Zurück   Startseite   Druckversion 19. Dezember 2005

Ein Genie zwischen Technik und Kunst

Vor zehn Jahren starb Konrad Zuse

Von Günter Wolf und Andreas Ungermann.

Hünfeld/Kleinsassen. Vor zehn Jahren starb der Erfinder des Computers, Konrad Zuse. Aus diesem Anlass fanden in der Region zwei Veranstaltungen statt. In Hünfeld, wo er viele Jahre seines Lebens verbrachte, wurde ihm zu Ehren eine Gedenkstunde veranstaltet und in der Kunststation Kleinsassen wurde eine Ausstellung mit Bildern Zuses eröffnet.

Seit gestern verfügt das Kreisgeschichtliche Museum in Hünfeld über eine neue Kostbarkeit: In der Konrad-Zuse-Abteilung kann fortan eine Z11 bewundert werden. Dieses Computermodell, das mit tatkräftiger Mithilfe der Hünfelder Konrad-Zuse-Schule restauriert wurde, ist der einzige Rechner, den die Zuse AG in größerer Stückzahl verkauft hat. Insgesamt 48-mal, so Dr. Wilhelm Mons von der Zuse-Gesellschaft, fand der Relaisrechner Abnehmer.

Seit dem Jahr 1954 wurde die Maschine zunächst als Spezialrechner für Flurbereinigung und Landvermessung konstruiert. Nach einigen Modifikationen konnte sie universell eingesetzt werden. Die ausgestellte Z11 ist das einzige noch existierende Exemplar dieser Maschine. Es tat zuletzt seinen Dienst im Landesvermessungsamt von Landau in der Pfalz. Die Rarität wurde von der Universität Kaiserslautern entdeckt, die sie schließlich dem Museum zur Verfügung stellte.

Beim Steuerpult allerdings, merkte Mons an, war man anderweitig fündig geworden. Davon gab es an der Universität Siegen ein Exemplar, das zuvor an der TU Berlin-Charlottenburg eingesetzt wurde. Doch die Freude über den Fund währte nicht lange. Abbau und Transport ruinierten das gute Stück. Doch die Hünfelder Konrad-Zuse-Schule wusste zu helfen. Hier wurde aus Holz ein neues Steuerpult gebaut. "Das hält jetzt mindestens 200 Jahre", ist Mons überzeugt. Aber auch der Rechner hatte Federn lassen müssen. So war der Rahmen verschrottet worden. Dafür wurde ein interessanter Ersatz aus Plexiglas gefertigt, das einen freien Blick in das Innenleben des Rechners erlaubt.

Zuvor hatte in der Haunestadt am Grab des Computerpioniers Konrad Zuse eine Gedenkfeier stattgefunden. Dabei würdigte neben dem Hünfelder Bürgermeister Dr. Eberhard Fennel und Landrat Fritz Kramer auch der Vorsitzende der Konrad-Zuse-Gesellschaft, Professor Dr. Roland Vollmar, die Bedeutung von Zuses Wirken über seinen Tod hinaus.

Konrad Zuse war nicht nur ein genialer Techniker, sondern auch ein ausgezeichneter Künstler. In der Kunststation Kleinsassen sind jetzt eine Vielzahl seiner Werke ausgestellt. Der Leiter der Volkshochschule, Michael Friedrich, Bürgermeister Fennel, Erster Kreisbeigeordneter Bernd Woide und Roland Vollmar betonten ihre Freude über eine Ausstellung, die es in einer solchen Schönheit und Vollständigkeit mit Zuses Werken noch nicht gegeben habe. Seinen zehnten Todestag nahmen sie nun zum Anlass, um an den Erfinder, Visionär, Konstrukteur und Unternehmer zu erinnnern.

Vollmar betonte, dass Zuses Kunst nicht von dessen wissenschaftlicher Arbeit getrennt werden könne. Fennel berichtete noch von persönlichen Begegnungen mit dem Erfinder. Mit der Ausstellung wird jetzt auch der universelle Anspruch des Ingenieurs, der Woide besonders imponiere, gezeigt. Den Höhepunkt der Veranstaltung bildete der Vortrag von Zuses ältestem Sohn, Dr. Horst Zuse, der als Professor am Fachbereich Informatik an der TU Berlin lehrt.

Mit Kurzfilmen und Bildern zeichnete er das Leben seines Vaters, der in der ZDF-Show "Unsere Besten" in diesem Jahr auf Rang 15 kam, nach. Dabei beleuchtete er sowohl das technische wie auch das künstlerische Schaffen. Horst Zuse zeigte in seinem Vortrag das stetige Schwanken seines Vaters zwischen dem Künstler und dem Ingenieur auf. Daneben erklärte er aber auch verständlich die Maschinen, die aus Konrad Zuses Drang zur Automatisierung entstanden sind.

Begonnen hat Zuses künstlerische Ader mit Karikaturen in seinen Schulheften. Diese sind in der Ausstellung ebenso zu sehen, wie die Holzschnitte, mit deren Verkauf er sich nach dem Krieg über Wasser hielt, oder Werbeplakate, die er für Ford zeichnete.

Nachdem sein Unternehmen in den 60er Jahren Pleite ging, malte Zuse unter dem Pseudonym Kuno See. Seine bevorzugten Motive waren Segelschiffe, Hochhäuser, Kathedralen und Sonnenuntergänge. Dabei schimmert auch immer sein Hang zur Technik und zur Architektur durch.

Neben abstrakten Bildern malte Zuse aber auch Porträts. So hängen neben der selbst gestalteten Geburtsanzeige seines Sohnes Bilder, die ihn als Kind zeigen. Einige der Werke werden zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert. Das Porträt von Bill Gates hängt allerdings nicht in Kleinsassen. Das hat Zuse dem amerikanischen Software-Milliardär persönlich überreicht. Die Ausstellung ist noch bis zum 29. Januar zu sehen.

Aus: Fuldaer Zeitung vom 19. Dezember 2005


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