnungen in Flächen, die aus Farbe und Fundstücken aus Sand oder Stroh bestehen. Mal sind es schmale Längsstreifen im Hochformat, die in Arbeiten wie "Sandstreifen" (2006) Dynamik suggerieren. Mal vermitteln große horizontal angeordnete Flächen übereinander Ruhe und Schwere - etwa bei "Grün/Schwarz" (1994).

Auch Wicky Reindls (Jahrgang 1958) Werk lässt einen Wandel von inhaltlicher Schwere und Beklommenheit hin zu einer spielerischen Leichtigkeit erkennen, die es aber nicht an Ernsthaftigkeit mangeln lässt. Die älteren dunklen Tusche-Kohle-Blätter aus dem Jahr 1997, die Titel wie "Kopfschmerzen", "Gallensteine" oder "Scheiterhaufen" tragen, wirken enigmatisch und bedrohlich auf den Betrachter. Ganz im Gegensatz dazu stehen Reindls freche Aquarellobjekte (2006), die etwas schlüpfrig Lust am Laster demonstrieren und das Publikum zum Kumpanen mit voyeuristischen Zügen machen: Denn der Betrachter blickt auf leicht bekleidete Damen in Dessous und eindeutigen Posen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Auch Jan Polacek (Jahrgang 1951), der einer kubistischen Formgestaltung frönt und augenscheinlich das Freche liebt, greift erotische Momente auf, schöpft gar aus der Mythologie: "Drei Grazien" (2005) ist bei ihm ein drolliges Trio mit Ecken und Kanten, das er in ein intensives Blau gefasst hat. Auch vegetabile Formen greift er auf. "Früchte und Kapseln I-IV" (2006) sind dafür ein Beispiel. Gemeinsam mit Detlev Beck (Jahrgang 1969), der eine videokünstlerische Arbeit mit einer Klangkomposition präsentiert, hat Polacek eine "Vergleichende Konsumkunde" geschaffen, auf die sich der Betrachter einlassen muss. 31 Transparente Plastiktüten, auf die Symbole gesprüht sind, hängen an der Wand. Schaut man durch die durchsichtigen Hüllen hinein, so fällt der Blick auf Alltagsgegenstände. Geschmolzene Löffel, Zerbrochenes, Verformtes, banale Dinge, die Bearbeitungsspuren tragen, die man als Zeichen von Zerstörung und Gewalt lesen kann.

"Sechs Künstler - sechs unterschiedliche technische, stilistische und inhaltliche Positionen. Allen gemeinsam ist eine Ernsthaftigkeit, mit der sie sich den selbst gestellten Themen und Aufgaben widmen", würdigte Dr. Marion Feld, die Kuratorin der Schau, die ausstellenden Künstler. Wer sich von den unterschiedlichen und parallelen Positionen der Gruppe PWW9 überzeugen möchte, den lädt die Kunststation zu den "Inventuren" ein.

Die Schau läuft bis 7. Januar. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 13 bis 18 Uhr. Der Eintritt kostet 1,50 Euro.


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