Zurück   Startseite   Druckversion 1. Februar 2005

Kleines Format, Große Wirkung

Ausstellung in Kleinsassen mit Miniaturen internationaler Künstler

Von Klaus H. Orth.

Hofbieber-Kleinsassen. Klein, aber fein sind die Exponate, die im Atelier und im Cafébereich der Kunststation Kleinsassen in den kommenden fünf Wochen die Besucher zu Entdeckungen einladen. "Kunst der Miniatur" ist die gerade eröffnete Schau überschrieben. Sie zeigt ausgewählte und prämierte Wettbewerbsbeiträge der "Internationalen Biennale Miniatur", die 2003 vom Bosnischen Kulturzentrum Tuzla zum zweiten Mal ausgerichtet wurde.

"Die Idee, diesen Künstlerwettstreit ins Leben zu rufen, ging von Kleinsassen aus", verriet Peter Ballmaier, Leiter der Kunststation, bei der Vernissage. Predrag Hegedüs, der Anfang der 90er Jahre vor dem Jugoslawienkrieg aus Bosnien geflohen war, in Kleinsassen eine Zufluchtsstätte gefunden hatte und heute Stipendiat des Landkreises Fulda ist, wollte mit dem Wettbewerb in seiner Heimat ein Forum für Künstlerkollegen verschiedener Nationalitäten und Religionen schaffen. Also rief der die Miniatur-Biennale Tuzla ins Leben. Einzige Vorgabe für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer: Keiner der Beiträge sollte größer als hundert Quadratzentimeter sein. Thema und Material waren frei wählbar.

Die Resonanz bei der Premiere war groß. Und zur zweiten Auflage des Wettbewerbs in 2003 reichten über 200 Kreative ihre Arbeiten ein. 110 dieser Kunstwerke im Kleinformat hat Hegedüs nun nach Kleinsassen geholt. Sein Anliegen ist es nach eigenen Worten, der "marginalisierten Disziplin" zu neuer Aufmerksamkeit zu verhelfen. Der Künstler und Kurator sieht in der Miniatur ein "durchaus potentes Medium für experimentierfreudige, immer spielende, aber ernste Künstler, die auf der ewigen Suche nach dem verlorenen Paradies der Kindheit sind."

Die Bandbreite der künstlerischen Ausdrucksformen und verwendeten Materialien ist groß. Smail Iftic hat in Holz "Torso" und "Akt" geschaffen, die auf sanfte Oberflächen und satte Rundungen setzen. Marcus Wittmers bronzener "Pferdekopf" ist naturnah dargestellt, und Rajko Hercegovacs Bronze-Portäts zeigen männliche Charakterköpfe mit ausgeprägten Zügen, großen Nasen und Ohren. In der Tradition der Alten Meister steht das Stillleben in Öl auf Glas von Goran Hrvic. Äpfel, Birnen und irdene Gefäße hat der Maler der Miniatur zu einem stimmungsvollen Arrangement verbunden.

Hintereinander versetzt gehängt sind die titellosen Arbeiten von Mustafa Skopljak. Die drei metallen gerahmten Glasovale, gehalten von durchsichtigen Fäden, lassen jeweils in ihrer Mitte Gesichter mit gequältem Ausdruck erkennen, die entfernt an die Figur in Edvard Munchs berühmten Bild "Der Schrei" erinnern.

Expressive Farbigkeit kennzeichnet die abstrakten Materialbilder von Predrag Hegedüs. Vjekoslava Condric formt auf der quadratischen Leinwand aus pastos aufgetragener Ölfarbe Fisch um Fisch, formiert einen um den anderen im Kontrast ihrer unterschiedlichen Helligkeitswerte zu einem buntschillernden Schwarm. Landschaften in Aquarelltechnik, Fotografien, Collagen, Radierungen und Bleistiftzeichnungen, abstrakte Arbeiten und konkrete Kunst finden sich im Atelier zusammen zu einem Miteinander der Miniaturen.

Viele der Exponate beweisen, dass auch von kleinen Formaten große Wirkung ausgehen kann.

Kunst der Miniatur. Internationale Biennale Miniaturen Tuzla 2003. Kunststation Kleinsassen. Bis 6. März. Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags 13 bis 18 Uhr. Eintritt: 1,50 Euro.

Aus: Fuldaer Zeitung vom 1. Februar 2005


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