Zurück   Startseite   Druckversion 7. November 2005

Ein Künstler mit eigener Handschrift

"Kontrapunkte und Visionen" stellt eine wenig bekannte Seite von Konrad Zuse vor

Von Klaus H. Orth.

Kleinsassen. Konrad Zuse hat viele Bewunderer. Die meisten schätzen den Computer-Pionier ob seiner technischen Innovationen, zu denen der Rechner "Z 1" und die Entwicklung vieler komplexer Maschine zählen

Aus Anlass des zehnten Todestages von Konrad Zuse präsentiert die Kunststation Kleinsassen eine bislang weniger bekannte Seite seiner Persönlichkeit: den Künstler, der seit früher Jugend seinem kreativen Drang in vielschichtiger Weise Ausdruck verliehen hat. "Kontrapunkte und Visionen" ist die Ausstellung überschrieben, die Karikaturen, Holz- und Linolschnitte, Arbeiten in Pastellkreide, Buntstiftzeichnungen, Ölbilder und Reproduktionen von Aquarellen Zuses vereint und darüber hinaus in einer kleinen Abteilung Einblicke in Erfindungen des Technikers schenkt.

Bei der Vernissage gestern Nachmittag dankte Peter Ballmaier, Leiter der Kunststation, allen, die am Zustandekommen der Schau beteiligt waren - besonders Wilhelm Mons, dem stellvertretenden Vorsitzenden der Konrad-Zuse-Gesellschaft, sowie den vielen öffentlichen und privaten Leihgebern. Eberhard Fennel, Bürgermeister von Hünfeld, erinnerte daran, dass Zuse fast 40 Jahre in der Haunestadt gelebt habe und dort begraben liege. Neben der Ausstellung, so Fennel, sollen ein Vortrag und eine Gedenkfeier im Dezember an den zehnten Todestag des Hünfelder Ehrenbürgers erinnern.

"Kunstschaffen war für ihn Bedürfnis und Antrieb", erklärte Professor Roland Vollmar, Vorsitzender der Konrad-Zuse-Gesellschaft, und hob den optimistischen und euphorischen Stil des Autodidakten hervor, der - wie Vollmar sagte - den Preis seiner malerischen Arbeiten in Quadratzentimetern berechnete, denn: "Alle Bilder waren ihm gleich viel wert."

Als "großes Ereignis im Jahr der Zuse-Events" wertete der an der TU Berlin lehrende Professor Horst Zuse die seinem Vater gewidmete Werkschau, deren Qualität er lobte.

Elmar Hegmann, verantwortlich für die Hängung der Exponate, ging auf die künstlerische Entwicklung Zuses ein, der von 1970 bis zum Tod 1995 Mitglied des Jungen Kunstkreises Hünfeld war und seine Bilder zeitweise mit dem Pseudonym Kuno See versah.

Schon die frühen Karikaturen aus der Schulzeit, so Hegmann, zeugten von Zuses Gabe, Situationen und Stimmungen mit raschem Strich zu Papier zu bringen, ebenso seine kompositorisch dichten Aquarelle. Der junge Künstler habe sein Talent in Reklamezeichnungen genauso bewiesen wie in den Holzschnitten mit Ansichten von Hinterstein, Hindelang oder Hopferau, die in den Nachkriegsjahren während seiner Zeit im Allgäuer Raum entstanden und die er als Grußkarten im familiären Kreis zu versenden pflegte. Auch auf die lebendige Gestaltung von Porträts habe sich Zuse verstanden, Belege dafür fänden sich viele - von der Bilderserie, die Horst Zuse als Kleinkind zeigen, bis zum Porträt des Freundes Professor Flessner.

Erst in Linolschnitten, dann in Ölmalerei setzte Zuse immer wieder technisch-konstruktive Motive ins Bild, erst nahm er die gotische Kirche, dann das Hochhaus in den Blick, variierte dabei das Spiel der Kräfte, setzte auf "extraordinäre Dynamik". Hegmann konstatierte: "Zuse schaffte eine eigene Handschrift. Die unverwechselbare Umsetzung eigener Ideen und Vorstellungen kennzeichnet bis heute sein Werk." Hegmanns Schlusswort, die Kunst fange häufig erst dort an, wo das Wort aufhöre, nahm der Fuldaer Landrat Fritz Kramer zum Anlass, sich kurz zu fassen. Er eröffnete die Ausstellung und lud das Publikum zum Zwiegespräch mit den Bildern ein.

Konrad Zuse - Kontrapunkte und Visionen. Kunststation Kleinsassen. Bis 8. Januar. Öffnungszeiten: täglich - außer montags - 13 bis 18 Uhr. Eintritt: 1,50 Euro.

Aus: Fuldaer Zeitung vom 7. November 2005


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