Zurück   Startseite   Druckversion 1. Mai 2006

Akademie Krakau

Ausstellung in der Kunststation Kleinsassen

Von Stefanie Schadt.

Wer intensive, vielfältige Malerei zu schätzen weiß, ist derzeit in der Kunststation Kleinsassen bestens aufgehoben. Seit dem 9. April ist dort noch bis zum 4. Juni 2006 eine Ausstellung der Akademie Krakau zu sehen.

Das Ehepaar Alexander und Veronika Zyzik zeichnen sich für Auswahl der Künstler und deren Werke verantwortlich. Besuchten sie doch vor einem Jahr die älteste Akademie Polens, die die beiden freischaffenden Künstler selbst beeinflusste, um ganz in der Tradition Kleinsassens eine derartige Ausstellung, passend zum deutsch-polnischen Jahr, in Angriff zu nehmen.

"Zehn Leute - darunter Lehrende, Studierende und Absolventen - haben wir aus den vielen verschiedenen Akademie-Ateliers ausgesucht", erzählt Veronika Zyzik, die 1965 in Rybnik, Polen geboren wurde. "Wir beschlossen, aus den vielen Abteilungen, wie Grafik, Bildhauerei oder Neue Medien, uns nur auf den Fachbereich Malerei zu konzentrieren. Was wir dort sahen, war schon umfangreich genug. Die Zeichenklassen waren auch sehr interessant. Anfänglich wollten wir ebenso aus diesem Bereich etwas ausstellen, doch hätte es einfach den Rahmen gesprengt", führt Alexander Zyzik aus. Viele CDs, voll gepackt mit Bildern von Mitgliedern der Krakauer Akademie, sichtete das Künstlerehepaar in der Folgezeit. Etliche wurden schnell ausgesondert, weil sie laut Veronika Zyzik, noch nicht reif für solch eine Ausstellung waren.

Doch die Anforderungen an der Krakauer Akademie sind nicht minder hart. Sie legt sehr viel Wert auf das Können. "In den ersten zwei Semestern wird nur nach der Natur oder Modellen gezeichnet. Diese Methode löst bei den Studenten unterschiedliche Reaktionen aus. Manche gehen in die Richtung, die Wojciech Kubiak einschlägt; bei anderen kommt es zu einer Art Antireaktion, wie bei Przemyslaw Czepurko, der minimalistisch arbeitet", erläutert der 1964 in Kattowitz geborene Alexander Zyzik.

Diejenigen bei den die künstlerische Sicherheit der Krakauer Tradition zu Routine wurde, waren für die Kuratoren uninteressant. Andere, wie Kubiak, der Lehrbeauftragter an der Akademie ist, konnten hingegen sofort überzeugen. Seine Bilder richten sich aus der Distanz gesehen gen Fotorealismus und muten ungemein plastisch an. Kubiaks dicker Farbauftrag eröffnet sich dem Betrachter hingegen erst aus der Nähe. Zudem zeichnen sich seine Bilder, egal von welchem räumlichen Standpunkt aus betrachtet, durch hohe Expressivität aus.

Auf Anraten des anderen exponierten Lehrbeauftragten, Witold Stelmachniewicz, dessen Homomorfizm in der Halle 2 zu finden sind, gelangte der jüngste Künstler in die Auswahl der Zyziks. Obwohl sich Bartosz Kokosinski erst im zweiten Studienjahr befindet, hat er bereits einen ausgeprägt eigenen Stil. Analytisch zerlegt er mittels Computertechnik seine Bilder. Somit abstrahiert er die jeweilige Bildstruktur, die dadurch neue Bedeutungen erfährt. Ironie, aber auch Spielerei findet Ausdruck in der Kunst des 1984 geborenen Studenten.

Den Zyziks ging es bei der Wahl der Künstler ebenfalls um die Darstellung der Vielfalt. "Wir waren überrascht, wie viele sich - trotz des strengen Programms der Krakauer Akademie - sehr eigen entwickelt haben. Wir haben somit bewusst Leute ausgewählt, die stark ihre Individualität herausgearbeitet haben", so Zyzik. All diese künstlerische Verschiedenartigkeit muss in einer Gruppenschau trefflich komponiert werden. Zyzik gibt daher zu bedenken, dass die Ausstellung von der Intensität und der Komposition problematisch sein könnte. Hier hat das seit 23 Jahren liierte Künstlerpaar eine Lösung gefunden: "Wir finden es sehr gut, dass auch so ein Mann wie Przemyslaw Czepurko, der Minimalist, dabei ist. Der Raum, in dem seine Bilder ausgestellt sind, wirkt so entspannend, im Hinblick auf derart intensive Bilder wie von Agatha Biskup; die Portraits von Lukasz Grabski oder der ganze Zyklus von Witold Stelmachniewicz.

Die Hauptmotive der Bilder von Maja Krysiak sind stark mit dem Essen verbunden. Für sie ist Schmecken und Genießen ein Ergebnis der Analyse sowie der bewussten Wahrnehmung.

Die Halle 3 der Kunststation ist in kühlen Blautönen gehalten. Dort befinden sich die Gemälde von Julita Malinowska. Zeit- und grenzenlos wirken die Darstellungen, der im Wasser spielenden Kinder. Sie kontrastieren mit den Bildern von Anna-Maria Karczmarska, die in Form und Komposition manchmal an Filmkader erinnern. Den Einfluss neuer Medien, wie Video, beobachtet man in der Bilderserie "Gleis 2,3,4,5" von Michal Nowak, die nach selbst gedrehtem Videofilmen entstand.

"Alle sind junge Künstler mit großem Potential. Wir sind sehr gespannt, wie sie sich weiter entwickeln", bekunden die Zyziks hoffnungsvoll.

Aus: printzip 5/2006


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