Zurück   Startseite   Druckversion 10. April 2006

"Junge Künstler mit einem großen Potenzial"

Vernissage in Kleinsassen: Schau zeigt Positionen zeitgenössischer Malerei an der Kunstakademie Krakau

Von Klaus H. Orth.

Kleinsassen. "Ihr habt nicht auf Signale aus Berlin oder Warschau gewartet, sondern Ihr habt es selber getan." Mit diesen Worten würdigte gestern Nachmittag der polnische Konsul Jerzy Rasala in der Kunststation Kleinsassen die Teilnehmer und Organisatoren einer Ausstellung, die unterschiedliche Positionen zeitgenössischer Malerei von Studenten, Absolventen und Dozenten der Kunstakademie Krakau vorstellt. Der Diplomat freute sich darüber, dass die Schau im zu Ende gehenden deutsch-polnischen Kulturjahr 2005/06 ihren Beitrag leiste, beide Nachbarländer einander näher zu bringen.

Das aus Oberschlesien stammende und seit vielen Jahren im Kreis Fulda lebende Künstlerehepaar Veronika und Alexander Zyzik hatte 2005 Kontakt zur traditionsreichen Hochschule aufgenommen und die Schau konzipiert. Veronika Zyzik betonte bei der Vernissage: "Es sind junge Künstler mit einen großen Potenzial, die viele Überraschungen bereithalten."

Davon können sich die Besucher in den drei Hallen überzeugen. Viele der vertretenen Maler orientieren sich an der Natur und geben diese mit unkonventionellem Blick wieder: Wojciech Kubiaks ungeschönte Akte und schonungslose Porträts etwa, oder Julita Malinowkas Bilder spielender Kinder und Surfer am Meer. Michal Nowak zeigt "Bahnsteig"-Bilder von vereinsamten gesichtslosen Wartenden und Ansichten von menschenleeren Industriegebäuden. Witold Stelmachniewicz kombiniert in seiner "Situation"-Reihe Porträts Verwundeter - im schlichten Hell-Dunkel-Kontrast gehalten - mit farbintensiven Bildern, deren abstrahierte Inhalte an Blutkörper und Zellen erinnern. Assoziationsvermögen fordern auch die zur Reduktion neigenden Arbeiten in Mischtechnik von Lukasz Grabski. Stark leuchtend in Acryl-Tempera oder zurückhaltend dunkel in Tempera-Pastellkreide fangen sie unterschiedlichste Stimmungen ein. Flächig erscheinen die Figurenbilder, die Bartosz Kokosinski am Computer kreiert. Weiß, Grau und Schwarz setzt er in unregelmäßen Feldern nebeneinander, konturiert manchmal mit einer Farblinie den jeweiligen Gegenstand, den der Betrachter oft erst mit dem nötigen Abstand erfasst. Anna-Maria Karczmarskas Arbeiten, in denen sich Karpfen und Katzen tummeln, kommen im Stil der Pop-Art daher, wirken durch ihre starken Farbkontraste plakativ. Gleiches gilt für Maja Krysiaks Impressionen aus der Welt der Küche. Ähnlich einer Kochbuchillustration wird das "Aufschlagen der Eier" nicht als Foto oder Zeichnung, sondern in Öl auf Leinwand demonstriert und zur Kunst erhoben. Einen Hang zum Schrillen pflegt auch Agata Biskup. Ihre Sonnenuntergänge sind bewusst am Rande des Kitsches angesiedelt - ein Feuerwerk aus Farbe. Ganz im Gegensatz dazu stehen die Exponate von Przemylaw Czepurko, der geometrische Formen variiert, Dreiecke, Kreise und Quadrate aus Folien schneidet oder mit Mullbinden umwickelt. Seine Arbeiten bilden Ruhepunkte in einer Schau, die reich ist an Reizen und manche Entdeckungen möglich macht.

Kunstakademie Krakau - Fachbereich Malerei. Kunststation Kleinsassen. Bis 4. Juni. Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags 13 - 18 Uhr. Eintritt: 1,50 Euro. Katalog: 5 Euro.

Aus: Fuldaer Zeitung vom 10. April 2006


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Das Bild der Kunststation Kleinsassen auf der Startseite ist ein Ausschnitt eines Fotos des Fuldaer Fotografen Andre Druschel
(www.druschel-photography.de).