Zurück   Startseite   Druckversion 10. Oktober 2005

30. Oktober 2005 bis 8. Januar 3006 - Halle 1 + 3

Ulrich Barnickel - Klopfzeichen

Nicht zufällig ist der Titel der Ausstellung von Ulrich Barnickel
Ulrich Barnickel
Ulrich Barnickel
"Klopfzeichen". Der Bildhauer unterstreicht damit nicht nur die Tatsache, dass seine Metallplastiken Produkte des Handwerks sind, aus dem er seine Kunst entwickelte: dem des Schmiedens. Das klare Bekenntnis zur handwerklich gestützten künstlerischen Äußerung, genau wie die ungebrochene Begeisterung für Metall, dass sich nur unter Einsatz großer Wärme und großer physischer Kräfte formen lässt, kommt nicht von ungefähr. Vor seinem Studium bei Prof. Irmtraud Ohme an der für Metallplastik renommierten Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle/Saale absolvierte Ulrich Barnickel zunächst Lehre und Meisterschule als Schmied. Ab 1983 sind mannigfaltige Formuntersuchungen in Barnickels Arbeiten zu verfolgen. Seit 1998 findet man auch den Werkstoff Holz in seinem Atelier, neben dem Metall, das nach wie vor sein bevorzugtes Material ist. Seine Skulpturen lassen trotz ihrer Reduziertheit immer die menschliche Figur erahnen, die einer bestimmten Geste Gestalt verleiht. "Durch Figur lässt sich mehr ausdrücken als durch Konstruktion bzw. Geometrie, denn es fehlt Gestik", so Barnickel. Neben der Geste und den zu Skulpturen gebannten Momenten werden in den Werken "Daseins- und Lebensspuren" sichtbar, die für den Künstler immer auch Spuren der Vergänglichkeit sind. Die zerknautschte, hohle Form mit ihren Kerben, Brüchen und Schweißnähten, ist Hinweis auf die brutale Zerstörung in der zivilisierten Welt. Die Krankheit der Gegenwart in ihrem unstillbaren Voyeurismus wird diagnostiziert. Besonders der Umgang mit
Ulrich Barnickel
Ulrich Barnickel: Kreuzigung, 2004
Metall und Holz, 3,50 m hoch
Eisen in Form von Assemblagen weist auf die Oberflächlichkeit, ja Instantbefriedigung und das Auslöschen der Kultur hin. In seinen Arbeiten begreift er Stahlblech wie ein zerknülltes Papiertaschentuch, Holz teilt er in facettierte Flächen und Stabeisen knetet er wie Teig. Zu Hilfe nimmt er große Maschinen, bis hin zum Bagger. Das Material wird oft bis zum Zerreißen traktiert und in collageartiger Arbeitsweise verschweißt. Klopfen und Schmieden als Verformung bedeutet auch Bemerkbarmachen und Zeichensetzen durch Klänge und Geräusche. Die gewollte Provokation des Rezipienten durch sinnliches Erfahren und Begreifen ist in den Arbeiten Barnickels spürbar.

Bei der Betrachtung seiner anthropomorphen Abstraktionen fällt auf, dass es immer wieder offene Formen sind, die den Künstler faszinieren. Sie ermöglichen einen Blick in die positive und die negative Form einer Skulptur und brechen die starre monolithische Wirkung dreidimensionaler Bildwerke auf. So wurde offene Metallplastik fast zu etwas wie einem Markenzeichen des in Schlitz ansässigen Künstlers.

In seine gestalterische Arbeit fließen neben seinen Ideen, die sich oft an literarischen Werken und Mythen entzünden, seine Erfahrungen aus dem Bereich Design ein, wobei für ihn der Unterschied zwischen Kunstwerk und Designobjekt nicht existent ist. Beides ist gleichwertig. Seine Werke sind z.B. in Paris, New York, Istanbul, Havanna zu sehen. Auch in unserer Region, wie z.B. in Hünfeld, Bebra, Lauterbach, Großenlüder, Alsfeld, Schlüchtern, Poppenhausen, Fulda und in Kleinsassen stoßen wir auf Barnickels Skulpturen.

2005 ist ein besonderes Jahr für den gebürtigen Weimarer: Ulrich Barnickel konnte seinen 50. Geburtstag feiern, und es ist 20 Jahre her, dass er nach Fulda kam. Also ein Anlass für die Kunststation, ihm zu seinem Jubiläum eine Retrospektive zu widmen.

Die Ausstellung Ulrich Barnickel - Klopfzeichen wird am 30.10.2005 um 16 Uhr in der Kunststation eröffnet. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Text: Marianne Blum.


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