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Die Kunststation Kleinsassen zeigt in der Galerie Gersfeld aktuelle Arbeiten von Jana SchwarzIm Banne berührender Bilder
Von Klaus H. Orth. Gersfeld. Auf die meisten Besucher der aktuellen Ausstellung in der Galerie Gersfeld mögen einige der dort präsentierten neuen Arbeiten von Jana Schwarz beklemmend wirken. Viele Bilder zeigen Figuren, die entpersonalisiert sind und an ihrer Umwelt leiden, und Szenerien zwischen Traum und Wirklichkeit, in denen das subjektive Empfinden der Künstlerin in einer sehr individuellen Bildsprache Ausdruck findet: Manchen Figuren fehlen die Gesichtszüge, andere tragen Masken und haben geschlossene Reißverschlüsse vor den Mündern, sind zum Schweigen verdammt. All dies Befremdliche und Geheimnisvolle in den Werken bannt den Blick. Denn die Malerin versteht es mittels eigenwilliger Perspektivwechsel, durchdachter Kompositionen und durch geschickten Einsatz von Farbe, Licht und Schatten, den Betrachter nachhaltig zu beeindrucken. "Die Arbeiten von Jana Schwarz sind Erzählungen, die das subjektive Erleben der Künstlerin schildern und nachvollziehbar machen", sagte Kunsthistorikerin Dr. Marion Feld. Sie begrüßte die Gäste der Vernissage im Namen der Kunststation Kleinsassen, die zur Ausstellung in Gersfeld eingeladen hatte. Im Rahmen ihres 25-jährigen Jubiläums erinnert die Kunststation, die erst Ende November nach umfangreicher Erweiterung wueder eröffnet wird, an ihre ehemaligen Stipendiaten. Zu ihnen zählt auch Jana Schwarz. Sie genoss die Förderung des Landkreises im Jahre 1999. Die diplomierte Malerin und Meisterschülerin, die in Leipzig bei Professor Sighard Gille studiert hat, lebt und arbeitet seit ihrer Stipendiatenzeit in der Rhön, deren Landschaft - vereinfacht und verfremdet - in verschiedene neue Arbeiten eingeflossen ist. In einer Reihe von Nachtszenen beispielsweise dient als Bildhintergrund ein entfernt an Schloss Bieberstein erinnerndes Bauwerk auf einem bewaldeten Berg, beschienen vom fahlen Licht der Mondsichel. Vor dieser Kulisse zeigt Jana Schwarz in Form von Figuren, die mal einzeln, mal als Paar auftreten, menschliche Momente vom "Rausch" bis zum "Zerwürfnis". Mit Seherwartungen spielt die Künstlerin in ihrem großformatigen dreiteiligen Wandbild, das den bezeichnenden Titel "Panorama" trägt. Jana Schwarz hat den Betrachterstandpunkt so gewählt, dass der Besucher, der sich direkt vor dem Gemälde befindet, bereits auf dem realistisch gemalten Balkon zu stehen scheint. Von dort aus blickt er auf eine weite Wald- und Wiesenlandschaft, die zur rechten Seite hin kippt. Zudem zeigt das Balkongeländer seltsame perspektivische Brüche, und unvermittelt tauchen an verschiedenen Stellen - quasi aus dem Nichts heraus - kleinere Landschaftsbilder auf. Auch anderes ist rätselhaft: Warum erscheint der Tisch als Palette, auf der im Farbenmeer Schiffe, die mit Häusern beladen sind, um einen Leuchtturm kreisen? Ist das alles am Ende nur eine Traumsequenz? Fragen, die jeder für sich beantworten muss. Jana Schwarz' Bilder berühren, manche lösen sogar Beklemmung aus - vor allem Arbeiten wie "Ich kann nicht mehr malen" oder "Mein Fleisch", die erlittenen Schmerzen und erlebten Ängsten Farbe und Form verleihen. Das geschieht durch das Zusammenspiel gegenständlicher Darstellung und der leitmotivischen Wiederkehr von Symbolen der Entmenschlichung (Masken), der Sucht (leere Flaschen, brennende Zigaretten), der Angst (die gekrümmte Gestalt). Darüber hinaus regen die Bilder zum Nachdenken über eigene Grenzsituationen an, geben Anstoß zum Gespräch. 21 Exponate präsentiert die eigens für die Räume der städtischen Galerie Gersfeld konzipiert Schau. Galerieleiter Norbert Filke unterstrich die gute Zusammenarbeit mit der Kunststation Kleinsassen und dankte Brenda Vidal (Gitarre und Gesang) für die musikalische Umrahmung. Jana Schwarz - Neue Arbeiten: Eine Ausstellung der Kunststation Kleinsassen in der Galerie Gersfeld, Stadthalle. Bis 31. Oktober. Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags 13 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Aus: Fuldaer Zeitung vom 21. September 2004
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