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Ein Rückblick zum neuen StartDie Kunststation Kleinsassen zeigt "Gerhard Jürgen Blum-Kwiatkowski"Von Klaus H. Orth. Hofbieber-Kleinsassen. Nach umfangreicher Renovierung und Erweiterung öffnet die Kunststation Kleinsassen wieder ihre Pforten für die Kunst, blickt zurück auf ihre Anfänge und widmet ihrem Vater Gerhard Jürgen Blum-Kwiatkowski eine umfangreiche Retrospektive Der 1930 in Faulen geborene und in Elbing (Polen) aufgewachsene Künstler fand 1970 in Landrat Fritz Kramer und in Peter Ballmaier, dem damaligen Leiter der Volkshochschule des Landkreises Fulda, zwei Partner, mit denen er sein Vorhaben realisiert, die Kunst aufs Land zu holen. Er warb für seine "Idee des Stationismus", für die aktive Auseinandersetzung und Begegnung mit der Kunst, und er machte aus der ehemaligen Dorfschule bald einen Treffpunkt und eine Werkstatt, in der jeder Interessierte den Künstlern über die Schulter schauen oder selbst kreativ werden konnte. Blum lud internationale Maler und Objektkünstler ein, förderte so in der Region den Dialog über zeitgenössische Kunst. Häufig provozierte er mit seinen lebendigen Aktionen, die nie anstößig gemeint waren, aber stets Anstöße gaben. Letzteres trifft auch auf sein übriges kreatives Schaffen zu, seine Arbeiten aus den Bereichen Malerei, Grafik und Objektkunst, seine schöpferische Auseinandersetzung mit Kunst und Alltag. So wurde er für viele zum Vorbild, gewann ein immer größer werdendes Publikum und machte die Kunststation zu einer für Osthessen und darüber hinaus bedeutenden Institution der Gegenwartskunst. Dank Blums Engagement waren in Kleinsassen unter anderem Werke bedeutender Konstruktivisten zu sehen. In Kleinsassen führte Blum eine Karriere fort, die in den 50er Jahren in Polen begonnen hatte, wo er gemeinsam mit anderen 1956 den Verband "Junge Intelligenz" ins Leben rief, dessen Mitglieder nach dem Frost des Stalinismus auf ein Wiedererblühen des humanistischen Gedankenguts hofften und sich mit internationalen Kunstströmungen der Gegenwart auseinander setzten. 1961 gründete Blum in einem ausgebombten und eigenhändig wiederaufgebauten Dominikanerkloster in Elbing die "Galerie EL", initiierte dort die "Raumformbiennale", die zwischen 1965 und 1974 fünfmal stattfand. Blums künstlerisch-gesellschaftliches Engagement führte aber zu Spannungen mit dem herrschenden System und schließlich 1974 zur Ausreise nach Deutschland. In Fulda fasste er Fuß, formulierte seine "Idee des Stationismus" und realisierte sie unter anderem in Kloster Cornberg, Schloss Rittershain, Fulda, Hünfeld, Bad Salzschlirf, Eschwege und in der Kunststation Kleinsassen. "Meine Kunst ist es, Menschen zu inspirieren, Handelnde zu werden, die den künstlerischen Prozessen nicht nur staunend oder verstehend gegenüberstehen, sondern sie selbst nachvollziehen", sagt Blum. Dafür beispielhaft ist seine Kunstvermittlung in der "Freien Kunstakademie" und im "Museum Modern Art" in Hünfeld. In der Haunestadt hat er bald nach seinem Abschied von Kleinsassen 1990 ein weiteres Kunstzentrum in Osthessen geschaffen, dem er als Leiter ständig neue Impulse gibt. So wie mit der Aktion "Das offene Buch", im Jahr 2000 begonnen und bis heute fortgeführt: Hünfelder Häuserfassaden – versehen mit Texten konkreter Poesie – fanden und finden die Aufmerksamkeit vieler Besucher und wurden seinerzeit von der Frankfurter Buchmesse ausgezeichnet. Auch in Polen erhielt Blum Preise für sein Schaffen, unter anderem von der Kunstakademie Warschau. Die Schau in Kleinsassen "stellt Werke aus den vergangenen 52 Jahren seines künstlerischen Wirkens" vor. Am Sonntag, 9. Januar, um 16 Uhr wird die Retrospektive eröffnet. Ab Dienstag, 11. Januar, steht die Kunststation dann ganzjährig jeweils dienstags bis sonntags von 13 bis 18 Uhr für alle Besucher offen. Die Ausstellung "Gerhard Jürgen Blum-Kwiatkowski", zu der ein Katalog (20 Euro) erscheint, ist bis zum 17. April zu sehen. Aus: Fuldaer Zeitung vom 5. Januar 2005
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