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Interview mit Peter BallmaierVon Stefanie Schadt. Im Landkreis Fulda kennt man Peter Ballmaier nicht nur als Leiter der Volkhochschule des Landkreises. Er ist ebenso für die Kunststation Kleinsassen, die 2004 25-jähriges Jubiläum feiert, verantwortlich. Ballmaier, der in Kürze 64 Jahre alt wird, hat vor einem Jahr die so genannte Altersteilzeit beantragt. Somit beendete der nun ehemalige Leiter der Volkshochschule des Kreises am 15. März diese Tätigkeit. Aber wie es so mit den "Unruheständlern" ist, wird Peter Ballmaier nicht nur passionierter Großvater, wie er sich selbst bezeichnet, und Hobbygärtner sein, sondern weiterhin, wenn auch gemäßigt, am öffentlichen Leben teilnehmen, indem er die Leitung der Kunststation Kleinsassen bis auf weiteres innehält. Leiter der Volkhochschule des Landkreises Fulda sowie der Kunststation Kleinsassen sind sozusagen die Endstationen Ihrer beruflichen Laufbahn. Womit hat diese begonnen? Das ist relativ einfach. Die Volkshochschule spielt darin eine große Rolle, denn sie war für mich als 12-13-Jähriger - ich habe damals in Fulda-Horas gewohnt - eine faszinierende Tür zur großen Welt. Da gab es Vorträge, da gab es Diskussionen, Informationen über Dinge, die in der Schule noch nicht oder nicht in dem Umfang gegeben waren. Was hat Sie besonders interessiert? Eigentlich alles. Ich habe Vorträge über fremde Länder gehört, Seminare über Literatur und Philosophie oder Geschichte besucht. Es waren auch Lehrer unserer Schule - ich habe das Realgymnasium, das heutige Freiherr-von-Stein-Gymnasium besucht - dort Referenten. Zu denen ist man hingegangen, weil ich mir gedacht habe, das kann ja nicht so schädlich sein, wenn man sich noch einmal etwas ausführlicher anhört, was der Lehrer vormittags in der Schule erzählte. Nebenbei erwähnt: In der Volkshochschule habe ich meine Frau wieder entdeckt, die ich aus der Schulzeit kannte und die auch eine Horaserin ist. Na ja, ich habe dann den Lehrerberuf studiert - das damalige Lehramt für Grund-, Haupt- und Realschule. Erst war ich an der Johann-Förster-Schule in Hünfeld. Im ersten Jahr habe ich dort sofort mit voller Stundenzahl ein drittes Schuljahr unterrichtet. Im zweiten Jahr unterrichtete ich ein erstes Schuljahr mit sage und schreibe 51 Kindern in der Klasse. Das ist eine Zahl, die einem heute keiner mehr glaubt. Das war in dieser Zeit nichts Besonderes. Wir waren auf diese Zustände durch unsere gute Ausbildung vorbereitet. Nach meinem Examen, das zugegebenermaßen nicht schlecht war, dachte ich, dafür belohnt zu werden. Der damalige Schulrat meinte aber, dass ich erst einmal das richtige Leben kennen lernen sollte. Er versetzte mich nach Rothenkirchen in die Schule. Nach einem halben Jahr kamen der Pfarrer und der Bürgermeister von Schwarzbach in der Rhön. Sie seien auf der Suche nach einem neuen Schulleiter für die Schule in Schwarzbach. Er müsse aber Orgel spielen können. Von mir hatten sie gehört, dass ich einen ganz guten Leumund habe. Ich stamme aus einem katholischen Umfeld, habe auch katholische Religion unterrichtet. Nun konnte ich mit der Orgel nicht dienen, aber ich sagte, wenn es denn gewünscht würde, könne ich ganz gut singen. Da sie keinen Orgelspieler fanden, wurde ich nach Schwarzbach versetzt. Was für uns reizvoll war, da wir dort eine Dienstwohnung bezogen und ich Schulleiter wurde. Damals gehörte der Schulmeister noch zu den Personen des öffentlichen Lebens. Ich wurde somit gleich überall eingebunden. In Schwarzbach war ich zwei Jahre. 1968 kam ich nach Michelsrombach. Michelsrombach war in dieser Zeit noch eine selbstständige Gemeinde mit einer neu gebauten Schule und einer Schulleiterdienstwohnung auf der gegenüberliegenden Seite - sehr angenehm. Hier wurde ich Hauptlehrer. Ob es diesen Titel heute noch gibt, weiß ich gar nicht. Die Volkshochschule lief die ganze Zeit über parallel. In Schwarzbach sowie in Michelsrombach war ich Zweigstellenleiter - damals hieß es noch Volksbildungswerk Hünfeld. 1971 bekam ich mit, dass das hessische Volkshochschulgesetz verabschiedet wurde. Daraufhin hat der Landkreis Hünfeld, nach der gesetzlichen Forderung, eine hauptamtliche Leitung dieser Volkshochschule in Hünfeld eingerichtet. Inzwischen hatte ich das Gefühl, dass es sich in der Schule ein wenig ausreizte, sodass ich mich auf diese Stelle bewarb. 1973 wurde ich somit Leiter der Volkshochschule des Landkreises Fulda. Anfänglich war das ein ganz kleiner Betrieb mit zwei, drei Personen. Würden Sie sich selber als einen korrekten Beamten bezeichnen? Ich war immer - so hoffe ich - korrekt. Auch bei all den Freiheiten, die ich mir genommen habe, huldigte ich stets dem Grundsatz, dass es Gesetze und Vorschriften geben muss, jedoch nicht wir für die Gesetze und Vorschriften da sind, sondern diese für uns. Das heißt korrekt auf der einen Seite, aber auf der anderen Seite nachschauen, was und wo Interpretationsspielräume sind, die dem Menschen dienen. Und ich habe alle Interpretationsspielräume genutzt. Beispiel? Beispiele können Sie in der Kunststation Kleinsassen finden. Dort haben Jürgen Blum und ich erst einmal gemacht und dann gefragt, ob wir es eigentlich dürfen. Man muss die Vorschriften schon kennen, um die Spielräume, die es gibt, auch zu erkennen. Vielleicht war ich ein bisschen mutiger als andere. Als Schulleiter habe ich mich nicht mit allem zufrieden gegeben. Ich hatte einige Male heftige Auseinandersetzungen mit der Schulaufsichtsbehörde. Ich habe allerdings immer Recht bekommen. Stichwort "Kunststation". Die Leitung in Kleinsassen behalten Sie aber erst einmal bei? Ja, mein Dienstherr, Landrat Kramer, hat festgestellt, dass ich mich weiter um die Kunststation Kleinsassen kümmern "?müsse", da ich diese in Teilen als mein Kind ansehe und dort viel rein gesteckt habe. Ich habe gerne "Ja" gesagt. Also leite ich die Kunststation bis auf weiteres weiter - so haben wir uns erst einmal geeinigt. Die Kunststation befindet sich momentan im Umbau. Wo soll dieser hinführen? Der Kreis schließt sich: Wir haben vor 25 Jahren in der Kunststation mit einer Aktion von Jürgen Blum begonnen. Und in diesem Jahr, der Monat steht noch nicht definitiv fest, werden wir die Kunststation mit einer großen Retrospektive und Ausstellung von Jürgen Blum wiedereröffnen. Wir alle sind mit Begeisterung dabei und denken, dass das ein guter Abschluss der ersten 25 Jahre ist. Fürchten Sie den endgültigen Ruhestand? Das einzige was ich jetzt schon schmerzlich vermisse, ist der Rückgang der Möglichkeiten etwas in Bewegung zu setzen. Es sei denn man tut es selbst. Aus: printzip 4/2004
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