|
Kleinsassens erste Stipendiatin präsentiert ihre Arbeiten in HünfeldIm hellen Licht der ErinnerungVon Klaus H. Orth. Wer die ernsten, oft in ein nachdenklich stimmendes Dunkel getauchten Porträts von Ellen van Ess kennt, die vor und während ihrer Zeit als Stipendiatin der Kunststation Kleinsassen (1989/91) in ihrem Atelier am Fuße der Milseburg entstanden sind, der wird beim Besuch der am Samstag eröffneten Ausstellung in der Galerie im Bahnhof Hünfeld überrascht gewesen sein. Denn die Schau "Ellen van Ess - Neue Arbeiten", die mit der Kunststation als Veranstalterin in den Räumen des Jungen Kunstkreises Hünfeld zu Gast ist, präsentiert neben einer Auswahl aus dem bisherigen Schaffen der 49-Jährigen auch viele Beispiele aus ihrem aktuellen Projekt "Sogno di Roma", die eine heitere Gelassenheit erkennen lassen, eine Lust am Spiel mit Licht und Farbe. Ein sechswöchiger Romaufenthalt im Jahre 2000 gab dafür den Anstoß. "Ich habe vor Ort nur gezeichnet und Polaroids geschossen", verrät Ellen van Ess am Rande der Vernissage. Einige dieser Skizzen und Aufnahmen sind in der Ausstellung dokumentiert. Sie konzentrieren Eindrücke und Details von Spaziergängen durch die "ewige Stadt", die die Künstlerin mit ihren eigenen Assoziationen und Träumen verbunden hat: Ausschnitte aus dem Konstantinbogen, Putti, zwei sich küssende Gestalten, die Tür eines römischen Bürgerhauses, Ansichten von Straßen und Plätzen. "Danach sind später die Gemälde entstanden", erklärt Ellen van Ess. Mit Hilfe ihrer bildlichen Gedächtnisstützen hat sie innerhalb von zwei Jahren in ihren Ateliers in Dorla (bei Kassel) und in Berlin ihren "Traum von Rom" realisiert - Bilder, die manchmal schmunzeln lassen. So wie die "Piazza di Pietra". Hier sah die Malerin in der den Platz dominierenden Säulenarchitektur den Rahmen für eine riesige Bühne und malte kurzerhand einen Artisten in die untere rechte Bildecke, der mit bunten Bällen jongliert. Auf einem anderen Gemälde lässt sie eine klassische Nischenfigur in der Hitze des Sommers bunte Pillen zur Erfrischung schlucken, während aus den Arm der Jünglingsstatue Wasser tropft. Und das mächtige "Castel S. Angelo" taucht Ellen van Ess bei ihrer Erinnerungsarbeit nicht nur in freundlich helle Farben, sie stellt auch noch eine schlanke spitze Zypresse daneben, die einen Gegenakzent zur Gedrungenheit der Engelsburg setzt. Auch die Plastiken künden von der großen Freude der Künstlerin am "Spiel innerhalb der Medien", so geht die Holz-Arbeit "Ruota - Forza", ein Arm, der sich mit viel Kraft aus einem Rad herausdrückt, ebenfalls auf ihre römischen Skizzen zurück, während "Ikone" - ausgestellt im Raum nebenan - älteren Datums ist. Die Arbeit greift ein Motiv afrikanischer Kunst auf, die in vielen Bildern - entstanden vor dem Rom-Projekt - eine Rolle spielt: hier als überdimensionales Abbild zweier Skulpturen aus Kenia und Zaire, dort als Dokument des stillen Dialogs eines porträtierten Menschen oder einer fiktiven Figur mit den afrikanischen Artefakten. Jene Exponate, die sich dem Archetypischen zuwenden, sind wie die überlebensgroßen Akte des "Memento Mori"-Projektes (1989/90) oder die Porträts der späten 80er und frühen 90er Jahre in jeweils eigenen Räumen untergebracht - entsprechend der "projektorientierten Arbeitsweise von Ellen van Ess", wie Elmar Hegmann, Vorsitzender des Jungen Kunstkreises Hünfeld, in seiner Einführung in die Schau betonte. Zuvor hatte sich Peter Ballmaier, Leiter der noch bis November wegen eines umfangreichen Umbaus geschlossenen Kunststation Kleinsassen, für die Gastfreundschaft des Jungen Kunstkreises bedankt und die zahlreichen Gäste der Vernissage willkommen geheißen. Die Grüße des Landkreises Fulda überbrachte als Mitglied des Kreisausschusses Dr. Friederike Lang. Ellen van Ess - Neue Arbeiten: Eine Ausstellung der Kunststation Kleinsassen in der Galerie des Jungen Kunstkreises Hünfeld, Bahnhofstraße 15. Bis 2. Juli. Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags 13 bis 18 Uhr. Aus: Fuldaer Zeitung vom 7. Juni 2004
|
|