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Textilarbeiten von Gertraut Fuchs-GerhartFaszination der Farben und FormenBrillante Textilkompositionen voller Leuchtkraft, Energie und Anmut vereint die Ausstellung "Brocado Abierto" im Atelier der Kunststation Kleinsassen. Die Arbeiten stammen von Gertraut Fuchs-Gerhart. Die gebürtige Fuldaerin, die heute in München und am Walchensee lebt und künstlerisch tätig ist, kam im Jahr 2000 während eines Studienaufenthaltes in der mexikanischen Region Oaxaca mit den traditionellen Stick- und Webarbeiten der Indiofrauen in Berührung. Fasziniert von den Farben und Formen fragte Gertraut Fuchs-Gerhart nach historischen Hintergründen, wollte mehr wissen über überlieferte Muster, über den Entstehungsprozess. "Sie näherte sich den Frauen auf Augenhöhe", betonte der Münchner Ethnologe Professor Dr. Matthias Samuel Laubscher bei der Vernissage. Sein Einleitungstext zur Ausstellungseröffnung ist in der Begleitbroschüre "Brocado Abierto" abgedruckt, die an der Kasse des Präsentationshauses am Fuße der Milseburg für drei Euro erhältlich ist. Die Offenheit und der Respekt gegenüber der fremden Kultur sprechen deutlich aus den Textilobjekten der Künstlerin. Gleich kostbaren Fundstücken hat sie Arbeiten der Indiofrauen - Stoffstücke oder Gelenkbänder etwa - in ihre eigenen Kreationen integriert, transportiert diese so in unsere Welt, lenkt die Aufmerksamkeit auf die mexikanische Kultur und stößt einen Dialog an, der Brücken baut zwischen Lateinamerika und dem europäischen Kontinent. Auf Letzteres verstand und versteht sich auch der Journalist Professor Dr. Dieter Kronzucker trefflich. Er referierte bei der Vernissage über Lateinamerika im Allgemeinen und die Lage in Mexiko im Besonderen. Der ehemalige ZDF-Auslandskorrespondent, der Teile des Jahres in Mexiko lebt und auf dessen Einladung hin Gertraut Fuchs-Gerhart die Region Oaxaca kennen und bewundern lernte, zeichnete in seinem hintergrundreichen, spannenden Vortrag das Bild eines einst ausgebeuteten, nicht geeinten Kontinents, dessen Bewohner aber in puncto Kultur und Kunst das gleiche Selbstverständnis und den gleichen Stolz auf die Schöpfungen aus Lateinamerika hegen. Literaten und Maler würden überall gleichermaßen gelesen respektive bewundert, so Kronzucker, und nannte ein Beispiel: "So wie Francisco Toledo, der bekannteste zeitgenössische Künstler Lateinamerikas." Toledo, dessen Radierung "Pajero" Teil der Ausstellung ist, nutze seine Bekanntheit und finanziere mit den Honoraren seiner Bilder soziale Projekte in seiner Heimat Oaxaca und weit darüber hinaus, sei so zum Vorbild und zum Magnet für viele andere Künstler geworden, die in die mexikanische Region kommen, dort bleiben und sich mit den Wurzeln der dortigen Kultur beschäftigen. "Davon profitiert auch Gertraut Fuchs-Gerhart", betonte Kronzucker. Fotografien der Berliner Professorin Ingrid Goetz geben im Atelier der Kunststation Kleinsassen einen Eindruck von der Arbeit und dem Alltag der Indiofrauen. Darüber hinaus sind einige Originalwerkzeuge wie Nadel, Spitze und ein Hüftwebstuhl zu sehen. Zusammen mit den farbintensiven, dekorativen, formschönen und meist großformatigen Textilobjekten von Gertraut Fuchs-Gerhart laden sie ein zur Auseinandersetzung mit einer Kultur, die uns auf den ersten Blick fremd erscheint, in der wir aber bei näherer Betrachtung - wenn wir beispielsweise die adaptierten Rautenmuster oder die integrierten Gelenkbänder in den Blick nehmen - im Fremden das Eigene entdecken können. Gertraut Fuchs-Gerharts Ausstellung "Brocado Abierto" ist eine Verbeugung der Künstlerin vor der Tradition, den Werten und der Arbeit der Frauen Oaxacas, der man sich als Besucher nur anschließen kann. "Brocado Abierto" ist bis zum 16. Juli täglich - außer montags - im Atelier der Kunststation Kleinsassen zu sehen. Der Eintritt kostet 1,50 Euro, die Begleitbroschüre 3 Euro.
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