Zurück   Startseite   Druckversion 2. Januar 2005

"Ein fantastischer und freundlicher Ort"

Umbau und Wiedereröffnung der Kunststation Kleinsassen

Von Stefanie Schadt.

Vor 25 Jahren gründete der Künstler Jürgen Blum die Kunststation Kleinsassen. 2005 präsentiert sich die international bekannte Stätte künstlerischen Schaffens, nach gründlichem Umbau, wieder der Öffentlichkeit. Im neuen Gewand bietet die Kunststation abermals Kunst und Künstlern zumindest ein temporäres zu Hause, aber behält das alte, bewährte Grundkonzept bei.

Zeit für eine bauliche Neugestaltung wurde es allemal, wenn auch, wie der Kunststation-Leiter Peter Ballmaier feststellt, in den 25 Jahren stets irgendwie gebaut wurde, so zeigte das mit der Zeit gewachsene Gebäude-Ensemble deutlich, dass es nicht vom Zahn, sondern vielmehr von den Zähnen der Zeit benagt wurde.

Schwachstellen sah der 64-jährige Ballmaier insbesondere im ehemaligen Eingangsbereich, denn hier "wurden nur wild entschlossene Besucher ermutigt, die Treppe hoch zu gehen, um sich den Weg an den meist übel riechenden Toiletten vorbei zu bahnen" - Einrichtungen, die noch aus der Zeit der vorletzten Jahrhundertwende stammten.

Vor allem das Fehlen eines Aufenthalts- oder Gastraumes, in dem nicht nur, aber durchaus die Kommunikation über Kunst möglich ist, fiel nicht nur Peter Ballmaier immer wieder negativ ins Auge. Häufig äußerten Besucher den Wunsch, auf einen Kaffee vor, zwischen oder nach Ausstellungsbesuchen in der Kunststation verweilen zu können. Zu der Tatsache, dass es für etliche vergleichbare Einrichtungen Gang und Gebe ist, ein Museumscafé zu beherbergen, kommt hinzu, dass es seit Jahren in Kleinsassen an Gastronomie fehlt, auf die Museumsbesucher hätten ausweichen können.

Auch eine gut erreichbare Abstellkammer war nötig, in der beispielsweise der hauseigene Flügel Platz hat, wenn er nicht vonnöten ist.

Die Ausstellungsflächen als solche waren ausreichend, "obwohl auch hier einiges im Argen lag", wiegelt Ballmaier ab.

Somit wurde der langjährige Plan eines Umbaus in die Tat umgesetzt. Die historische Gestalt des alten Schulgebäudes war überwiegend durch Vor- und Anbauten sowie Vergitterungen zerstört und ist nun in seine beinahe ursprüngliche Gestalt zurückversetzt worden. Die alten Toiletten sind komplett erneuert und um ein Behinderten-WC ergänzt. Die Eingangssituation ist vollständig renoviert, indem das Haus nun ebenerdig betreten werden kann. Die Lobby, die künftig zu allen Seiten durch Glas Ausschau bietet, dient als Aufenthaltsraum und Café, das gängige Getränke und kleinere Gerichte anbietet. Auch die Ausstellungsräume sind optimiert, dadurch dass beispielsweise eine Fußbodenheizung installiert und die Fenster, die störende Lichteinflüsse boten, größtenteils zugemacht wurden. Die Dachsituation musste erneuert werden, da durch eine zum Teil zerstörte Isolierung Glaswolle und anderer Dreck in die Räume rieselte. Der Innenhof ist jetzt von Dachüberständen befreit, so dass dieser zukünftig eher in Ausstellungen integriert werden kann. Zu guter Letzt wurde für Bildhauer, aber auch andere Künstler, ein offener und überdachter Arbeitsplatz geschaffen sowie ein Bau an die Halle 3 angefügt, der in Zukunft als Vergrößerung des Magazins dient und endlich dem hochwertigem Flügel eine Obdach bietet, wenn er nicht im Einsatz ist.

Vor Jahren wurden für einen Umbau noch 200.000 D-Mark angedacht. "Durch näheres Hinschauen wurde schnell klar, dass mehr investiert werden müsse. Der Fuldaer Kreistag hat daraufhin 2002 450.000 Euro zur Verfügung gestellt", erklärt Peter Ballmaier die Entwicklung der Kosten. Die Planung ergab, laut des Kunststations-Leiters, dass auch dieser Betrag für die anvisierte Neugestaltung nicht ausreichen würde. Ein EU-Förderprogramm zur regionalen Entwicklung bewilligte für die Umgestaltung weitere 396.000 Euro.

Die endgültige Summe der tatsächlichen Baukosten stand zum Redaktionsschluss nicht fest, doch Ballmaier versicherte, dass die eingeplanten 898.000 Euro nicht überstiegen werden.

Die Frage, ob der Umbau der Kunststation Kleinsassen und deren Finanzierung je auf Ablehnung bei all den Eingebundenen stieß, kann Ballmaier verneinen. Im Großen und Ganzen empfing er Zuspruch, den er seiner Einschätzung nach durch die positive Arbeit der Kunststation Kleinsassen in der Vergangenheit erhielt. An diese will der vom Resultat der baulichen Umgestaltung begeisterte Leiter unbedingt anknüpfen.

Mit der "Retrospektive 1952 - 2004" Gerhard-Jürgen Blum-Kwiatkowskis, wie er mit vollem Namen heißt, wird die Kunststation am 9. Januar offiziell wiedereröffnet, nachdem am 20. Dezember 2004 bereits zu einer Einweihungsfeierlichkeit geladen war. Die Retrospektive läuft in der Kunststation bis zum 14. April des laufenden Jahres.

Neben dem Fortbestand der erfolgreich laufenden Artothek, die die Möglichkeit bietet, Kunstwerke auszuleihen, mit der Option diese anschließend kaufen zu können, sowie außerplanmäßigen Veranstaltungen, bleibt es beim Grundkonzept der Kunststation. Damit wird auch in diesem Jahr das Gebäude vier Mal ausgeräumt und neu bestückt.

Das Atelier dient in der Regel in schnellerer Folge erscheinenden kleineren Einzelausstellungen, wobei die grösseren Schauen Gruppenausstellungen sein werden. Demzufolge stellen die Retrospektive Jürgen Blums und die Einzelausstellung zum 50. Geburtstag des in Schlitz lebenden Bildhauers Ulrich Barnickel nicht nur 2005 Ausnahmen dar. Des Weiteren wird im laufenden Jahr unter anderem noch einmal ein Rhön-Salon gewagt. "Dieser bezieht erstmalig auch Werke behinderter Künstler ein", erklärt Peter Ballmaier, der wohl auch in Zukunft nicht der Einzige sein wird, der die Kunststation Kleinsassen als einen "fantastischen, freundlichen, der Kunst, den Künstlern und den Besuchern dienenden Ort" bezeichnet.

Aus: printzip 1/2005


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P. Klingebiel, Fulda

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