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Schroffes Metall, zarte PoesieVernissage in der Kunststation: "Klopfzeichen" von Ulrich BarnickelVon Klaus H. Orth. Kleinsassen. In diesem Jahr feierte Ulrich Barnickel seinen 50. Geburtstag, seit 20 Jahren bereichert der in Weimar geborene Künstler, der heute in Schlitz lebt, das hiesige Kulturleben. "Wir sind froh, dass wir im Jubiläumsjahr eine umfangreiche Schau seiner Arbeiten zeigen können", sagte Peter Ballmaier, Leiter der Kunststation Kleinsassen. Viele Bewunderer und Freunde Barnickels waren gestern Nachmittag zur Eröffnung der Ausstellung "Klopfzeichen" gekommen, die eine Auswahl aktueller Artefakte aus den Bereichen Skulptur, Zeichnung und Malerei präsentiert. Professor Karl Schawelka von der Bauhaus-Universität Weimar ging auf die Eigenarten von Skulptur und Plastik ein, hob die Besonderheiten des Werkstoffs Eisen hervor und skizzierte die Entwicklung der Metallbildhauerei. Diese stelle den Schwerpunkt in Barnickels Schaffen dar, der nach seiner Lehre zum Schmied von 1978 bis 1984 bei Professor Irmtraud Ohme an der Burg Giebichenstein Bildhauerei und Plastik studierte. Der Fokus damals lag auf der nicht-gegossenen metallenen Skulptur, deren Entstehungsprozess Schawelka so beschrieb: "Eine Idee wird gegen den Widerstand des Materials umgesetzt." Auf diesem Wege beweise der Künstler seine Talente als Handwerker, der das harte, schroffe Metall mit Schmieden und Klopfen (daher der Titel "Klopfzeichen") in Form bringe und dabei Rückschläge wie Brüche oder Verfärbungen in Kauf nehmen müsse. Der Artefakt sei nichts anderes als "der ausgehandelte Kompromiss zwischen der Idee und der Ausführung". Um ein stabiles Skelett herum schaffe der Metallbildhauer eine Hülle, eine Kreation aus konkaven und konvexen Formen, begleitet von Frakturen. "Wir lesen diese Spuren als Verletzungen; selbst wenn sie abstrakt sind, deuten wir sie anthropomorphisch", erklärte Schawelka. Und so begegnen dem Besucher beim Rundgang durch die Schau viele menschliche Momente im Spiegel der Kunst - bisweilen auch in Tiergestalt: Beispielsweise ironisiert ein aus Stahl geformtes Geflügelpaar im satten Rostrot das Rollenverhalten der Geschlechter: Während sich der Gockel "Macho" mit stolzer Brust vor der "Henne" aufbaut, duckt sich diese unterwürfig weg. Paarbeziehungen spielen überhaupt eine wichtige Rolle: "Goethe und Amalia", geschweißt und geschmiedet, stehen sich als abstrahierte Figuren gegenüber, verströmen zarte Poesie; "Adam" und "Eva", in gebrannter Eiche, kehren sich den Rücken zu. Und neben literarischen und biblischen Sujets finden sich Anleihen aus der Mythologie: die bronzene Büste "Hermes" etwa, deren rechtes Auge lädiert ist. Oder "Kassandra", die wie "Tango" oder "Graziös" Bewegung suggeriert - ein weiteres Thema, das auch die Bilder aus dem Zyklus "Tanz" oder die Zeichnung "Tanz 4" paufgreifen. Leben und Tod, Werden und Vergehen sprechen aus vielen Exponaten, die wie das mächtige Kruzifix aus Holz und Stahl, betitelt "... mag Euch nicht sehen", zum Innehalten einladen. Der gekrümmte rostrote Leib des Gepeinigten hängt an einem verkohlten Kreuz. "Korrosion unterstreicht den Eindruck des Ruinösen, des Vergehens, der Poesie", so Barnickel, der für Mitte November eine Ausstellung mit Miniaturplastiken in der Fuldaer Galerie Bilder Fuchs ankündigte. Zunächst aber sollte man seinen "Klopfzeichen" nach Kleinsassen folgen. Es lohnt sich. Ulrich Barnickel - Klopfzeichen. Kunststation Kleinsassen. Halle 1 und 3. Bis 8. Januar. Öffnungszeiten: täglich - au&szli;er montags - 13 - 18 Uhr. Eintritt: 1,50 Euro. Katalog: 7 Euro. Aus: Fuldaer Zeitung vom 31. Oktober 2005
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