Zurück   Startseite   Druckversion 12. April 2006

Studenten, Absolventen und Lehrende der Kunstakademie Krakau mit ihren Arbeiten bis zum 4. Juni zu Gast in der Kunststation Kleinsassen

Zeitgenössische Malerei aus Polen zwischen Tradition und Innovation

Die Präsentation von Malerei bedeutender Akademien hat in Kleinsassen eine lange Tradition. Daran knüpft nun eine Ausstellung an, die Bilder von Studenten, Absolventen und Lehrenden des Fachbereichs Malerei der Kunstakademie Krakau zeigt. Eine Schau wie geschaffen, einen wichtigen Beitrag zum zu Ende gehenden deutsch-polnischen Kulturjahr 2005/06 zu leisten, wie auch Konsul Jerzy Rasala vom polnischen Generalkonsulat in Köln findet, der eigens zur Vernissage in die Rhön gereist war, um den Teilnehmern und Organisatoren seinen Respekt zu zollen und die Grüße und Glückwünsche der Republik Polen zu überbringen. "Ihr habt nicht auf Signale aus Berlin und Warschau gewartet, sondern Ihr habt es selber getan", würdigte er das Engagement der polnischen Künstler und ihrer Gastgeber, deren Zusammenarbeit den Blick beider Nachbarländer aufeinander weiten und beide einander näher bringen soll.

Veronika und Alexander Zyzik haben die Schau im Auftrag des Präsentationshauses am Fuße der Milseburg konzipiert und organisiert. 2005 knüpfte das aus Oberschlesien stammende und im Landkreis Fulda lebende Künstlerpaar erste Kontakte zur traditionsreichen Hochschule in Krakau, lernte Studenten und Lehrende kennen, wählte Teilnehmer und Exponate aus und stellte so einen repräsentativen Überblick zeitgenössischer Malerei Krakauer Künstler zusammen. Das Ergebnis beeindruckt, macht es doch die unterschiedlichen Positionen einer künstlerischen Auseinandersetzung im Spannungsfeld zwischen Tradition und individueller Innovation deutlich.

Agata Biskup liebt hell leuchtende, intensive Farben. Satte Gelb-, Orange- und Rottöne machen ihre Sonnenuntergänge zu einem feurig funkelnden Fest für das Auge und lassen den Betrachter gleichzeitig darüber nachdenken, wo die Grenze zwischen romantischem Naturschauspiel und Kitsch verläuft. Przemyslaw Czepurkos Arbeiten sind minimalistisch. Geometrische Formen dominieren, die er mit Hilfe diverser Materialien wie Holz, Folie oder Mullbinden greifbar macht. Kreise, Quadrate und Dreiecke verweisen auf das Wesentliche. Nichts lenkt ab. Beinahe scheint es, als ginge von diesen farblosen Ausweisen des Rationalen eine eigentümliche Kälte aus. Lukasz Grabski überzeugt sowohl mit seinen leuchtenden Acryl-Tempera als auch mit seinen leisen Bildern, die er in einer Mischung aus Tempera und Pastellkreide entwirft. Seine Porträts zeichnen sich durch ein Bekenntnis zur Reduktion aus und fordern die Assoziationsfähigkeit des Betrachters.

An Pop Art lehnen sich Anna-Maria Karczmarskas kuriose Bilderkombinationen an. Sie verknüpft Tiermotive, Alltägliches und Spektakuläres miteinander. Sich tummelnde Karpfen und das Abspülen eines Tellers, das Löffeln einer Suppe und eine gefährliche Explosion stellt sie nebeneinander und damit zur Diskussion. An neuen Medien orientierten sich Bartosz Kokosinskis Porträts, die dem Computer entstammen. Sie setzen sich aus Hell-Dunkel-Werten aus Weiß, Grau und Schwarz zusammen. Hier und da umreißen feine farbige Konturen die Figuren, die erst mit dem nötigen räumlichen Abstand zum Bild auszumachen sind, aber dennoch diffus und anonym bleiben.

Im Gegensatz dazu setzt Maja Krysiak auf Konkretes. Das Reich der Küche stellt sie in ihren plakativ wirkenden Exponaten immer wieder in Ausschnitten dar: Aus der Vogelperspektive zeigt sie im Großformat eine festlich gedeckte Tafel mit allerlei lukullischen Weihnachtsleckereien, führt in kleinen Tafeln "Das Aufschlagen eines Eis", "Das Ausschneiden der Bauchhöhle" bei einem Fisch oder "Ein Brathuhn auf englische Art zusammengenäht" vor. Malerische Impressionen für die Kochbuchillustrationen Pate gestanden haben könnten. Naturnah ist die Darstellung bei Wojciech Kubiak. Seine lebensgroßen Akte sind schonungslos und ungeschönt, setzen die Abgebildeten dem Blick des Betrachters direkt aus. Auch in seinen übrigen Porträts, die handwerkliche Perfektion erkennen lassen, versucht er nichts zu kaschieren, macht in Werken wie "Zenon" oder "Opa mit Enkelin" Altersflecken und Blessuren zu Ausweisen gelebten Lebens.

Julita Malinowska versteht sich virtuos auf die Inszenierung der Landschaft, die sie zum Träger unterschiedlicher Stimmungen macht. Ob in Miniatur oder auf breiter Fläche - stets bieten die Natur und die sie bestimmenden Elemente die Bühne. Die Artistin lässt Surfer auf den Wellen reiten, Kinder am Strand im Wasser spielen und Boot fahren. Von stiller See bis zu spritzender Gischt präsentieren ihre anmutigen Ansichten großes Gefühlstheater. Michal Nowaks Bilder verweisen auf die Einsamkeit des Einzelnen im Großstadtdschungel. Wartende in der U-Bahnstation werden zu Repräsentanten eines alltäglichen Einerlei, das kein Ausbrechen zuzulassen scheint. Gesichtlose Passanten an Gleisen, für die es kein Ausbrechen aus ihrem Alltag gibt. Kein Blick trifft den anderen. Jeder bleibt mit sich allein. Und die U-Bahn rast vorbei. Daneben ist Nowak mit aktuellen Arbeiten menschenleerer Industrieanlagen aus Rost und Beton vertreten, die das impressionistische Spiel von Licht und Schatten im Stil einer kühlen Moderne weiterführen. Witold Stelmachniewicz weist ebenso auf die Verrohung der Welt hin. Porträts Verwundeter mit Bandagen und Blutspitzern im Hell-Dunkel-Kontrast, der an alte, vergilbte Fotos erinnert, setzt er neben Bilder, deren abstrahierte Inhalte Zellen und Blutkörperchen nicht unähnlich sind. Schmerz und Verletzung lässt sich auf verschiedene Weise nachhaltig darstellen. Und Stelmachniewicz beweist dies.

Wer jene zehn Positionen zeitgenössischer Malerei der Kunstakademie Krakau kennen lernen möchte, der ist zum Besuch der Kunststation eingeladen. Bis zum 4. Juni ist die Schau täglich - außer montags - von 13 bis 18 Uhr zu sehen. Der Eintritt kostet 1,50 Euro. Außerdem ist zur Ausstellung ein ebenso informativer wie günstiger Katalog erschienen, der für nur 5 Euro an der Kasse des Künstlerhauses erhältlich ist.


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Die Gestaltung der Homepage basiert auf dem Flyer zur aktuellen Ausstellung
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und zeigt das Kunstwerk des Monats:
Carl Constantin Steffeck: Reiterporträt, 1867, Öl auf Leinwand, 74 x 95 cm
Den eleganten Reiter auf braunem Vollblut stellt Steffeck (1818 - 1890) in einer Allee vermutlich in Berlin vor sonnenbeschienenen Häuserfassaden dar. Bei dem Reiter soll es sich - nach mündlicher Überlieferung - um die Darstellung des Prinzen Karl von Preußen handeln. Steffeck war neben den Münchner Pferdmalern der Familie Adam der beste deutsche Pferde- und Hundemaler der 2. Jahrhunderthälfte und Schüler des berühmten Berliner Malers Franz Krüger.

Das Bild der Kunststation Kleinsassen auf der Startseite ist ein Ausschnitt eines Fotos des Fuldaer Fotografen Andre Druschel
(www.druschel-photography.de).