Zurück   Startseite   Druckversion 1. Oktober 2005/11. Oktober 2005

Bewegende Landschaften

Vernissage in der Kunststation Kleinsassen: Florin Stefan stellt aus

Von Klaus H. Orth.

Hofbieber-Kleinsassen. "Wenn ich heute Maler bin, dann zu einem Großteil dank der Landschaft und dessen, was ich Landschaften malend gelernt habe", sagt Florin Stefan. Der rumänische Künstler, dessen Ausstellung "Innere Landschaften" im Atelier der Kunststation gestern Abend eröffnet wurde, präsentiert ein halbes Dutzend großformatiger bewegender Bilder. Stefan spiegelt darin Seelenzustände und Gefühlslagen, gibt intime Einblicke wieder, löst Teile äußerer Erscheinungen innerhalb einer Landschaft - beispielsweise bei Büschen - aus ihrem Gesamtzusammenhang und transformiert sie als Fragmente auf die riesige Leinwand. "Die große Fläche macht es mir dann möglich, dass ich mich sowohl malend als auch als Betrachter wie in dem Bild fühle, als Teilnehmer dessen, was abgebildet ist", erklärt der 37-Jährige.

Florin Stefan
Florin Stefan: Peisaj (Landschaft)
Öl auf Leinwand, 2005
In der Tat geht von den Arbeiten, deren Formate zwischen 130 x 200 und 150 x 200 Zentimeter variieren, eine stark meditative Wirkung aus. In "Selbstreflexive Landschaft I" etwa ruht der Blick zunächst auf den warmen Brauntönen im Mittelgrund, die hier stark kontrastieren, dort sanft ineinander fließen. Am unteren Bildrand meint man im Gemisch aus zartem Grün und Gelb eine Wiese zu erkennen, während Blassblau und Weiß in der rechten oberen Ecke einen Himmel andeuten könnten. Das Auge verweilt, wandert, ruht wieder, wandert erneut.

Assoziationen werden geweckt, Stimmungen zwischen Hoffnung und Melancholie erzeugt. "Ich will nicht wiedergeben, was ich sehe, sondern das, was mir im Gedächtnis bleibt von dem, was ich gesehen habe", sagt Stefan, der zum zweiten Mal in der Kunststation Kleinsassen zu Gast ist: 1995 nahm er an der Gruppenausstellung "Hora Romaneasca" teil, die Arbeiten von Studenten und Dozenten der Hochschule für Bildende Künste der rumänischen Stadt Klausenburg (Cluj-Napoca) zeigte. Initiiert wurde die Schau von Marianne Blum. Die Mitarbeiterin der Kunststation hat auch die aktuelle Exposition organisiert und schenkte bei der Vernissage Einblicke in Werdegang und Werk des Künstlers.

Mittlerweile kann Stefan auf viele internationale Ausstellungen zurückblicken, wurde mehrfach mit bedeutenden Preisen ausgezeichnet. Seiner Liebe zur Landschaft ist er in all der Zeit treu geblieben. Daran wird sich auch nichts ändern, denn er sagt: "Ich glaube, dass das Thema niemals ausgereizt sein wird, die Variationsmöglichkeiten sind unerschöpflich."

Florin Stefan - Innere Landschaften. Junge zeitgenössische Kunst aus Rumänien. Kunststation Kleinsassen, Atelier. Bis 13. November. Öffnungszeiten: täglich - außer montags - 13 bis 18 Uhr. Eintritt: 1,50 Euro.

Aus: Fuldaer Zeitung vom 1. Oktober 2005


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