Zurück   Startseite   Druckversion 10. Oktober 2005/30. Oktober 2005

6. November 2005 bis 8. Januar 2006 - Halle 2

Konrad Zuse - Kontrapunkte und Visionen

Vom 6. November 2005 bis zum 8. Januar 2006 findet in der neugestalteten Kunststation in Kleinsassen im Landkreis Fulda eine Ausstellung zu Ehren von
Konrad Zuse
Konrad Zuse
Professor Konrad Zuse statt. Konrad Zuse ist als Schöpfer des ersten funktionstüchtigen Computers mittlerweile weithin bekannt. Wenig weiß man jedoch im allgemeinen über seine ausgeprägte künstlerische Veranlagung und Neigung. Die Ausstellung in Kleinsassen will diesen Aspekt seiner Persönlichkeit beleuchten und zeigt ein breites Spektrum seines kreativen Schaffens. So werden Karikaturen und Aquarelle aus seiner Gymnasialzeit in Hoyerswerda und Reklamezeichnungen aus seiner Studentenzeit präsentiert, während der er noch von einer Karriere als Werbegraphiker träumte. Von 1945 bis 1947 schuf Zuse in Hinterstein im Allgäu, wohin er zu Kriegsende geflüchtet war, viele Holzschnitte. Erst recht spät entdeckte er seine Liebe zur Ölmalerei. Als Ingenieur faszinierten ihn vornehmlich technische, insbesondere architektonische Motive. Auch abstrakte Farbkompositionen und landschaftsbezogene Darstellungen reizten ihn. Erwähnenswert sind daneben ebenfalls seine Portraitzeichnungen, unter denen sich beispielsweise auch die "Galerie der Computerpioniere" befindet.

Neben Zuses Bildern und Graphiken, die allesamt der Phantasie des künstlerischen Autodidakten entsprangen und sich bewusst nicht an Objekten der Außenwelt orientierten, soll in der Kleinsassener Ausstellung auch der künstlerisch-architektonische Aspekt seines Schaffens im technischen Bereich beleuchtet werden. So verkörpert der erste von ihm geschaffene, rein mechanisch arbeitende Rechner Z 1 ein Wunderwerk der Computerarchitektur. Eindrucksvolle Farbaufnahmen gewähren einen Einblick in dessen komplexe Struktur.

Mit Hilfe seiner Erfindungen konnte Konrad Zuse seinerzeit auch ein
Konrad Zuse
Konrad Zuse: Lichtfunken
Öl auf Lw., 60x80 cm, 1968
drängendes Problem der Modeindustrie lösen. Zu Beginn der 60er Jahre wurde es für die Textilbetriebe zunehmend schwieriger, den vielfältigen Wünschen der Kunden zu genügen. Die auf dem Reißbrett entworfenen Teile eines Bekleidungsstückes mussten in einem schwierigen und arbeitsaufwendigen Prozess von geschultem Fachpersonal auf die verschiedenen Größen und modischen Besonderheiten umgezeichnet werden. Man nennt diesen Vorgang "Gradieren". In Zusammenarbeit mit der Firma Neckermann gelang es der Firma Zuse, die Schnittmusterdaten umzurechnen und mit Hilfe des von Konrad Zuse entwickelten Zeichengerätes, dem Graphomaten, die Zeichnungen als Vorlagen für die Textilfertigung auszudrucken. In der Ausstellung wird dieser Vorgang in seinen detaillierten Abläufen dargestellt und ergänzt so den Gesamteindruck der Schau, die beweist, dass technische Begabung und Kreativität bei Konrad Zuse Hand in Hand gehen.

Kuratiert und betreut wird die Ausstellung vom Leiter des Konrad Zuse Museums Hünfeld, Dr. Wilhelm Mons, der auch stellvertretender Vorsitzender der Konrad-Zuse-Gesellschaft ist, und dem Leiter der Galerie Junger Kunstkreis in Hünfeld, Elmar Hegmann.

Die Ausstellung Konrad Zuse - Kontrapunkte und Visionen wird am 6. November 2005 um 16 Uhr in der Kunststation eröffnet.

Text: Marianne Blum.


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